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Voller Bahnsteig in Pforzheim: Viele Fahrgäste warten auf die neuen IRE-Züge, die bei der Umstellung des Fahrplans aber erst mit Verspätungen im Hauptbahnhof ankommen.  Foto: Tilo Keller 
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Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts) verspricht im Gespräch mit PZ-Mitarbeiter Ralf Steinert weitere Verbesserungen im Bahnverkehr nach Karlsruhe.  Foto: Privat 

Holpriger Bahn-Wechsel: Zahlreiche Verspätungen bei der Umstellung der Zuglinien

Enzkreis/Pforzheim. Am Pfingstsonntag hat ein neues Zeitalter im Schienenverkehr zwischen Karlsruhe, Pforzheim und Stuttgart begonnen. Zwei Anbieter haben auf der Residenzbahn-Strecke 25 Jahre nach der Bahnreform 1994 die Regionalzüge der Bahn abgelöst.

Das Land hat den Fahrplan verbessert – Reisende aus der Region kommen jetzt in den Hauptzeiten alle halbe Stunde in die beiden Großstädte. Doch der Start verlief holprig. Der Interregio-Express (IRE), der von Go-Ahead betrieben wird, kam am Sonntag in Pforzheim oft 20 bis 30 Minuten später an. In Karlsruhe waren Kunden mittags richtig sauer, mussten sie im IRE doch 90 Minuten warten, bis der Zug wieder Richtung Pforzheim aufbrach.

Verärgert waren die Reisenden auch über unzureichende Informationen im Zug und an den Bahnsteigen. In Karlsruhe zum Beispiel forderte Matthias Lieb aus Mühlacker, der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), die Zugbegleiter fünfmal auf, nun doch endlich den Fahrgästen über Lautsprecher mitzuteilen, warum es nicht weitergeht. Doch auf eine Durchsage warteten alle vergeblich.

Die Kinderkrankheiten beim Auftakt erlebte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am eigenen Leib. „Richtung Schwäbisch Gmünd war alles perfekt, zahlreiche Radfahrer freuten sich in den neuen IRE-Wagen über die jetzt viel größeren Bereiche für Fahrräder“, sagte er. Doch als er Richtung Karlsruhe umdrehte, kam sein Zug in Pforzheim rund 30 Minuten später an als vorgesehen . „Das muss sich einspielen“, sagte der Minister.

Türöffnungen spielen verrückt

Am Montag lief es bei den schnellen IRE-Zügen noch nicht viel besser. Meist spielten die Türöffnungen mit Schiebetritten verrückt. Go-Ahead hatte erst eine Woche vor der Umstellung die Freigabe des Eisenbahn-Bundesamtes für die Wagenflotte bekommen. Der andere Anbieter Abellio – zuständig für den Regional-Express von Stuttgart, der jedoch in Pforzheim endet – muss vorerst mit Material der Bahn auskommen. Der Hersteller Bombardier ließ das Unternehmen im Stich. Die Betriebsaufnahme ist laut Abellio gut gelaufen. Im Wirrwarr über Pfingsten fielen allerdings vereinzelt RE-Verbindungen aus.

Minister Hermann ist überzeugt, dass die Fahrgäste das stark verbesserte Zugangebot annehmen werden. Dass allerdings Berufspendler aus Enzberg, Niefern und Eutingen das Konzept kritisieren, weil sie mit dem RE nicht mehr direkt nach Karlsruhe kommen, sondern in Pforzheim umsteigen und dort bis zu 20 Minuten auf den IRE warten müssen, weiß Hermann. Von der PZ darauf angesprochen, ob das Land morgens wenigstens den RE um 6.42 Uhr von Pforzheim nach Karlsruhe verlängern könne, sagte Hermann Nachbesserungen zu: „Die Änderung prüfen wir.“ Dieser RE fährt regulär bereits bis Wilferdingen. Spätestens bis zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember soll dieser frühe Regional-Express als eine zusätzliche Verbindung nach Karlsruhe eingeführt werden. „Wir wollen da schnell reagieren, negative Stimmen beim Auftakt sind nicht gut“, sagte Hermann zur PZ.

Pendler und Schüler sind verdrossen über die Teilung der Zugverbindungen in Pforzheim. Hinzu kommt: Die S-Bahn bedient nicht mehr den Raum Niefern/Mühlacker – die S5 fährt nur noch von Pforzheim nach Karlsruhe (die PZ berichtete). Betroffen ist auch die Linie von Mühlacker Richtung Bruchsal. Der Landtagsabgeordnete Erik Schweickert (FDP) macht sich für bessere Anschlüsse stark.

Das Land will zudem einem Vorschlag von Lieb folgen. Der VCD hatte angeregt, dass Kunden mit einem Nahverkehrsticket in Pforzheim um 6.22 Uhr ausnahmsweise den Fernzug Intercity (IC) benutzen dürfen. „In dieser Zeit gibt es eine Lücke nach Karlsruhe“, sagte Lieb. Es sehe gut aus für diese Lieb-Idee, so die Planer des Landes. Da müsse aber die Bahn mitziehen. Am Geldausgleich für die Bahn werde die Überlegung des VCD jedenfalls nicht scheitern. Das Land hat mehr Spielraum bei den Regionalzügen – die neuen Anbieter fahren zum halben Preis. Die Bahn bekam früher pro Zugkilometer doppelt so viel Geld.