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Eine Armbanduhr ist keine Seltenheit im Fundbüro in Niefern-Öschelbronn, wie Verwaltungsfachangestellte Alina Reich dem Auszubildendem Max Fabian erklärt.  Foto: Wessinger 

Kanarienvögel, Weichkäse und Schweißgeräte: Diese Kuriositäten landen in Fundbüros der Region

Niefern-Öschelbronn/Enzkreis. Es ist schon ein wenig verwunderlich, was in einem Fundbüro so alles abgegeben wird. Egal ob Gegenstände von geringem oder auch besonderem Wert – viele verlorene oder vergessene Dinge landen in letzter Konsequenz auf dem Rathaus. Diese Erfahrung macht Verwaltungsfachangstelle Alina Reich nahezu täglich. Sie ist im Bürgerbüro in Niefern-Öschelbronn für jegliche Dinge zuständig, die als Fundsache abgegeben werden.

„Manchmal bin ich schon überrascht, was hier ankommt, aber eigentlich sind es immer wieder dieselben Sachen“, sagt sie. Die Arbeit wiederhole sich im Großen und Ganzen ständig, erklärt die 23-Jährige: Schlüssel, Handys, Ausweise und Schmuck – das seien die Klassiker, die in den beiden großen Schränken im Bürgerbüro fast immer zu finden sind.

Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel: „Einmal wurde von der Polizei ein herrenloser Käse gemeldet“, erinnert sich Reich. Zwar wurde der Weichkäse nicht im Fundbüro gelagert, doch diese Anzeige sei auch für die Verwaltungsfachangestellte besonders amüsant gewesen. „Der Käse ist vermutlich einem Fahrzeug von der Ladefläche geflogen“, erklärt Reich. So etwas sei in Niefern-Öschelbronn eigentlich nicht verwunderlich. Der Grund: die Nähe der Gemeinde zur A8. Staut sich der Verkehr auf der Autobahn, ist die Hauptstraße durch die beiden Ortsteile eine beliebte Ausweichroute. Nicht selten verirren sich also Lastwagen – manchmal eben mit Lebensmitteln beladen – in die Gemeinde.

Doch nicht nur das spiele für das Fundbüro in Niefern-Öschelbronn eine besondere Rolle: „Wenn sich Menschen auf der Durchreise befinden, gibt es so viele Orte, an denen sie etwas Verlorenes suchen müssten – und dazu zählt manchmal eben auch unsere Raststätte“, erklärt der Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes in Niefern-Öschelbronn Pascal Nouvel. Die Konsequenz: Nach Gegenständen mit hohem Geldwert – wie etwa teuren Handys – werde nicht immer aktiv gesucht. Sie bleiben schließlich das vorgeschriebene halbe Jahr im Fundbüro liegen, bevor sie von Alina Reich entweder vernichtet oder veräußert werden. Ähnlich sei dies übrigens bei herrenlosen Autos, die häufig an der Raststätte abgestellt werden. Derzeit befinden sich insgesamt drei Autos auf einem Gelände der Gemeinde – auch sie zählen kurioserweise zu Dingen, die im Fundbüro gemeldet werden.

Die Gemeinde Neulingen vermeldet derzeit in den Gemeindenachrichten zwar keinen Käse, der seinen Besitzer vermisst, doch erst kürzlich war darin von einem Kanarienvogel die Rede. Doch, dass Tiere als Fundsachen abgegeben werden, scheint wohl auch keine Seltenheit zu sein.

In Knittlingen kann es beispielsweise schon mal vorkommen, dass Katzen oder Schildkröten als „Fundsachen“ deklariert werden. „Die bleiben selbstverständlich nicht bei uns zur weiteren Verwahrung, sondern werden im Tierheim aufgenommen“, berichtet Nicole Stahl vom Fundbüro der Fauststadt. Mit einem Kanarienvogel kann sie momentan zwar nicht dienen, dafür aber mit einer abgestürzten Drohne, die noch ihren Besitzer sucht, oder mit einem verloren gegangenen Hörgerät.

Einen der kuriosesten Funde meldete vor ein paar Jahren die Stadt Maulbronn. Und zwar handelte es sich dabei um eine vergessene Sporttasche, die allerdings nach ein paar Tagen begann, äußerst streng zu riechen. Und das kam nicht von ungefähr, denn darin befand sich ein mit der Zeit gänzlich aufgetautes Hühnchen, das – man kann es sich denken – nicht mehr genießbar war.

Mehr lesen Sie am Donnerstag, 15. August 2019, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Julia Wessinger

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Peter Hepfer

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