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Die drei hauptberuflichen Richter des Schwurgerichts am Karlsruher Landgericht.
06.10.2016

Genauer Hingeschaut: Tödliches Verbrechen in Grunbach - alles eine Frage des Motivs

Karlsruhe/Engelsbrand-Grunbach.Zu Beginn des Prozesses gegen ihn hat der Verlobte der getöteten Grunbacherin geschildert, wie es zum Tod der Frau gekommen ist. Das Gericht muss nun auch klären, warum er so weit gegangen ist.

Gleich am ersten Tag des Prozesses um den Tod einer 33-Jährigen aus Grunbach hat der mutmaßliche Täter die Karten auf den Tisch gelegt (PZ berichtete). Ausführlich gab er Auskunft darüber, wie er seine Verlobte in einer Aprilnacht verprügelte und diese kurz darauf starb.

Laut Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau hielt der Mann die Todesfolge durch seinen Übergriff für möglich und nahm diese billigend in Kauf. Er habe einen anderen Menschen getötet, ohne Mörder zu sein. Totschlag lautet daher der Vorwurf der Strafverfolgungsbehörde. Das Schwurgericht des Landgerichts Karlsruhe hat in den verbleibenden beiden Prozesstagen nun die Aufgabe zu prüfen, ob der Angeklagte tatsächlich vorsätzlich handelte – und damit wegen Totschlags hinter Gitter müsste.

Bildergalerie: Prozessauftakt: Tötungsdelikt in Grunbach

Der Angeklagte (rechts) gestand die Tat.

Auffallend oft hakte die Kammer zum Auftakt am Mittwoch beim Thema Eifersucht in der Beziehung nach und befragte Zeugen zu den von vielen beschriebenen Trennungsabsichten der Frau. Klärungsbedarf hatte der vorsitzende Richter Leonhard Schmidt auch bei der Frage, warum der heute 33-Jährige keinen Notarzt zu Hilfe gerufen hatte, als seine Verlobte mit dem Tod rang.

Sollte das Schwurgericht zu dem selben Schluss kommen, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift, droht dem Mann eine Freiheitsstrafe von nicht unter fünf Jahren. Stellt die Kammer einen besonders schweren Fall fest, blüht ihm sogar lebenslange Haft. Sollte sich ein Totschlag dagegen nicht bestätigen, könnte dem Geständigen „nur“ eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge drohen. Mindestens drei Jahre kommt man dafür hinter Gitter.

Bei tödlichen Verbrechen fragt sich der juristische Laie oft, warum die mutmaßlichen Täter nicht wegen Mordes auf der Anklagebank oder bei rechtskräftiger Verurteilung hinter Gitter sitzen.

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