Enzklösterle. Es ist ein Rund-um-die-Uhr-Job ohne richtigen Feierabend, der aber viel Engagement und Herzblut erfordert: 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden von Angehörigen versorgt. In Pforzheim sind es laut Christian Schweizer von der städtischen Pressestelle im Jahr 2023 sogar 84 Prozent gewesen. Durch die steigende Lebenserwartung gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung. Denn viele der pflegenden Angehörigen stehen mitten im Berufsleben und müssen die Versorgung zuhause mit Job und Familie vereinbaren – ein Balanceakt. Um genau diesen Menschen etwas zurückzugeben, veranstalten die AOK Nordschwarzwald, die Stadt Pforzheim und die Landkreise Enzkreis und Calw seit einiger Zeit sogenannte „Auszeit-Frühstücke“.
Das Nächste findet am Samstag, 7. November, von 10 bis 12 Uhr bei der AOK Nordschwarzwald in der Simmlerstraße 3 in Pforzheim statt. Anmelden kann man sich dafür noch bis 28. Oktober.
Bei den von der PZ von Anfang an unterstützten, für die Teilnehmer kostenlosen Veranstaltungen können die Alltagshelden zum einen eine kleine Auszeit genießen, sich zum anderen aber auch mit anderen pflegenden Angehörigen über Sorgen und Nöte austauschen. Denn Herausforderungen bringt die Pflege zuhause immer wieder mit sich. Moderiert werden die Veranstaltungen von PZ-Chefreporter Alexander Heilemann.


"Heldenfrühstück" im Consilio in Mühlacker: Wer Angehörige pflegt, braucht manchmal selbst Hilfe
Großer Wunsch der Teilnehmer des vergangenen „Auszeit-Frühstücks“ in Mühlacker sei vor allem gewesen, sich Dinge von der Seele reden zu können, erinnert sich Enzkreis-Sozialplanerin Janine Germann. Wie geht es anderen pflegenden Angehörigen? Wo hakt es bei ihnen? Fragen wie diese können die Männer und Frauen beim gemeinsamen Frühstück austauschen. Eine jüngere Teilnehmerin etwa habe erzählt, dass andere in ihrem Freundeskreis diese Thematik, einen Angehörigen zu pflegen, eben gar nicht hätten. Auch die aktuell viel diskutierte geplante Pflegereform treibe die Menschen natürlich um. Nach dem Frühstück hätten die Organisatoren von vielen Seiten die Rückmeldung bekommen, dass der Austausch gutgetan habe, so Germann. „Oft hilft es bereits, zu erleben, dass andere vor ähnlichen Herausforderungen stehen und man mit seinen Sorgen nicht allein ist“, sagt auch Schweizer von der städtischen Pressestelle.
Aufgekommen sei laut Germann der Wunsch nach einem Online-Format zu einer Uhrzeit, zu der alle können. In dem Zug weist die Sozialplanerin auf eine neue Talkrunde für pflegende Angehörige hin, die jeden zweiten Dienstag von 16 bis 17.30 Uhr im Beratungszentrum „consilio“ in Mühlacker stattfindet. Der nächste Termin ist am 27. Oktober. Und auch in Pforzheim gibt es ein Angebot: Jeden dritten Mittwoch im Monat von 15.30 bis 17 Uhr findet im dortigen Pflegestützpunkt ein Gesprächskreis statt, der nächste am 18. November. Für beides ist keine Anmeldung nötig.
"Pflegende Angehörige übernehmen eine wichtige Aufgabe, die viel Zeit, Kraft und Verantwortung erfordert. Dabei geraten die eigenen Bedürfnisse oft in den Hintergrund."
Christian Schweizer, stellvertretender Pressereferent Stadt Pforzheim
Fragen zum Pflegegrad und zu Anträgen, zur Organisation der Pflege daheim und dazu, welche Unterstützungsangebote es gibt und was den Pflegenden überhaupt zusteht: Themen gibt es genug, weiß Pressereferent Schweizer. Der Pflegestützpunkt könne helfen, einen Überblick zu gewinnen und passende Lösungen zu finden. So auch am 7. November beim „Auszeit-Frühstück“. Denn pflegende Angehörige seien das Rückgrat unseres Pflegesystems, sagt Schweizer: „Ohne sie wäre die Versorgung zu Hause kaum zu leisten.“
Anmeldung für das nächste „Auszeit-Frühstück“ am 7. November in Pforzheim per Mail an pflegestuetzpunkt@pforzheim.de oder telefonisch unter (07231) 393800.



