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Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon (von links), die Vorstände des Trägervereins, Werner Wenz, Manfred Betz und Manfred Beck sowie Landrat Bastian Rosenau nehmen die Spende zur Sanierung des „alten Sperlingshofs“ entgegen.  Foto: Meyer 
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Im historischen Gründungsgebäude sollen Schulräume entstehen.  Foto: Meyer 

Ein Ort für traumatisierte Kinder: Sperlingshof in Remchingen bekommt Großspende für Sanierung

Remchingen. „Der Sperlingshof ist ein historisches Kleinod. Es ist faszinierend, dass hier schon so früh Kindeswohl ein Thema war“, lobt Bastian Rosenau, Landrat des Enzkreises, die Sanierungspläne des Heilpädagogischen Kinder- und Jugendhilfezentrums Sperlingshof. „Ich glaube, hier kann etwas Tolles entstehen. Das hat Strahlkraft über den Kreis hinaus.“

Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen der Einrichtung im kommenden Jahr soll die Sanierung des geschichtsträchtige „Alten Sperlingshof“ angegangen werden. Entstehen sollen Schul- und Fachräume für die schwer belasteten und traumatisierten Kinder, die hier ein neues Zuhause und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft gefunden haben.

Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, so Sperlingshof-Geschäftsführer Raimund Schmidt, sei man auf Spenden angewiesen. Das große Ziel: eine Million Euro. Der Grundstein ist gelegt. Die Schirmherren des Projekts, Landrat Bastian Rosenau und der Remchinger Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon, haben mit dem Vorstand des Trägervereins, der Evangelisch-Lutherischen Kinderfreundgesellschaft, eine Spende über 100 000 Euro entgegengenommen. Diese entstammt dem Nachlass von Hans Stollstein, der als Lehrer an der Alfons-Kern-Schule in Pforzheim häufig mit Schülern vom Sperlingshof zu tun hatte. Auch die PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ wird einen Teil der Sanierungskosten übernehmen.

„Die Kinder haben sich hier auch schon vor 100 Jahren behütet und beschützt gefühlt“, weiß Manfred Beck, Vorsitzender des Trägervereins. „Eines der ersten Heimkinder, das hier 1922 aufgenommen wurde, hat nach dem Ersten Weltkrieg erlebt, wie die eigene Mutter, das kleine Schwesterchen im Arm, am offenen Fenster stand und gesprungen ist.“ Das Kind konnte der Mutter kurz vor dem Sprung noch die kleine Schwester entreißen. Die Mutter starb und die Kinder fanden im Sperlingshof Obhut.

Es sind Schicksale wie dieses, die den „Alten Sperlingshof“ zu einem geschichtsträchtigen Ort machen. „Dem Trägerverein ist dieses Gründungsgebäude sehr wichtig“, erläutert Schmidt. „Das Haus hat einen guten Geist.“

Das Spendenkonto des Sperlingshofs lautet: Evangelisch-lutherische Kinderfreundgesellschaft, Sparkasse Pforzheim-Calw, IBAN DE50 6665 0085 0000 6956 61, BIC PZHSDE66.

Der historische „Sperlhof“

Die Geschichte des heutigen Sperlingshof beginnt vor ungefähr 285 Jahren. Albert Sperl, Amtskeller des Klosters Frauenalb, erhielt von der Äbtissin Getrud von Ichtersheim die Erlaubnis, an der Landstraße zwischen Wilferdingen und Pforzheim einen Hof zu errichten, den „Sperlhof“. Der Hof beherbergte in den folgenden 180 Jahren eine Vorspannstation für Fuhrwerke, eine Falschmünzerei und einen Banditen-Unterschlupf. Vor 100 Jahren schließlich gründete die Evangelisch-Lutherische Freikirche die „Kinderfreundgesellschaft“, die den historischen „Sperlhof“ umbaute und ab 1922 als Waisenhaus nutzte.

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Sören Stiegler

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