Es gibt Kollegen in der Regionalredaktion der „Pforzheimer Zeitung“, die könnten auch nachts, aus dem Tiefschlaf, die Frage wie aus der Pistole geschossen beantworten: „Wie heißt der Schmetterling, der immer wieder Bauvorhaben ausbremst?“ Richtig, es ist der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Nun ist genau dieser Verhinderungsfalter, wie so manche Kollegen ihn vereinfachend getauft haben, vom Nabu zum „Schmetterling des Jahres“ gewählt worden.
Eine Kolumne von PZ-Redakteurin Carolin Weiß
Bei dieser Art ist das komplexe Zusammenspiel von Pflanze, Falter und Ameise ebenso faszinierend wie störanfällig“, so die Begründung. Denn: Ameisenbläulinge lassen sich als junge Larven von Ameisen in deren Nester tragen – und das, obwohl die zu ihren ärgsten Fressfeinden zählen. Aber die Raupen sind clever: Sie tarnen sich laut Nabu mit einem speziellen Duft und werden so nicht als mögliche Beute erkannt.


Naturschutz oder Nahversorgung? Weiterer Schritt auf dem Weg zum neuen Dobler Netto-Supermarkt
Und es kommt noch viel dreister: Die Raupen vertilgen im Ameisennest ungeniert Hunderte Ameisenlarven. Ganz schön mies eigentlich. Und auch uns Menschen macht es der Schmetterling nicht immer leicht. In Dobel zum Beispiel will Netto schon seit mehr als fünf Jahren seinen Markt abreißen und einen Größeren bauen. Das geht aber nicht, weil der Schmetterling auf einer der Wiesen lebt und erst umgesiedelt werden muss.


Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling Schmetterling des Jahres
Auch in Neuhausen hat der berühmt-berüchtigte Falter wichtige Bauflächen jahrelang blockiert. Wegen der neuen Feuerwehrzentrale musste Keltern Ersatz-Lebensraum schaffen. Und Birkenfeld hat vor Jahren ein Wohngebiet um die Schmetterlinge herum geplant. Das alles soll natürlich die Besonderheit dieses cleveren Tierchens nicht schmälern. Und irgendwann werden bestimmt auch in Dobel die Bagger für den für die Nahversorgung so wichtigen Supermarkt rollen. Bis dahin lassen wir die Flügel nicht hängen und feiern mit dem Schmetterling.

