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Auch der Eilzug muss auf dem Weg von Pforzheim nach Karlsruhe in Kleinsteinbach abbremsen.  Foto: PZ-Archiv 

Entschärfung der Gefahrenstelle: Kein Schneckentempo mehr für die Züge im Pfinztal?

Enzkreis/Pforzheim/Bad Liebenzell/Pfinztal. Rund 13 Jahre nach einem schweren Unfall auf dem Bahnübergang in Kleinsteinbach zeichnet sich jetzt eine große Lösung ab, um die gefährliche Stelle zu entschärfen. Nach einem Spitzengespräch mit der Gemeinde Pfinztal will die Bahn prüfen, ob mit einer neuen Straßenüberführung zur B10 sowie einer Unterführung für Fußgänger und Radfahrer die Sicherheit erreicht wird.

Der Bahnübergang würde mit dieser Pfinztaler Idee verschwinden. Die vom Regionalverband Nordschwarzwald gegründete Allianz für die Residenzbahn unterstützt die Kommune, erhöht doch die ewige Langsamfahrstelle in Kleinsteinbach die Reisezeiten auf der Strecke zwischen Pforzheim und Karlsruhe. Seit dem Zusammenstoß eines Busses mit einem Regional-Express im Juli 2006 dürfen alle Züge dort die Schranken nur mit Tempo 30 passieren. Gestern sandten die Regionalräte des Verkehrsausschusses bei der Sitzung in Bad Liebenzell ein deutliches Signal an die DB Regio Baden-Württemberg aus, den umfangreichen Umbau zu genehmigen.

Da diese Forderung des Gemeinderats Pfinztal viel Geld kostet, blieb die Bahn bisher bei ihrer kleinen Lösung mit Verbesserungen rund um den problematischen Übergang. Im Raum stehen rund 18 Millionen Euro, davon müsste Pfinztal rund sechs Millionen Euro tragen. Die Bahn sagte bisher, ihre Überlegungen entsprächen den Sicherheitsanforderungen. Die Gemeinde schätzte das Risiko dagegen äußerst hoch ein. Morgens, mittags und nachmittags strömten enorm viele Schüler zum Haltepunkt der S-Bahn, argumentierten Gemeinderat und Rathausverwaltung. Der Unfall im Jahr 2006 hätte um ein Haar tragisch geendet. Trotz des Rotlichts wollte ein Busfahrer über die Gleise. Das Fahrzeug wurde von einem mit rund 100 Stundenkilometern ankommenden Regionalzug erfasst. Der Fahrer wurde dabei aus dem Bus geschleudert und erlitt schwerste Verletzungen. Der einzige Fahrgast im Bus blieb unverletzt, ebenso die 115 Fahrgäste im Zug.

Viel Unterstützung

Der Zug musste mit einer Ersatzlok abgeschleppt werden, der Bus konnte nur mit Hilfe eines Krans geborgen werden, wie die PZ damals berichtete. Angesichts des schweren Unfalls drohte die Gemeinde der Bahn an, vor Gericht zu ziehen, sollten die Bahnchefs nicht umdenken und bei der großen Lösung nicht mitziehen.

Beim Gipfeltreffen in Pfinztal stärkten die Regionalverbände Nordschwarzwald und Mittlerer Oberrhein der Gemeinde den Rücken. Auch der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums habe an die Bahn appelliert, den Überlegungen der Gemeinde zu folgen, berichtete Verbandsdirektor Matthias Proske. Der Bund schieße Geld zu und strebe prinzipiell die Beseitigung von Bahnübergängen an. Der Regionalverband macht sich für einen schnelleren Zugverkehr stark, zumal 2016 der Bund einen weiteren Ausbau des Schienenwegs abgelehnt hatte. Der Verband habe sich daraufhin erst recht dem Ziel verschrieben, die Verzögerung in der Haltestelle zu beseitigen, sagte Verbandsvorsitzender Jürgen Kurz.

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