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Verteidiger Ulrich Sommer mit dem Hauptbeschuldigten und Anwalt Cornelius Schaffrath (sitzend von links). Meyer

Fall Paulus: Details wie aus dem Fernseh-Krimi - Angeklagter war mit Polizistin liiert

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. „Wie im Fernsehen!“ Diese Worte hatten Zuschauer beim Paulus-Prozess in Karlsruhe schon mehrfach auf den Lippen. Und tatsächlich: Was vor der Schwurkammer des Landgerichts verhandelt wird, reicht schon fast für mehr als einen TV-Krimi. Mord, Waffenraub, ein geplanter Raubüberfall mit Todesfolge und sexueller Missbrauch – das sind die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Vier Männer aus Pforzheim und dem Enzkreis sind wegen unterschiedlicher Beteiligung angeklagt.

„Kriminaltechnisch war das am Anfang der Super-Gau: Wir hatten den Verdacht auf ein Kapitalverbrechen, aber keine Leiche“, schildert einer der Hauptermittler den Beginn der Polizeiarbeit. Stück für Stück wurde das Puzzle aber zusammengesetzt. Und es sind die Details, die Prozessbeobachter immer wieder ungläubig die Köpfe schütteln lassen.

So berichtete jetzt ein Ermittler, wie man eher zufällig dem sexuellen Missbrauch auf die Spur gekommen war, der dem Hauptbeschuldigten an seiner Ehefrau vorgeworfen wird. Nach der Verhaftung des 30-jährigen Italieners habe man in dessen Wohnung ein Terrarium mit Schlangen gefunden, so der Kriminalbeamte: „Das haben wir ins Naturkundemuseum nach Karlsruhe gebracht.“ Dort habe man sich um die Tiere gekümmert und dabei unterm Schlangenhaus in Folie verpackte USB-Sticks gefunden, auf denen Videos gewesen seien.

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Geschildert haben die Ermittler, wie der Hauptverdächtige kurz nach der Bluttat sein Auto als gestohlen gemeldet habe. Beim Urlaub in der heiligen Stadt Rom sei es ihm abgefackelt worden, weil das Kennzeichen die Nummer des Teufels „666“ getragen habe. Mögliche Spuren im Fahrzeug vom Leichenabtransport aus Gräfenhausen seien damit jedenfalls vernichtet gewesen, so die Ermittler.

Auch dass einer der Angeklagten, ein Pforzheimer Kampfsportler, zur Tatzeit offensichtlich eine Beziehung mit einer Polizistin hatte, sorgte für Aufsehen. Der Italiener habe versichert, dass man nichts zu befürchten habe, weil man von dieser Seite immer bestens informiert sei, gab ein Mitbeschuldigter zu Protokoll. Die Hauptsachbearbeiter des Falls stellten jetzt jedoch klar, dass die Kollegin auf offiziellem Weg gar nicht an Informationen habe kommen können.

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Sven Bernhagen

Sven Bernhagen

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