Vaihingen/Enz. Gleich drei Orte in unmittelbarer Nachbarschaft sorgen für Schaudern und betretene Stille bei den 20 Besuchern der jüngsten Stadtführung in der KZ-Gedenkstätte in Vaihingen/Enz. Jörg Becker vom Verein KZ-Gedenkstätte gibt einen tiefen Einblick in die Jahre 1944 und 1945.
Im Informationszentrum, über den Fundamenten der ehemaligen Bade- und Entlausungsbaracke gelegen, weiß der ehemalige Lehrer umfangreich zu berichten, was sich am Fuchsloch vor den Toren der Stadt in den letzten Kriegsjahren zugetragen hat. Dort begann alles, als im Frühjahr 1944 im aufgelassenen Steinbruch eine unterirdische Flugzeugfabrik sowie ein Fremdarbeiterlager unter dem Decknamen „Wiesengrund“ organisiert werden sollte. Anfang August 1944 trafen rund 2200 Gefangene, vorwiegend polnische und in Auschwitz als arbeitsfähig eingestufte Juden, aus dem Ghetto Radom ein. Die Randbedingungen unter SS-Aufsicht waren schrecklich. „Es gab kaum zu essen und zu trinken, die Menschen wurden in offenen Wagons hergefahren und die Baracken, in denen sie leben mussten, waren total überfüllt“. Nur eines empfanden die KZ-Häftlinge bei ihrer Ankunft als positiv, „es roch nicht nach verbrannten Menschen, wie sie es aus Auschwitz kannten“. Doch allen sei klar gewesen, nur wer arbeiten konnte, hatte hier zunächst eine Überlebenschance. So schleppten sie, abgemagert bis auf die Knochen, in zwölf Stundenschichten Zementsäcke, luden Steine auf, schaufelten Kies, froren, hungerten und ertrugen darüber hinaus Schikanen, Bestrafungen und Quälereien. Wochen später stellte man die Arbeiten im Steinbruch wieder ein und überstellte alle noch arbeitsfähigen Gefangenen in andere Lager. „Zurückgeblieben sind lebende Skelette in gestreiften Anzügen im umgewandelten Lager 2, dem sogenannten Krankenlager, welches eigentlich ein Sterbelager war“, erzählt Jörg Becker. Bis Mitte März 1945 zählte man dort 2600 Erkrankte aus über 20 Nationen, die versuchten, im Winter in unbeheizten Baracken, ohne Waschmöglichkeit, wärmende Decken, Schuhe oder Medikamente, befallen von Läusen, Typhus und Fleckfieber, dem Tod zu entkommen. Französische Truppen befreiten das Lager am 7. April 1945.
Für die schweigende Besuchergruppe geht es in den abgedunkelten, kühlen Holzkubus zur nächsten Konfrontation mit der Historie, wo eine eigens erstellte audiovisuelle Medieninstallation mit Originaldokumenten und Zitaten die schier unvorstellbaren Zustände untermauert. Weiter geht es zum Luftschutzstollen der SS-Wachmannschaften. Der Abschluss führt auf den KZ-Friedhof. Ein würdevoller Ort des Gedenkens mit Erinnerungsstein, der 1958 als letzte Ruhestätte für 1267 Opfer auf dem einstigen Gelände des Lagers seinen Platz fand. Auf vier Stelen finden sich die Namen fast aller hier Verstorbenen, als Mahnung und Erinnerung.
Die KZ-Gedenkstätte ist in diesem Jahr bis Ende November noch jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gerne zeigen die Mitglieder des Vereins auch die Medieninstallation.

