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Beim Konzert in Bad Wildbad versetzt die Gruppe „Doors Reloaded“ das Publikum in Stimmung. Foto: Meyer
Beim Konzert in Bad Wildbad versetzt die Gruppe „Doors Reloaded“ das Publikum in Stimmung. Foto: Meyer
12.05.2019

„Doors Reloaded“ rocken das Kurtheater in Bad Wildbad

Bad Wildbad. Eine solche Zeitreise hat das Königliche Kurtheater in Bad Wildbad noch nie erlebt. Die Begeisterungsstürme, die durch den knallvollen Saal fegten, zeigten im historischen Ambiente eine Windstärke, die die Besucher von den Sitzen fegte und die Gänge zur Tanzfläche machte. Eine der einflussreichsten und schillerndsten Bands der 1960er-Jahre war mit ihrem Sound wieder zurück. Mit „Doors Reloaded“ eröffnete das Kurtheater seine Spielzeit – und legte mit dem ungewöhnlichen Stück Musikgeschichte einen fulminanten Start hin.

„Bitte nicht auf die 100 Jahre alten Stühle klettern“ hatte Thomas Käppler, Vorsitzender des Trägervereins, mehr im Scherz und in Erwartung eines schwungvollen Abends gebeten. Dass es zwei Stunden werden würden, in denen Stühle und Boden nicht nur durch die Lautstärke, sondern auch durch die dauerbewegten Gäste vibrierten, hatte er in dieser Form vielleicht nicht vorausgesehen. Den Stühlen hat es nicht geschadet, die durchlauchten Herrschaften, die vor rund 150 Jahren das Theater mit ihrem Besuch beehrten, hätten allerdings nicht wenig gestaunt: Auf ihrer Empore wurde in Gruppen, zu zweit oder alleine gerockt – und auch unten hielt es viele nicht auf den Sitzen. Nicht die schlechteste Idee, denn das Kurtheater wies mangels Heizung recht frische Temperaturen auf.

Die Musik, die von der Bühne kam, war umso heißer. Sie hat nichts von der Anziehungskraft verloren, die sie in den 1960er- und 1970er-Jahren mit ihrer ungewöhnlichen Mischung aus Rock und Pop an die Spitze der Bestsellerlisten brachte und die Zuhörer in Euphorie versetzte. Vor allem der charismatische Frontmann Jim Morrison mit seinen poetischen, rätselhaften Texten faszinierte mit seiner von Geheimnissen umgebenen Aura in einer Zeit, in der in Vietnam Napalm Mensch und Natur zerstörte, der Kalte Krieg immer bedrohlichere Schatten auf das Leben warf und Rassendiskriminierung und Polizeigewalt zur Tagesordnung in den USA gehörten. Morrison, der später in Paris unter ungeklärten Umständen ums Leben kam, wurde zum Sexsymbol und zur Kultfigur. Aber auch Keyboarder Ray Manzarek und Gitarrist Robby Krieger prägen den Sound, in langen Soli wird improvisiert.

Es sind die Gefühle besonders der Jungen dieser zerrissenen Zeit, die die „Doors“ in ihrem teils psychodelischen Klangteppich auffangen und beschreiben. Schon das mit vierfach Platin ausgezeichnete Debütalbum wartet mit Hits wie „The End“ oder „Light my Fire“ auf – die Band trifft den Nerv dieser Jahre: Ein Soundtrack zur drohenden Apokalypse, unheimlich und poetisch zugleich. „Schmerz ist dazu da, uns aufzuwecken. Die Leute versuchen, ihren Schmerz zu unterdrücken. Aber das ist falsch, Schmerz muss man mit sich herumtragen, wie ein Kofferradio. Erst wenn man Schmerzen empfindet, beginnt man, die eigene Stärke zu spüren,“ hat Morrison einmal gesagt.

Von düsterer Schwermütigkeit

„Doors Reloaded“, die Tribute-Band aus Heidelberg, spielte in der klassischen Doors-Besetzung. Authentizität, unterbrochen von gelegentlichen modernen Elementen und Improvisationen, ist ein Hauptanliegen. Eine Zeitreise und doch irgendwie zeitlos, mitreißend, voller Elan aber mit düsterer Schwermütigkeit – das begeisterte ein Publikum, das keineswegs nur aus jenen bestand, die Erinnerungen mitbrachten. Sänger Jürgen Scherb, Gitarrist Artur Loth, Schlagzeuger Ralf Väth und Keyboarder Thomas Langner wurden frenetisch gefeiert.

Anzusehen ist das Ganze auf dem Facebook-Account der Band – ein Video als Mitschnitt des Konzerts wurde im Kurtheater erstellt.