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In Deutschland ist die Diskussion um Sex auf Rezept neu entbrannt. Bei älteren, pflegebedürftigen Menschen geht es bei Sexualassistenz vorzugsweise um das Bedürfnis nach persönlicher Zuwendung, sowohl bei Streicheleinheiten als auch bei der Kommunikation. Foto: dpa-Archiv
In Deutschland ist die Diskussion um Sex auf Rezept neu entbrannt. Bei älteren, pflegebedürftigen Menschen geht es bei Sexualassistenz vorzugsweise um das Bedürfnis nach persönlicher Zuwendung, sowohl bei Streicheleinheiten als auch bei der Kommunikation. Foto: dpa-Archiv
11.01.2017

Diskussion um Prostituierte auf Rezept für Bedürftige - Regionale Experten beziehen Stellung

Sexualassistenz für Pflegebedürftige und Behinderte auf Rezept: Diese Forderung der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg (Grüne) schlägt hohe Wellen.

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion hatte in der „Welt am Sonntag“ angeregt, dass Pflegebedürftige und Behinderte in Zukunft Sex mit Prostituierten bezahlt bekommen. Die „Pforzheimer Zeitung“ fragte Experten aus der Region, die sich mit Senioren- und Pflegearbeit beschäftigen, welchen Stellenwert dieses Thema hat. Frank Johannes Lemke, Direktor und Vorstandsvorsitzender der Caritas Pforzheim, einer großen sozialen Institution in der Region mit mehreren Betreuungseinrichtungen, unterstreicht, dass man das Thema keinesfalls lächerlich machen dürfe. Der Wunsch nach Sexualität sei völlig normal und bei der Caritas und ihren Häusern gehe man damit deshalb auch „völlig entspannt um“.

Lemke wörtlich: „Das ist kein Tabuthema.“ Während das Ansinnen in der Altenhilfe überschaubar bleibe, stelle sich die Herausforderung in der Behindertenhilfe insbesondere bei jüngeren Menschen naturgemäß intensiver. Wer als physisch Behinderter quasi in seinem Körper gefangen sei, aber geistig auf der Höhe sei, verspüre ein völlig normales Verlangen nach Sexualität. Es gebe Einrichtungen, in denen die Leitungen auch nichts gegen einen Besuch von Menschen hätten, die Sexualassistenz anböten. Allerdings sei es wichtig, dies so zu ermöglichen, dass sich andere Heimbewohner nicht gestört fühlten. Es gehe also darum, einen geschützten Raum zu eröffnen. Völlig unabhängig davon sei das Thema „Sex auf Rezept“ keinesfalls neu. Dazu könne man natürlich politisch stehen, wie man wolle. Unabhängig vom Aspekt der Prostitution müsse man aus der Arbeit mit älteren Menschen wissen, dass dort sehr wohl noch ein hohes Maß an Empfindsamkeit anzutreffen sei. Das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Zuneigung sei sogar ein ganz Besonderes. In der Tat berichten Personen, die Sexualassistenz anbieten, von einem hohen Bedarf an Streicheleinheiten.

Beim Kreisseniorenrat Enzkreis/Pforzheim geht man ebenfalls gelassen mit dem Thema um. Ohnehin gebe es im Beratungsbüro hierzu kein Angebot. Allerdings sei man aufgrund der Arbeit mit älteren Menschen sehr wohl im Bilde, was Befindlichkeiten und Bedürfnisse anbelange. Ob man darüber ausführlich in der Öffentlichkeit sprechen müsse, sei freilich ein ganz anderes Thema, meint Vorstandsvorsitzender Dieter Müller. Mehr lesen Sie am Donnerstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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