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Vier Generationen machen mit: Die Familie von Kathrin (links) ist geschlossen beim 36-Stunden-Schwimmen dabei.  Foto: Roller 

Für die Flutopfer: 201 Teilnehmer bei 36-Stunden-Schwimmen im Calmbacher Waldfreibad

Bad-Wildbad-Calmbach. Eine Bahn nach der anderen legen sie zurück, jeder in seinem eigenen Tempo, manche kraulend, manche mit Badekappen, manche mit dem Kopf unter Wasser. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren sind dabei: Viel Betrieb herrscht am Wochenende beim 36-Stunden-Schwimmen im Calmbacher Waldfreibad. 201 Teilnehmer aus allen Altersklassen zählt Fabian Schmitt zur Halbzeit am Samstagmittag. „Aber da kommen bestimmt noch ein paar dazu.“

Erlös für die Flutopfer

Er ist der Betriebsleiter des Bads und hat die Veranstaltung zusammen mit Schwimmmeister Manfred Erlenmaier organisiert. Die Erlöse werden dieses Mal an die Opfer der Flutkatastrophe gespendet. Eigentlich habe man das Geld für die Sanierung des maroden Umkleidedachs verwenden wollen, sagt Schmitt: „Aber es gibt momentan Menschen, die gar kein Dach über dem Kopf haben.“ Er freut sich über die rund 120 ehrenamtlichen Helfer, über die Unterstützung der fünf Rettungsschwimmer und des THW-Ortsverbands Neuenbürg, der sich nachts um die Beleuchtung kümmert. Ohne sie und die Sponsoren wäre die Veranstaltung nicht zu stemmen, sagt Schmitt.

Einer der Ehrenamtlichen ist Luis. Der Zwölfjährige sitzt unter einem roten Zelt am Ende des Beckens und macht immer dann ein Kreuz auf einem Formular, wenn die Schwimmer im Becken eine weitere der 50 Meter langen Bahnen zurückgelegt haben.

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Immer etwas los im Becken: Zahlreiche Teilnehmer gingen im Waldfreibad für den guten Zweck an den Start. Foto: Roller

Robin schwimmt gerade auf den Beckenrand zu und steigt aus dem Wasser, um sich eine Pause zu gönnen. Der 21-Jährige ist Mitglied bei der DLRG und beim BSC Pforzheim auch Trainer. Heute hat er seine Familie dabei. „Ich finde es cool, nachts zu schwimmen“, sagt er. Auch Bastian Levacher macht gerade Pause. Zwölf Kilometer ist er schon geschwommen. Mit drei anderen bildet er das Team „Treibholz AG“ und macht „aus Spaß an der Freude“ mit. Ein Ziel haben sie sich nicht gesetzt. Stattdessen lautet das Motto: „So lange wie möglich schwimmen und schauen, dass immer jemand im Wasser ist.“ Auf der Liegewiese sitzen Philipp, Franca und Pia. Sie gehören zum sechsköpfigen Team des SV Mannheim und sind zum ersten Mal dabei.

„Das ist eine Challenge, die man mal gemacht haben sollte“, sagt Philipp.

65 Kilometer hat das Team schon zurückgelegt, mehr als 100 sind das Ziel. Schwimmen müssen sie nacheinander, denn die Regeln schreiben vor, dass aus den Teams immer nur einer im Wasser sein darf. Zum Übernachten haben sie Zelte aufgebaut. Um die 50 dürften es sein, die auf der Liegewiese stehen, zudem noch ein paar Wohnwagen auf dem Parkplatz. Viele der Teilnehmer haben eine lange Anreise hinter sich.

Alle kommen an ihr Grenzen

Auch Frank Horras. Er kommt aus Lauf an der Pegnitz bei Nürnberg. 31 Kilometer hat er schon zusammen, 50 müssen es noch werden. Denn Horras hat eine Mission: Mit jedem Kilometer sammelt er Spenden für eine Familie aus dem vom Hochwasser gebeutelten Altenahr, wo er vor ein paar Tagen noch ehrenamtlich beim Aufräumen geholfen hat. Nach einer kurzen Pause geht er wieder ins Wasser, sagt er. Am Beckenrand sitzt Kathrin (63) und schaut ihren drei Enkeln beim Schwimmen zu. Neben ihr sitzen ihr 88-jähriger Vater und ihre Tochter. Ihre 85-jährige Mutter ist noch im Wasser. Damit nehmen vier Generationen der Familie am 36-Stunden-Schwimmen teil. „Jeder von uns ist jetzt schon länger geschwommen als wir gedacht haben“, sagt Kathrin: „Die Atmosphäre zieht einfach mit.“