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Eine geballte Sache sind die etwa 300 Kilogramm schweren Ballen der neuen Rundballenpresse der Familie Elsäßer aus Bauschlott vom Birkenhof.  Foto: Dietrich 
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Noch vor rund 70 Jahren war die Heuernte auch in Nußbaum mühevolle Handarbeit wie diese Aufnahme der Familie von Christian Sulzer zeigt. Im Gegensatz zu früher geht heute bei der Heuernte alles maschinell. Wozu man einst mehrere Menschen benötigte, kann heute einer alleine vom Traktor aus bewältigen. Archiv foto: Dietrich 

Die Heuernte läuft schon - 1. Juni ist traditionell der „Mäherstag“

.Neulingen/Enzkreis. Das sieht man auf den Feldern. Die Landwirte sehen sich beim Einbringen des Heus voll im Zeitplan.

Die jüngsten trockenen Tage und die Hitze haben geholfen: Die Heuernte liegt in diesem Jahr im Zeitplan. Nach einem ungeschriebenen Gesetz der Landwirtschaft ist der Stichtag ohnehin der Mäherstag am 1. Juni. Das weiß die 88-jährige, aus Nußbaum stammende Irmgard Vogel, die jetzt im Altenheim in Eisingen lebt, ganz genau. Schließlich war sie eine Bäuerin aus dem Effeff.

Und heute? Familie Elsäßer vom Birkenhof in Bauschlott hat bereits am Freitag, also einen Tag früher, mit dem Mähen des Grases begonnen. Zum Pressen des Heus am Sonntagabend wurde erstmals eine neue Rundballenpresse eingesetzt, nachdem das 20 Jahre alte Vorgängermodell ausgedient hatte. Die rund 300 Kilogramm schweren Rundballen sind in zwei bis drei Minuten gepresst, wie von Jungbauer Martin Elsäßer zu erfahren ist. Sie umfassen rund 15 bis 20 der herkömmliche Hochdruckballen, welche parallel auch noch gepresst werden. Die Rundballen kann eine Person alleine pressen, für die Hochdruckballen braucht es mindestes zwei Personen – eine, die den Traktor fährt, und eine, die die Ballen auf den Hänger setzt. Die neuen Rundballen sind ungleich größer: Wo man acht bis zehn von ihnen verlädt, muss man rund 150 Hochdruckballen auf den Hänger wuchten.

Elsäßers Vater Gerhard weiß, dass das Gras, wenn es geblüht hat, gemäht werden kann. Außer man will die Ernte für die Pferdehaltung einsetzen. Dafür sollte das Gras vollständig ausgereift und alt sein, weshalb hier für die Heuernte keinesfalls Eile geboten ist. Das junge, nährstoffreiche Futter sei dafür aber umso eiweiß- und energiehaltiger.

Erst vor zwölf Jahren hatte man in Neulingen die früheste Heuernte erlebt, an die man sich im Ort erinnern konnte. Damals brachte Familie Elsäßer bereits am 3. Mai ihr erstes Heu ein.

Der 1997 im Alter von 80 Jahren verstorbene Landwirt Adolf Dietrich aus Nußbaum hatte in seinem Leben nie vergessen, dass 1947 die Heuernte bereits Ende Mai abgeschlossen war, obwohl es damals noch keine Maschinen gab. Nach einem trockenen Frühjahr und einem heißen Mai gab es so wenig Futter, dass der Heustock gerade mal Kniehöhe erreichte. Die Sonne war damals die beste Heumaschine. Der Sommer vor 72 Jahren wurde so extrem heiß und trocken, dass die Bauern vor fast unlösbare Probleme gestellt wurden. In ihrer Verzweiflung hatten sie Weg- und Waldränder gemäht, Laub von den Bäumen abgestreift und Blätter von den Futterrüben (Runkelrüben) abgemacht, damit sie ihre Tiere füttern konnten. Das wenige Heu mussten sie für den Winter aufbewahren. Daher wurde der Sommer 1947 in Deutschland auch der „Steppensommer“ genannt.