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Schömbergs bisheriger Bezirksnotar Matthias Schönthaler arbeitet künftig freiberuflich in Calw. Foto: Dast-Kunadt
Schömbergs bisheriger Bezirksnotar Matthias Schönthaler arbeitet künftig freiberuflich in Calw. Foto: Dast-Kunadt
21.12.2017

Im Schömberger Notariat geht das Licht aus

Schömberg. Es ist ein altes, eher unscheinbares Haus, das das Bezirksnotariat in der Parkstraße 10 in Schömberg beherbergt. Noch. Denn zum Ende dieses Jahres wird Notar Matthias Schönthaler die Tür zum letzten Mal hinter sich ins Schloss ziehen. Dann geht die Ära der Bezirksnotariate auch in Schömberg endgültig zu Ende. „Das alte System passte einfach nicht mehr in die heutige Zeit“, räumt der hoch gewachsene Notar mit den schwarzen, akkurat geschnittenen Haaren schulterzuckend ein. Auch er wird seinen Beamtenstatus verlieren und muss sich neu positionieren.

Doch Schönthaler wäre nicht Schönthaler, wenn er das nicht längst getan hätte. Und so eröffnet der gebürtige Calwer am 1. Januar 2018 gemeinsam mit Heike Stößer die Notariatskanzlei „Notare am Hesse-Museum“ in Calw. Beide haben sich auf die zwei freiberuflichen Notarstellen in Calw beworben und vom Justizminister des Landes Baden-Württemberg den Zuschlag erhalten. „Natürlich bedeutet die Abschaffung der Bezirksnotariate für die Notare ein Verlust von Amt und Würden“, räumt Schönthaler ein. Doch der 37-Jährige wusste bereits seit 2010, dass er nur für kurze Zeit Bezirksnotar sein würde. Damals war er noch Notarvertreter und in Notariaten im gesamten Landkreis im Einsatz. „Unsere Gesellschaft hat sich weiter entwickelt. Heute haben wir freie Bürger“, sagt er.

Das alte System stammte noch aus dem Jahr 1826. Damals sei der Bürger von der Wiege bis zur Bare bevormundet worden. Ein Notar habe alles in Händen gehalten, sei die zentrale Person im Ort gewesen. „Der Notar war so etwas wie der Vormund der Bürger“, erzählt er schmunzelnd und gibt damit einen Einblick in eine seiner ganz großen Leidenschaften: Geschichte. Weshalb Schönthaler auch über einen kleinen Umweg zu seinem heutigen Beruf gekommen ist. Denn zunächst hatte er Archivwissenschaften studiert und sich intensiv mit Altfranzösisch, Kirchenlatein, Geschichte und Handschriften befasst. „Nach Abschluss des Studiums habe ich drei Jahre im gehobenen Archivdienst in Marburg an der Lahn gearbeitet“, erinnert er sich. Schnell habe er festgestellt, dass er sich dann doch kein Leben für die reine Wissenschaft vorstellen konnte. „Das wahre Leben rauschte ein Stück weit an mir vorbei“, sagt er im Rückblick.

Und so entschied sich Schönthaler für ein zweites Studium an der Notarakademie in Stuttgart. Heut lebt der 37-Jährige in Bad Teinach-Zavelstein. Die Aussicht, künftig freiberuflich zu arbeiten und nicht mehr an das staatliche Korsett gebunden zu sein, freut ihn: eine Kollegin zu haben, mit der er sich austauschen kann, flexibler zu werden und auch mal Urlaub machen zu können, ohne die Hälfte der Zeit im Notariat zu verbringen. Und so arbeitet Schönthaler noch bis Ende des Jahres seine 60 bis 70 Stunden in der Woche, um dann endgültig „Adieu“ sagen zu können. Adieu zu altem, ausgetretenem Teppich, Spitzengardinen und alten Wohnzimmertischen im Wartebereich. „Mir gehört nur Papier und Bücher, mehr nehme ich nicht mit.“