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Begrüßen die neuen vierbeinigen Kollegen: Klaus Nittel, Jürgen Bischoff, Steffen Riegsinger und Steffen Bochinger (von links).  Foto: Herweg 

Darum weiden jetzt Schafe auf dem Gelände der Kelterner Kläranlage

Keltern. Seit wenigen Wochen bietet sich im Industriegebiet Ellmendingen ein ungewohnter Anblick: Auf dem Gelände der Kläranlage weidet gemütlich eine Gruppe rotbrauner Schafe.

Die sechs Coburger Füchse stehen auf einer der sogenannten Eh-da-Flächen, die ihren Namen erhalten haben, weil sie eh da sind, also bereits vorhanden, aber bislang keiner konkreten (land)wirtschaftlichen oder naturschutzfachlichen Nutzung unterliegen. Solche Flächen eignen sich also ohne weitgehende Eingriffe dazu, für den Naturschutz und die Artenvielfalt eingesetzt zu werden. Das kann durch die Bepflanzung als Wildblumenwiese geschehen oder auch durch weidende Schafe. Die Idee ist vielseitig gut: So sorgen die Hinterlassenschaften der Tiere für die natürliche Düngung des Bodens und bieten Nahrung, Kinderstube und Heim für eine Vielzahl an Kleininsekten, fördern also die Biodiversität. Als angenehmer Nebeneffekt für die Gemeinde entfallen die sonst regelmäßig notwendigen Mäharbeiten; zudem erreichen die Schafe mühelos auch Wiesenstücke, die für motorisierte Mäher nur schwer zugänglich sind.

Wollige Rasenmäher

Der Boden wird weniger verdichtet als durch schweres Gerät. Und es ist nicht zu leugnen, dass die wolligen „Rasen-MÄH-er“ einfach ein hübscher Anblick auf dem sonst sehr nüchternen Wirtschaftsgelände sind. Betreut werden die Tiere von den Kläranlagen-Mitarbeitern Jürgen Bischoff, Patrick Wurster und Klaus Nittel, der zudem ein erfahrener Nebenerwerbs-Landwirt ist. Er war es dann auch, der die Tiere mithilfe eines befreundeten Landwirtskollegen ausgewählt hat und Bescheid weiß, wenn doch mal nach den Schafsklauen geschaut werden muss.

Robuste Rasse

„Wir haben die Einzäunung gezogen, sorgen dafür, dass die Tiere immer Zugang zu Wasser und einem sicheren Unterstand haben“, erklärt Jürgen Bischoff, „und wenn ein Bereich abgegrast ist, dann zieht die Gruppe in einen anderen Teil des Geländes um.“ Die Tiere der alten, robusten Rasse finden auf der Wiese alles, was sie brauchen. „Einer der jungen Böcke ist sogar mal ausgebüxt, aber der ist gleich wieder zurück-gekommen“, lacht Nittel. Die Coburger Fuchsschafe fühlen sich erkennbar wohl.

Der Gedanke zur Nutzung der Eh-da-Flächen ist im Kelterner Leitbild verankert. Das Projekt wird begleitet von Hauptamtsleiter Steffen Riegsinger, der erklärt, dass mithilfe von Luftbildern geeignetes Gemeindegrün gesucht und so zehn Hot-Spot-Flächen gefunden wurden, die nun landschaftsökologisch aufgewertet werden sollen.

Bürgermeister Steffen Bochinger freut sich, dass es hier schon so gut klappt und die Kläranlagen-Mitarbeiter gleich bereit waren, sich für das Projekt zu engagieren. Solange das Futter um die Kläranlage reicht, also bis etwa in den Oktober hinein, bleiben die Schafe nun draußen und verschönern das Areal.