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Informationen, Kontakte, Werbung für die Region: Im Pforzheimer Reuchlinhaus bemühten sich Ärzte, Behörden, Sparkasse, Krankenkassen und Kommunen um die möglichen Hausärzte der Zukunft. Am Pult: Dr. Stefan Pfeiffer, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Mühlacker. Alle Kliniken der Region haben gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten ein Ausbildungspaket für Allgemeinmedizin geschnürt. Foto: Ketterl
Informationen, Kontakte, Werbung für die Region: Im Pforzheimer Reuchlinhaus bemühten sich Ärzte, Behörden, Sparkasse, Krankenkassen und Kommunen um die möglichen Hausärzte der Zukunft. Am Pult: Dr. Stefan Pfeiffer, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Mühlacker. Alle Kliniken der Region haben gemeinsam mit niedergelassenen Ärzten ein Ausbildungspaket für Allgemeinmedizin geschnürt. Foto: Ketterl
23.09.2016

Immer mehr Einwohner im Wartezimmer von immer weniger Ärzten

Intensives Werben für die Allgemeinmedizin im Pforzheimer Reuchlinhaus: Die Stadt und der Enzkreis brauchen bald viele junge Mediziner und tun eine Menge dafür. Fakt ist: Es gibt für immer mehr Einwohner immer weniger Ärzte.

Das Bild im Vortragssaal des Reuchlinhauses in Pforzheim veranschaulicht die Lage: Krankenhäuser präsentieren sich, Landärzte, Präventionsnetzwerk Looping, Gesundheitsamt und AOK zeigen Flagge, Friolzheims Bürgermeister Michael Seiß stellt seine Gemeinde vor und ihre Ideen, einen Landarzt für sich zu interessieren, die Sparkasse bietet Finanztipps und Immobilienangebote. Kurz gesagt: Es sind mehr Menschen im Saal, die um junge Ärzte werben, als Studenten, Absolventen oder Berufswiedereinsteiger, um die geworben wird.

Zu letzteren zählt Philipp Gebhart. Der Medizinstudent der Uni Erlangen steht vor seinem praktischen Jahr. Damit rückt für ihn die Entscheidung näher, welche fachärztliche Ausbildung er machen möchte. Alle im Saal versuchen ihn zu überzeugen, dass er sich für Allgemeinmedizin entscheidet – und sich am besten in Zukunft in der Region niederlässt. Im Reuchlinhaus faszinieren Gebhart vor allem die praktischen Einblicke in die Organisation einer Praxis, die er erhält. In einer Pause erklärt ihm Dr. Peter Napiwotzky aus Mühlacker, wie seine Gemeinschaftspraxis mit einem Team von Kollegen funktioniert.

Dringende Nachwuchssuche

So haben sich die Organisatoren der Initiative „docs4pfenz“ das vorgestellt: Gesundheitsamtschefin Dr. Brigitte Joggerst zum Beispiel, Iris Augenstein vom Präventionsnetzwerk Looping, Moderatorin und Marktforscherin Andrea Katz, die Kreisräte und Ärzte Dr. Till Neugebauer und Dr. Wolfgang Ballarin. Gegen den in den nächsten fünf bis zehn Jahren drohenden Mangel an Landärzten wollen sie die Region für junge Mediziner attraktiv machen. Durch Informationen, aber eben auch durch persönliche Kontakte. Das kommt an bei einigen der 25 angemeldeten Interessenten.

Bei einer aus Würm stammenden jungen Frau zum Beispiel, die in Tübingen Medizin studiert hat und derzeit ihr Praktisches Jahr absolviert. Ihre Entscheidung für die Allgemeinmedizin ist schon gefallen. Im Reuchlinhaus ist sie, weil es sie durchaus beruflich wieder in die Region zurückzieht. Sie ist nicht die einzige, die anerkennt, wie intensiv die Region um die jungen Mediziner wirbt, wie alle an einem Strang ziehen – neben Ärzten, Kliniken, Sparkasse und der Gemeinde Friolzheim zeigen auch die Rathauschefs von Straubenhardt und Kieselbronn, Helge Viehweg und Heiko Faber, Flagge. Auch Fabian Betting, ein Student von der Uni Freiburg, ist beeindruckt. Die Werbeaktion biete gute Informationen, meint er: „Aber es ist auch schön zu sehen, dass man als Mediziner begehrt ist.“

Genau das sind sie. Auch wegen Geschichten wie der von Dr. Wolfgang Ballarin. Er behandelt auch mit 67 Jahren noch Patienten in zeitlich begrenztem Rahmen privat. Für seine etablierte Ispringer Hausarztpraxis hatte er trotz aller Anstrengungen keinen Nachfolger gefunden. Er glaubt, jungen Medizinern seien die Verbesserungen der vergangenen Jahre für Hausärzte noch nicht bewusst. Dass man kein Einzelkämpfer alleine in der Praxis mehr sein müsse, der rund um die Uhr in Bereitschaft sei. Das seien Vorstellungen von gestern. Heute gebe es Notfallpraxen, Ärztehäuser, Medizinische Versorgungszentren und viele andere organisatorische Möglichkeiten, die den Beruf zum Beispiel besser mit dem Familienleben vereinbar machen. Und auch die Verdienstmöglichkeiten seien besser als ihr Ruf.

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