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Beim Talk in der Kirche: Maria und Matthias Götz (von links). Markus Grübel, Gunther Krichbaum und Matthias Koch. Foto: Fux
Beim Talk in der Kirche: Maria und Matthias Götz (von links). Markus Grübel, Gunther Krichbaum und Matthias Koch. Foto: Fux
16.09.2018

Glaube trifft auf Politik: Podiumsgespräch in Nieferner Kirche über Religionsfreiheit

Niefern-Öschelbronn. Auch in diesem Jahr erwartete die rund 60 Besucher des Podiumsgesprächs im Rahmen der „Langen Nacht der Kirche“ der evangelischen Kirchengemeinde Niefern ein interessanter Gesprächspartner. Markus Grübel, Beauftragter der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, stand Pfarrer Matthias Götz und Moderator Matthias Koch in der evangelischen Kirche Rede und Antwort.

Grübel ist seit 2002 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Esslingen und war vor seiner Tätigkeit als Beauftragter für Religionsfreiheit – ein Amt, das erst im April neu geschaffen wurde – von 2013 bis 2018 Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Für den CDU-Mann kein Widerspruch, denn auch dort sei es um die Sicherung des Friedens und um die Menschen gegangen.

In das Gespräch, das auch Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum (CDU) und seine Frau Oana aufmerksam verfolgten, ließ Grübel immer wieder persönliche Erlebnisse einfließen, plauderte aus dem Nähkästchen. Der Beauftragte für weltweite Religionsfreiheit ist katholisch geprägt und sozialisiert, war früher Ministrant und später Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Die Reaktionen auf sein neues Amt seien sehr gemischt gewesen: „Was es nicht alles in der Politik gibt“, wunderte sich beispielsweise sein 94-jähriger Vater. „Braucht es das?“, fragten andere. Doch wenn man bedenkt, dass drei Viertel der Länder weltweit keine Religionsfreiheit gewähren, dann stelle sich diese Frage nicht. „Religion ist mir, aber auch anderen Menschen sehr wichtig“, betonte der Politiker.

Doch wie sieht es aus, wenn Meinungs- und Religionsfreiheit auf einander prallen? „Du sollst dich nicht über etwas lächerlich machen, das anderen heilig ist“, erinnerte sich der CDU-Mann an ein Zitat seines Großvaters und sieht in diesem Zusammenhang auch Grenzen für Karikaturen und Kabarett. „Man sollte immer die religiösen Gefühle anderer bedenken“, mahnte der Beauftragte der Bundesregierung und hatte die Mohammed-Karikaturen im Blick.

Kritik an Abschiebungen

„Wie verträgt sich das Schächten von Tieren mit dem Tierschutz?“ Oder: „Ist die Beschneidung von kleinen Kindern keine Körperverletzung?“, fragte Pfarrer Götz nach. Beim Schächten verwies Grübel auf erfahrene Metzger, bei der Beschneidung auf erfahrene Mediziner. Man könne Juden und Muslimen die Beschneidung nicht verbieten. Auch gebe es keinen Beweis dafür, wenn Beschneidung fachmännisch gemacht werde, dass diese dramatisch für Knaben sei.

Kritisch hinterfragte der Pfarrer Götz Abschiebegründe bei Asylbewerbern: „Wie kann es sein, dass ein junger Iraner, der in Niefern lebte und der aus Überzeugung evangelischer Christ werden wollte, nach intensiver Vorbereitung getauft wurde, nun abgeschoben werden soll, weil er in einem Test nicht wusste, was das katholische Allerheiligen bedeutet?“ Grübel sah manche Testfragen, die häufig von Menschen gestellt würden, die selbst nicht religiös seien, kritisch: „Wie heißen die zwölf Apostel?“, fragte er augenzwinkernd bei seinem Bundestagskollegen Krichbaum nach. „Ich würde keinen Konvertiten abschieden, allerdings geht es auch nicht, dass Asylbewerber nur alibimäßig getauft werden“, verwies der Beauftragte für weltweite Religionsfreiheit auf ein Beispiel aus Berlin.