Gelenkexperte Dr. Thomas Pfeifer ist am 15. Januar im PZ-Forum.
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Gelenkexperte Dr. Thomas Pfeifer vor Auftritt im PZ-Forum in Pforzheim: „Das Ideal ist Schwimmen“

Wie wertvoll die eigene Gesundheit ist, wird vielen erst dann bewusst, wenn Wehwehchen einsetzen. Als Volkskrankheit Nummer 1 bezeichnet der Mediziner Thomas Pfeifer die Arthrose. Am Donnerstag, 15. Januar, wird er ab 19 Uhr zu Gast im PZ-Autorenforum sein. Vorab hat er im PZ-Interview verraten, was er von der 10.000-Schritte-Regel hält – und wie er sich selbst fit hält.

PZ: Im Vorwort Ihres Buches schreiben Sie, dass immer mehr Menschen ihren Ruhestand in einem erstaunlichen Fitnesszustand erreichen. Wie ist das bei Ihnen?

Dr. Thomas Pfeifer: Ich denke, dass ich für meine 70 Jahre noch sehr fit bin.

Haben Sie keine Wehwehchen, die im Alter häufiger auftreten?

Meine Wehwehchen habe ich operieren lassen. Dreimal an der Wirbelsäule und zweimal am Knie.

Welchen Sport bauen Sie in Ihren Alltag ein, um möglichst fit und gelenkig zu bleiben?

Ich mache täglich Dehnungsübungen und zweimal Krafttraining pro Woche. Mein Lieblingssport ist Golfspielen, mehrere Runden in der Woche. Das beinhaltet auch wandern. Denn in der Regel läuft man ungefähr zehn bis elf Kilometer pro Runde an der frischen Luft.

Mediziner Thomas Pfeifer präsentiert am 15. Januar sein Buch „Treffen sich zwei Knochen – Fit und gelenkig bis ins hohe Alter“ im PZ-Forum.
Dr. Thomas Pfeifer

Es heißt immer, "Sport ist Mord". In Ihrem Buch nennen Sie einige der – wie Sie sagen – „hochriskanten“ Sportarten. Wenn Sie sich für eine Sportart entscheiden müssten, welche sollte ich möglichst meiden?

Das Verletzungsrisiko beim Skifahren ist extrem hoch. Es entstehen viele Rotationen beim Fahren, wofür das Kniegelenk nicht ausgelegt ist. Es können Schäden am vorderen Kreuzband, an den Seitenbändern und dem Meniskus entstehen, weil in der Regel immer ein Verschneiden stattfindet.

Sie schreiben mehrfach, dass es wichtig sei, sich ausreichend zu bewegen. Was halten Sie von der 10.000-Schritte-Regel täglich?

Das hängt immer vom Einzelfall ab. Es gibt Leute, die treiben wenig Sport, für die ist es sicherlich ausreichend. Wenn diese 10.000 Schritte gehen würden, dann wäre das ein hilfreicher Schritt zur Besserung.

38 Prozent der Deutschen gehen laut einer Statistik zumindest gelegentlich joggen. Was ist das richtige Maß?

Das hängt vom Trainingszustand und dem Körperbau ab. Wenn ich ausgeprägte X- oder O-Beine habe, dann ist dieser Sport nicht sehr zuträglich. Derjenige sollte lieber Radfahren und schwimmen gehen. Anders ist es, wenn mir die Natur gerade Beine gegeben hat und ich mich langsam an den Sport anpasse. Manche nehmen sich aber zum Jahreswechsel vor, beispielsweise im September einen Marathon zu laufen. Dann ist die Vorbereitungszeit in der Regel zu kurz, weil unser Knorpel im Gegensatz zu den Muskeln und Bändern nicht durchblutet ist. Wenn ich also sehr schnell sehr stark trainiere, kann ich unter Umständen meinen Knorpel schädigen. Er hat keine Schmerzfasern. Irgendwann erleben wir, dass es anfängt zu knirschen und zu reiben im Gelenk. Das führt zum Abrieb, was wiederum Entzündungen hervorruft. Mein Knie wird dick.

Sie waren lange Zeit selbstständiger Orthopäde und bezeichnen Arthrose als Volkskrankheit Nummer 1. Warum nutzen sich Kniegelenk und Hüftgelenk am häufigsten ab?

Die Abnutzung im Hüftgelenk ist zweifelsohne höher als im Kniegelenk. Das Hüftgelenk ist eine Kugel und die Fläche in Relation zum Körpergewicht klein. Dagegen hat das Kniegelenk eine wesentlich größere Fläche, sprich dann treten nicht so hohe Druckspitzen auf.

Wir sitzen mitunter 40 Stunden pro Woche im Büro. Was kann ich tun, um meine Gelenke zu schonen?

Dadurch, dass wir uns nicht bewegen, sind die Gelenke sehr geschont. Das Problem ist, immer wenn der Körper feststellt, das brauche ich gar nicht, dann baut er das ab. Wenn zum Beispiel ein Astronaut im Weltall ist, dann wird der Knochenmineralsalzgehalt sofort minimiert. Zum Ausgleich zur vielen sitzenden Tätigkeit muss ich mindestens zweimal in der Woche ein Trainingsprogramm machen, um die Muskeln wieder in die Ausgangslänge zurückzubringen. Dann sollte ich mir einen Ausdauersport suchen, den ich regelmäßig betreibe. Das Ideal ist Schwimmen. Kraulen ist das Beste. Im Prinzip ist Kraulen nichts anderes als Spazierengehen im Wasser in horizontaler Lage. Oder alternativ Rückenschwimmen. Das ist aber bei uns in öffentlichen Bädern wieder schwierig, weil man da häufig mit seinen Nachbarn in Konflikt gerät.

Viele Personen betreiben keinen Sport. Oftmals fallen Sätze wie: „Jetzt brauche ich auch nicht mehr anfangen.“ Stimmt das?

Das ist sicherlich falsch. Wir wissen mittlerweile, dass auch ein 80-Jähriger oder 90-Jähriger seine Muskulatur genauso trainieren kann wie ein junger Mensch. Er muss halt was dafür tun.

In Australien ist am 10. Dezember ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige in Kraft getreten. Ihre Einschätzung: Werden sich Kinder und Jugendliche durch solche Maßnahmen mehr bewegen?

Es wäre zu wünschen, dass sie eine Alternative finden. Früher sind die Kinder in der Freizeit rausgegangen, haben zusammen Fußball gespielt oder andere Sportarten betrieben. Heute trifft man sich im Internet und spart sich das. Unabhängig davon können wir ohne Tageslicht und damit Vitamin D nicht genügend Kalzium in den Knochen einlagern. Es kommt zum Knochenschwund.

Dr. Thomas Pfeifer...

... studierte Medizin in Padua, Aachen, Münster und an der LMU München und absolvierte eine Facharztausbildung. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2022 führte er gemeinsam mit seinem Bruder eine Orthopädiepraxis in Frankfurt am Main. 2016 veröffentlichte er zum Thema Gelenkverschleiß den Spiegel-Bestseller „Treffen sich zwei Knochen – Fit und gelenkig bis ins hohe Alter“. Er ist aktuell 70 Jahre alt.