Den Dietlinger Klaus Georg Husmann hat die Liebe zur Kanareninsel Fuerteventura nie mehr losgelassen. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Reisen seit Ende der 60er-Jahre auf die geschichtsträchtige Insel nennen sie ihn dort Don Claudio Major del Eldat.
Die schroffe Schönheit der Halbinsel Jandia hat es dem 69-Jährigen besonders angetan. Mitten in der dortigen Einöde liegt die Villa Winter. Das einstmals stolze Gebäude ist mittlerweile in die Jahre gekommen und droht zu verfallen. Die Villa ist Ausgangspunkt für zahlreiche Gerüchte und historische Halbwahrheiten, aber auch aufschlussreiche Forschungsansätze, die die Bedeutung der Insel kurz vor und im Zweiten Weltkrieg sowie auch noch Jahre danach betreffen. Der deutsche Ingenieur Gustav Winter, 1893 in Neustadt im Schwarzwald geboren, ließ die Villa in ihrer heutigen Gestalt auf der Halbinsel Jandia in den 50er-Jahren inmitten einer ausgedehnten Geröllwüste vollenden.
Zuvor hatte er bereits in den 30er-Jahren einen Pachtvertrag über die ausgedehnte wirtschaftliche Nutzung der Halbinsel Jandia geschlossen, in den 40er-Jahren fungierte er als Verwalter der „Dehesa de Jandia S.A.“ Winter soll gute Kontakte zur deutschen Abwehr unterhalten und sich als Strohmann der deutschen Reichsregierung betätigt haben. Denn die Nationalsozialisten hatten nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein gesteigertes militärisches Interesse an der Insel, was allerdings geheim bleiben sollte. Tatsächlich wurden zwei Flugplätze angelegt, um Versorgungsflüge mit Ju-52-Transportmaschinen zu ermöglichen. Und noch wichtiger: Die Deutschen sollen einen U-Boot-Stützpunkt errichtet haben.
Die im Internet kursierenden Geschichten dazu lesen sich wie ein Krimi, spannend allemal, aber nur in Teilen nachweisbar, nicht zuletzt, weil wesentliche Teile der in- und ausländischen Militärarchive, die Auskunft geben könnten, bis heute größtenteils geschlossen geblieben seien, wie Husmann bedauert. Man könne den Eindruck haben, dass auch heute noch von offizieller Seite viel verschwiegen werden solle: etwa die Rolle des mit Nazi-Deutschland kooperierenden Franco-Regimes. Zusammen mit Gleichgesinnten, etwa Inge Krug und Nilles Dondelinger, forscht der Dietlinger seit Jahren an der brisanten Materie.
Husmann, der aktuell an einem Buch zur Aufarbeitung des dunklen Kapitels der Geschichte Fuerteventuras arbeitet, will nicht mit braunen Geschichtsplagiatoren und sensationsheischenden Zeitgenossen in einen Topf geworfen werden. Schließlich handele es sich bei ihm um eine seriöse Persönlichkeit. Es gehe darum, so der 69-Jährige, unangenehme Tatsachen aufzudecken: „Mein Ehrgeiz besteht darin, die Wahrheit ans Tageslicht zu befördern.“ Der aktuelle Forschungsstand zu diesem in der Öffentlichkeit wenig bekannten Thema spiegelt sich in den Beiträgen auf Husmanns Plattform wider, die als geschlossene Gruppe auf Facebook angesiedelt ist.





