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Nach und nach kommt die Glasfaser auch in die Dörfer. Doch das dauert schon so lange, dass die Ungeduld in Gemeinden und Landkreisen ebenso groß ist wie bei Wirtschaftsvertretern.  Foto: Renze/Adobe Stock 
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Organisatoren und Experten beim regionalen Breitbandgipfel in Hirsau (von links): Michael Zügel (Innenministerium), Andreas Schütze (Innenministerium), Matthias Proske (Regionalverbandsdirektor), Simon Japs (Vodafone/Unitymedia), Klaus Mack (Bürgermeister Bad Wildbad und Regionalverbandsvorsitzender), Jürgen Lück (Telekom), Karl Peter Hoffmann (Stadtwerke Sindelfingen), Jochen Protzer (Wirtschaftsförderung WFG) und Martin Keppler (IHK).  Foto: Heilemann 

Firmen und Kommunen kritisieren Telekom, Vodafone und Landesregierung: „Wir sind beim Internet zu langsam“

Enzkreis/Pforzheim/Kreis Calw: Hochspannung beim Breitbandgipfel der Region Nordschwarzwald: Telekom, Vodafone und Landesregierung kriegen die geballte Ungeduld ab von Unternehmen und Gemeinden ab.

Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau hatte sich für seine Grundsatzkritik am schleppenden Ausbau des schnellen Internets zielsicher den richtigen Kronzeugen auf dem Podium des Breitbandgipfels von IHK, Wirtschaftsförderung und Regionalverband Nordschwarzwald im Hirsauer Kursaal herausgepickt: Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky. Der bestätigte Rosenaus Klage über Vorschriftenwahn und Bürokratie. Und er teilte die Warnung des Landrats: „Wir sind zu langsam.“ Rosenau hat sich gerade erst zusammen mit vielen Bürgermeistern in Estland angeschaut, wie Digitalisierung ganz pragmatisch angepackt wird, damit Bürger und Wirtschaftprofitieren.

Rosenau nahm in Hirsau eine Attacke auf, die Wimsheims Rathauschef Mario Weisbrich gestartet hatte – und die dessen Bad Liebenzeller Amtskollege Dietmar Fischer vehement abschloss. Die Politik habe versagt, als sie den Breitbandausbau im Kern privaten Unternehmen überlassen habe. Und jetzt, wo Kommunen einspringen würden, wo Telekom, Vodafone und Co. im ländlichen Raum kein Interesse gezeigt hätten, erstickten die Anstrengungen an Regulierungen.

Regionalverbandsdirektor Matthias Proske, WFG-Chef Jochen Protzer und IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler haben mit ihrem Breitbandgipfel ins Schwarze getroffen. Trotz jüngster Fortschritte in Sachen Glasfaser ist die Ungeduld bei Kommunalvertretern und bei Unternehmen groß. Die Kritik aus dem Enzkreis und aus Bad Liebenzell ging vor allem an die Adresse von Michael Zügel, Referatsleiter im Landesministerium für Inneres und Digitalisierung. Er vertrat auf dem Podium Amtschef Andreas Schütze, der wiederum für Minister Thomas Strobl eingesprungen war. Schütze hatte zuvor vorgetragen, das Land versuche, seit 2016 beim schnellen Internet Gas zu geben, um es 2025 flächendeckend verwirklicht zu haben. Rathauschef Weisbrich kritisierte aber auch die dafür im nächsten Doppelhaushalt vorgesehenen Fördermittel von 250 Millionen Euro. Alleine der Enzkreis wolle 50 Millionen beantragen.

Bad Wildbads Rathauschef Klaus Mack, selbst auf dem von Jörg Schmidt moderierten Podium vertreten, nahm dagegen seine Nebensitzer Jürgen Lück von der Telekom und Simon Japs von Vodafone/Unitymedia ins Visier. Die Privatwirtschaft habe im ländlichen Raum große Lücken gelassen, die man erst kommunal auf Kreisebene füllen könne. Deren Beteuerungen von Interesse an Kooperationen wies Andreas Knörle vom Eigenbetrieb Breitband Landkreis Calw mit Blick auf eigene Verhandlungserfahrungen zurück. Wobei der Stuhl für Telekom-Mann Lück heißer war als für Japs. Unterm Strich stehe für viele eine miserable Datenanbindung, polterte Bruno Ehrhardt von „Ehrwa“-Formenbau. Die Firma habe derzeit keine Chance auf eine Lösung, die Standorte in Langenbrand und Waldrennach datentechnisch zu verbinden. Ehrhardts Zorn griff Martin Keppler beim Fazit auf: „Sie haben die Stimme der Wirtschaft gehört“, sagte er den Podiumsteilnehmern. Gigabit-Bandbreiten brauche man dringend – „eigentlich schon gestern“. Da gehe es „um den Wohlstand der Menschen in dieser Region“, so der IHK-Chef.