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Viel seelischer Beistand  war nach dem Unfall mit zwei Toten und acht Verletzten am 20. Januar auf der Unteren Wilferdinger Straße in Pforzheim nötig. Die Notfallnachsorge und -seelsorge, die es seit fünf Jahren gibt, leistete hierbei einen wichtigen Beitrag. , Archiv
Viel seelischer Beistand war nach dem Unfall mit zwei Toten und acht Verletzten am 20. Januar auf der Unteren Wilferdinger Straße in Pforzheim nötig. Die Notfallnachsorge und -seelsorge, die es seit fünf Jahren gibt, leistete hierbei einen wichtigen Beitrag. , Archiv
Fünf Jahre Notfallnach- und -seelsorge  wurde gestern im Landratsamt gewürdigt. Von links: Volker Velten, Karl Röckinger, Hans Gölz-Eisinger, Roland Goertz und Gudrun Augenstein.
Fünf Jahre Notfallnach- und -seelsorge wurde gestern im Landratsamt gewürdigt. Von links: Volker Velten, Karl Röckinger, Hans Gölz-Eisinger, Roland Goertz und Gudrun Augenstein.
06.03.2008

„Erste Hilfe für die Seele“

ENZKREIS/PFORZHEIM. Zumindest gedanklich haben sich die Verantwortlichen in Pforzheim und im Enzkreis auf ein Horror-Szenario wie den Amoklauf eines Schülers in Erfurt vorbereitet. Das verriet gestern Abend Volker Velten.

Der Kommandant der Pforzheimer Berufsfeuerwehr moderierte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge/Notfallnachsorge für den Enzkreis und Pforzheim im Landratsamt eine Feierstunde zum fünfjährigen Bestehen dieser Einrichtung (siehe „zum Thema“).

„Mein schlimmstes Erlebnis“

Das Hauptreferat des Abends beschäftigte sich mit den Vorfällen vom 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt als ein 19-jähriger ehemaliger Schüler 16 Menschen und sich selbst erschoss. Dazu hatte die Arbeitsgemeinschaft den Leitenden Branddirektor Roland Goertz eingeladen, der damals der Leiter des Rettungsdienstes und der Feuerwehr in Erfurt war und heute Chef der Berufsfeuerwehr Karlsruhe ist.

„Das Allerschlimmste, was ich je erlebt habe war, als wir in der Aula einer benachbarten Grundschule den Angehörigen der Opfer die Todesnachrichten übermitteln mussten“, denkt Goertz an jenen Schreckenstag zurück. Er hatte auch veranlasst, dass auf einem Sportplatz in der Nähe eine Sammelstelle für die umher irrenden Schüler und Angehörigen eingerichtet wurde. Dabei berichtete er Erstaunliches und machte somit deutlich, wie wichtig die Betreuung Betroffener nach Katastrophen ist: „Die höchste Belastung der Einsatzkräfte war auf diesem Sportplatz und nicht in der Schule gegeben.“

Der Einsatz habe drei Wochen lang gedauert mit einem „psychologischen Hausbesuchsdienst“ in Erfurt. Denn, so der damalige Leiter des Erfurter Amtes für Brand- und Katastrophenschutz: „Die Stadt stand unter Schock. Da kannte ja jeder jeden.“

Diesen Punkt griff auch Gudrun Augenstein, die Leiterin der DRK-Notfallnachsorge für Pforzheim und den Enzkreis auf. Als nächstes Projekt sei die Einbindung der psychologischen Fachkräfte der Beratungsstellen in die Notfallnachsorge vorgesehen: „Der Einsatz in Erfurt hat drei Wochen gedauert – und das im Neben-und Ehrenamt.“ Pfarrer Hans Gölz-Eisinger aus Tiefenbronn-Mühlhausen, der als Leiter der ökumenischen Notfallseelsorge zurückblickte, meinte: „Die schwierigste Situation, die wir befürchten, ist eine Gewaltlage an den Schulen oder eine Massenkarambolage.“ Die „psychosoziale Notfallversorgung“, wie der künftige Name laute, sei eine „hoch spezielle Aufgabe.“

Bei tödlichen Unfällen oder anderen tragischen Ereignissen gerate alles ins Wanken, sagte Landrat Karl Röckinger. Beistand in Notfällen sei deshalb ein wichtiger Teil, „um Erste Hilfe für die Seele zu leisten.“