Enzkreis. Das Füttern von Wildtieren geschehe meist mit guter Absicht oder sogar unbewusst, hat aber schnell negative Auswirkungen – für Mensch und Wildtier, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts Enzkreis. Daher weist das Forstamt auf den richtigen Umgang mit Wildtieren hin:
Falsches Futter und Krankheitsverbreitung
Unsere Lebensmittel sind für Wildtiere meist ungeeignet, da Wildtiere nicht auf die menschliche Nahrung eingestellt sind. Brot zum Beispiel enthält Salz und Backmittel wie Hefe. „Dies führt oft zu Verdauungsproblemen und hat nichts auf dem Speiseplan von Taube und Ente verloren. Zudem schimmelt es schnell, enthält Gewürze und Zusatzstoffe, entspricht damit nicht dem natürlichen Nahrungsangebot und lockt nebenbei noch Mäuse und Ratten an“, weiß Sofie Bloß, Wildtierbeauftragte des Enzkreises. Ein weiteres Problem stellt dabei auch die Futterstelle selbst dar. Hier kommen oft viele Tiere auf engem Raum zusammen, weshalb sich Krankheiten schneller ausbreiten. „Aber auch das natürliche Gleichgewicht kann dadurch schnell gestört werden, weil einzelne Tierarten sich aufgrund des künstlichen Nahrungsangebotes mehr vermehren als andere Tierarten und als es ihr Lebensraum eigentlich zulassen würde“, warnt Bloß.
Offener Kompost und das Katzenfutter auf der Terrasse
Oft geschieht eine Wildtierfütterung aber auch unbeabsichtigt. Zum Beispiel wenn das Katzenfutter auf der Terrasse frei zugänglich ist oder es einen offenen Kompost im Garten gibt. An diesem bedienen sich besonders gerne Füchse oder Waschbären. Derartiges Verhalten sorgt anfangs oft noch für Begeisterung, schließlich kommt man Wildtieren meist nicht so nah. Wenn dann aber mit der Zeit die Konflikte zunehmen, weil sich der Waschbär auf dem Dachboden für die Jungenaufzucht häuslich einrichtet oder der Fuchs die Gartenschuhe verschleppt, schlägt die anfängliche Begeisterung schnell um. „Vermeiden kann man dies, indem man einen geschlossenen Kompost, z.B. mit entsprechend engmaschigen Gitterwänden und verschließbarem Deckel verwendet, und die Freigänger-Katze zu festen Tageszeiten unter Aufsicht füttert“, rät die Wildtierbeauftragte.
„Wildtiere sollen wild bleiben dürfen“
Ein weiterer wichtiger Grund auf die Fütterung von Wildtieren zu verzichten: „Wildtiere sollen wild bleiben dürfen“, betont Bloß. „Ihre Scheu gegenüber dem Menschen schützt sie – etwa vor dem Straßenverkehr, Konflikte mit Haustieren oder dem Verlust ihres natürlichen Verhaltens beispielsweise bei der Nahrungssuche und dem Fluchtverhalten.“ Gleichzeitig schütze es aber auch uns Menschen vor übertragbaren Krankheiten oder Sachschäden an Häusern und Fahrzeugen.
„Wer Wildtiere liebt, sollte ihnen mit Respekt begegnen – und dazu gehört auch, sie nicht durch Fütterung an den Menschen zu gewöhnen und ihr natürliches Verhalten zu beeinflussen“, ist sie überzeugt.
Ausnahmen in nahrungsknappen Jahren
Um den Tieren etwas Gutes zu tun, können gezielte Maßnahmen wie Wasserstellen im Garten oder das Pflanzen von heimischen Blüh- und Strauchpflanzen, die zum Beispiel eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten und damit auch für uns alle darstellen, den Tieren helfen. In nahrungsknappen Jahren können Igel und Vögel im eigenen Garten gefüttert werden. „Auch wenn dies ebenso ein Eingriff ins Ökosystem darstellt, ist dies vertretbar, solange qualitativ hochwertiges Futter verfüttert wird, die Futterstellen für Marder, Waschbär & Co unzugänglich sind und die Futterstellen sauber gehalten werden“, begründet Bloß die Ausnahme.

