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Für seinen außerordentlichen Einsatz und ehrenhaftes Verhalten für und zum Wohle der Gemeinde Remchingen verleiht Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon (rechts) Friedbert Pailer im Namen des Gemeinderates die Ehrenbürgerwürde.  Foto: Zachmann 

Ehrenbürgerwürde: Remchingen verleiht Friedbert Pailer höchste Auszeichnung

Remchingen. Ohne Friedbert Pailer wäre Remchingen schlichtweg nicht die Gemeinde, in der die Bürger so gerne leben – so brachte es Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon auf den Punkt, als er dem 83-Jährigen aus Wilferdingen im Namen des Gemeinderates in der Kulturhalle die höchste Auszeichnung verlieh, die eine Gemeinde vornehmen kann: die Ehrenbürgerwürde.

Dieser wurde in den Ortsteilen nach 1945 nur Ratsschreiber Adolf Bräuninger, Pfarrer Oskar Rößler und Altbürgermeister Fritz Ebel zuteil.

Grund genug für die äußerst seltene Auszeichnung, bietet ein Blick auf das Leben und Wirken des Küfermeisters, und späteren Bank-Geschäftsstellenleiters, der seine Heimat ins Herz geschlossen hat. Lang ist die Liste der Ehrenämter, die der Träger der Landesehrennadel (1987) und des Bundesverdienstkreuzes (2006) vor Ort leistete. Als Vorsitzender des Ortsviehversicherungsvereins verbrachte er manche Nacht mit kalbender Kuh, verlieh seinem Kirchenchor über 32 Jahre als Vorsitzender die Stimme, machte sich durch einen Trägerverein stark für den Erhalt der Alten Kirche in Wilferdingen, deren Turmuhr er in jungen Jahren tagtäglich aufgezogen hatte.

Pailer war Gründungsmitglied des Altenheim-Trägervereins und des Heimatvereins, dessen Zweiter Vorsitzender er noch heute ist. Er begleitete Ausgrabungen, kartierte Kleindenkmale für das Landratsamt, lief mit der Wünschelrute durch den Wald und verhinderte so im Verein zum Schutz der Seewiesenquellen eine Mülldeponie nahe des Sperlingshofes. Der 83-Jährige erarbeitete als Ortshistoriker die Geschichte von Carl Dittler, Vorfahre seiner Frau und Treiber der badischen Revolution, und trug zur Freilegung des Wilferdinger Kindeles-Brunnens bei. Pailer saß fast 44 Jahre als Gemeinderat und Fraktionssprecher in den Reihen von Freien Wählern und CDU und war 1973 während der Gründung Remchingens bis zum Antritt von Bürgermeister Wolfgang Oechsle als Remchinger der ersten Stunde Amtsverweser und später Bürgermeister-Stellvertreter sowie Kreisrat.

Dank an Wegbegleiter

„Dieser großartige, ehrenamtliche Einsatz erfolgte stets zum Wohle der Gemeinde, Sie waren an allen wesentlichen Entscheidungen beteiligt und sind den Weg in eine zukunftsorientierte Gemeinde stets mutig und entschlossen gegangen“, lobte Prayon. „Ganz wesentlich für die Entscheidung war, dass Sie nach Aussage Ihrer Wegbegleiter stets ein Ehrenmann waren und sind.“

„Das ist für mich heute ein Tag großer Freude und Dankbarkeit“, sagte der neue Ehrenbürger gerührt, „diesen Dank und die Ehre möchte ich weitergeben, denn ohne Unterstützung kann man das, was ich in meinem Leben getan und erreicht habe, nicht schaffen. So eine Ehrung kann man als Einzelperson nie verdienen.“ Mit Blick zu seinen Kindern Erika und Dieter erinnerte Pailer dabei vor allem an seine verstorbene Frau, die ihn stets gestärkt habe, sowie an treue Freunde, Mitarbeiter und die Bürgermeister zu Wilferdinger und Remchinger Zeiten.

Klassisch umrahmt von Vasily Bystrof am Cello und Florian Heinisch am Klavier steckten ihm die Wilferdinger Waschweiber Helene Schwarz und Monika Foemer eine silberne Wäscheklammer an, schließlich hatten sie vor Pailers Scheune 1993 ihren ersten Auftritt: „Ehre, wem Ehre gebührt.“ Dieses biblische Wort aus dem Römerbrief griff auch der Wilferdinger Pfarrer Friedemann Zitt auf.

Zu den ersten Gratulanten beim anschließenden Stehempfang im Foyer gehörten neben Altbürgermeister Wolfgang Oechsle, Altlandrat Karl Röckinger und der SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast viele Wegbegleiter und Vertreter der Remchinger Vereine.