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20.05.2013

Ein verlassener Ort - die Schömberger Charlottenhöhe

An der Schömberger Charlottenhöhe bröckelt der Putz, aus dem ehemaligen Lungensanatorium schlägt einem ein modriger Geruch entgegen. Zerschlagene Fensterscheiben zeugen von Vandalismus und an einem ehemaligen Schwesternwohnheim sind noch die rußig-schwarzen Spuren eines Brandes zu sehen, der vor rund einem halben Jahr wütete.

Der Verfall scheint kaum aufzuhalten. Die veralteten Leitungen waren wohl die Ursache für den Brand. Für den Zustand der einst imposanten Gebäude aus dem Jahr 1907 gibt es nur ein Wort: Trostlos. Man kann sich kaum vorstellen, dass in die alten Gemäuer je wieder Leben einzieht – zu heruntergekommen sind sie nach den langen Jahren des Leerstandes. Die letzten Mieter sind gegangen. Auch die Rumänen, die der Besitzer hier untergebracht hatte, haben der Charlottenhöhe inzwischen den Rücken gekehrt. Alles scheint verlassen.

Mit einer Ausnahme: Im früheren Schwesternwohnheim an der Straße lebt seit einigen Monaten eine fünfköpfige Familie. Das arbeitslose Paar mit drei Kindern im Alter von einem, sieben und 14 Jahren wohnt gerne hier, wie es betont. Auch wenn es derzeit kein fließendes Wasser gibt und Strom nur dann, wenn das Dieselaggregat vor der Haustür läuft. Das sei immer noch besser als die schimmelige Kellerwohnung in Leonberg, aus der sie kommen, meinen die beiden.

Bildergalerie: Die Charlottenhöhe in Schömberg

Auf der Suche nach einer neuen Bleibe seien sie bei Ebay auf die Charlottenhöhe gestoßen. Die Vorstellung, mitten in der Natur zu leben, habe ihnen gefallen. Und nach einem Besichtigungstermin hätten sie den Mietvertrag unterschrieben. Der Vermieter – der Mann befindet sich derzeit im Ausland – habe versprochen, für Strom und Wasser werde gesorgt. Das hat sich als falsch herausgestellt. Die Familie fängt also Regenwasser auf und verwendet Mineralwasser zum Kochen. Und hofft darauf, dass die Gemeinde doch noch die Wasserleitung öffnet – und ein normales Wohnen im Wald ermöglicht.

Die Chancen dafür stehen jedoch nicht gut, im Gegenteil: Die Wohn-Zustände haben die Behörden auf den Plan gerufen. Besonders für die Kinder seien diese Verhältnisse nicht zumutbar, meint man übereinstimmend im Schömberger Rathaus und im Calwer Landratsamt. Bei einem Krisengespräch soll nun nach einer Lösung gesucht werden. Die Familie wird vermutlich in eine Notunterkunft ziehen und dann nach einer neuen Bleibe suchen müssen.

Der Fall macht deutlich: Die Charlottenhöhe wird künftig wohl kaum mehr als Wohnraum genutzt werden dürfen. Das liegt zum einen an der fehlenden Wasserversorgung, wie Bürgermeisterin Bettina Mettler sagt. Die Gemeinde habe die Leitungen zum letzten Mal geöffnet, als die Rumänen dort gewohnt haben. Der Hochbehälter sei jedoch mehrfach leer gelaufen, weil es auf dem Gelände Rohrbrüche gebe, die nie repariert worden seien. Deshalb bleibe die Leitung künftig zu.

Es gibt also kein Wasser für die Bewohner – aber die Probleme mit der Charlottenhöhe sind grundlegender, wie die Bürgermeisterin ergänzt. Ursprünglich seien die Mehrfamilienhäuser nur von den Mitarbeitern der Charlottenhöhe bewohnt worden. Sprich: Von den Schwestern des Sanatoriums oder später von den Mitarbeitern des Berufsförderungswerks. Das Wohnen sei nie unabhängig von der Nutzung des Hauptgebäudes gewesen. Mehr noch: Es sei daran gebunden. Solange das Hauptgebäude also brachliegt, sei das Wohnen nicht erlaubt.

Eine geänderte Nutzung nur zu Wohnzwecken hätte der Besitzer beantragen müssen – das sei aber nie geschehen und würde auch nicht genehmigt. Der Besitzer sei über diese Entwicklung informiert gewesen und hätte die Wohnung gar nicht vermieten dürfen. Davon abgesehen wird der Zustand der Häuser nach über zehnjährigem Leerstand als äußerst bedenklich eingestuft. Was mit den Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, passieren wird? Diese Frage kann derzeit niemand beantworten.

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