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Reifen qualmen,  wenn Autofahrer beim Drifting, wie zum Beispiel in Heimsheim, mit hohem Tempo Kurven ausfahren.
Reifen qualmen, wenn Autofahrer beim Drifting, wie zum Beispiel in Heimsheim, mit hohem Tempo Kurven ausfahren. © dpa, Archiv
19.06.2008

Drifting in Heimsheim: Die andere Art des Kurvenfahrens

ENZKREIS/HEIMSHEIM. Noch immer eine Gänsehaut kriegt Autofahrer F. aus Friolzheim, wenn er daran denkt, wie er auf dem Gelände der ehemaligen Autobahnmeisterei in Heimsheim herum gebrettert ist. Von der anderen Art des Kurvenfahrens ist auch Corina fasziniert. „Ich bin ein großer Fan des Driftens geworden“, schreibt sie im Gästebuch der Internetplattform driftandrace.de.

Dieter Bürkle, Geschäftsführer der Firma Rundturm Heimsheim GmbH & Co. KG, vermietet sein Gelände an der Autobahn an Veranstalter wie MGM-Autoservice aus Weil der Stadt – für ihn ist das ein kleiner Ausgleich für laufende Instandhaltungskosten des fast vier Hektar großen Areals, auf dem er ein Dienstleistungszentrum plant. Das Landratsamt Enzkreis freilich prüft zurzeit, ob Auflagen für solche Driftings nötig sind.

Willkommene Nebeneinkünfte

„Bevor wir die Autobahnmeisterei umbauen können, haben wir ja nur Kosten, Kosten, Kosten“, stöhnt Bürkle. Da kam ihm die Anfrage der Firma MGM gerade recht. Für 600 Euro pro Tag öffnet Bürkle das Hoftor der Autobahnmeisterei, sechs Termine hat er bisher genehmigt. Thomas Maier von MGM bietet im Internet das bisweilen Reifen fressende Spektakel in Heimsheim für 60 Euro pro Person an. Wer das eigene Auto schonen will, kann sich für 150 Euro ein Fahrzeug leihen. „Viele Teilnehmer bei uns sind Profis“, sagt Maier.

Auch die Autobahnpolizei hat keine Einwände erhoben. „Sonst gehen Drifter vielleicht auf große Plätze oder benutzen die Parkflächen von Einkaufsmärkten“, sagt Bürkle. Oder sie brennen ihre Spuren bei sogenannten „Burnouts“ in Rasenspielfelder – beim Fußballverein SV Illingen wurde Ende Mai ein Trainingsplatz zerstört. Schaden für den Verein: mehrere Tausend Euro.

Nach den ersten Driftveranstaltungen auf der Piste der Autobahnmeisterei hat das Heimsheimer Ordnungsamt Versicherungfragen geprüft und die baurechtlichen Voraussetzungen für solche Driftfahrten geprüft. Greift bei einem Unfall die Haftpflicht des Autofahrers oder muss ein Veranstalter spezielle Versicherungen abschließen? Bürkle hat sich von den Vertragspartnern zusichern lassen, dass „Teilnehmer auf eigene Gefahr mitmachen“. Der Veranstalter müsse notfalls eigene Versicherungen abschließen, so Bürkle.

Die Sicherheit spielt auch für Ingrid Lockner vom Heimsheimer Ordnungsamt eine große Rolle: „Wir haben das Landratsamt eingeschaltet, nur das Enzkreis-Bauamt kann entscheiden, ob für die Driftingkurse Baugenehmigungen notwendig sind.“

„Bisher war das aus unserer Sicht ein Lagerplatz, Autodrifting ist eine Nutzungsänderung“, sagt Wolfgang Kummer, Stellvertretender Leiter des Enzkreis-Amts für Baurecht und Naturschutz. Ob die Sicherheit des Personals sowie von Besuchern und Fahrern gewährleistet sei, müsse das Landratsamt erst noch entscheiden.

Filme aus Autobahnmeisterei gibt es unter www.youtube.de

(Stichworte „Drift“ und „Heimsheim“ eingeben)

Drei Filme zur Auswahl mit Direktlink:

http://de.youtube.com/watch?v=BnFSv8AkbHo

http://de.youtube.com/watch?v=p3A67hmuMK0

http://de.youtube.com/watch?v=X448WgWcCkQ