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2007 hatte der Kindesentführer Urs Hans von Aesch in der Schweiz die fünfjährige Ylenia mit einem weißen Kleintransporter (Tatortfoto) entführt. Dabei ging es um eine Entführung mit Lösegeldforderung, die aus dem Ruder lief und für Täter und Opfer tödlich endete. Die Geschichten von den serienmäßig vorgehenden Kinderfängern allerdings sind in Sozialen Netzwerken kursierende Falschmeldungen.
2007 hatte der Kindesentführer Urs Hans von Aesch in der Schweiz die fünfjährige Ylenia mit einem weißen Kleintransporter (Tatortfoto) entführt. Dabei ging es um eine Entführung mit Lösegeldforderung, die aus dem Ruder lief und für Täter und Opfer tödlich endete. Die Geschichten von den serienmäßig vorgehenden Kinderfängern allerdings sind in Sozialen Netzwerken kursierende Falschmeldungen. © dpa
16.12.2016

Kinderfänger in Enzberg? Polizei untersucht Geschichte einer 6-Jährigen

In Facebook machen die Kinderfänger mit dem weißen Transporter schon seit mindestens 2014 die Runde. Warnmeldungen verwiesen anfangs auf die „Organmafia“, die Menschen kidnappen würde, um ihnen für spätere Transplantationen teuer verkaufte Organe zu entnehmen. Daraus entwickelte sich dann eine Verbrecherbande, die Kinder unter anderem für den Missbrauch durch Pädophile entführen würde. Alles gefälschte Nachrichten, die durch die Sozialen Medien geisterten. Am Donnerstagabend jedoch erreichte ein Notruf aus Enzberg die Polizei, der genau an so eine Situation denken ließ.

Gegen 17 Uhr meldete sich eine Mutter aus Enzberg, deren Tochter angeblich einem Kidnapping gerade noch entfliehen konnte. Den herbeigeeilten Polizisten erzählte die Sechsjährige, so berichtet es eine Polizeisprecherin, dass fünf Männer versucht hätten, sie in einen Transporter zu zerren. Sie hätte sich noch an einem Pfosten oder Ähnlichem festgehalten und laut um Hilfe geschrien. Im Transporter hätte sie vier gefesselte Kinder mit Tüten an den Füßen gesehen.

Zwei weitere Mädchen, mit denen die Sechsjährige anfangs gemeinsam unterwegs war und mit denen sie sich dann zerstritten hatte, seien nach den Hilferufen zum Tatort geeilt. Gegenüber der Polizei jedoch konnten sie keine konkreten Angaben zum Entführungsversuch machen. Spuren von Gewaltanwendung oder mögliche zur Klärung der Tat beitragende Reifen- und Fußspuren konnten offenbar nicht gefunden werden. Vermisstenmeldungen, die zu dem Fall passen würde, gebe es nicht, erklärt die Polizei. „Die Wahrscheinlichkeit ist eher gering, dass die Geschichte stimmt“, erklärt die Polizeisprecherin. Gleichwohl gehe man der Sache ernsthaft nach, wie in solchen Fällen üblich. Ein Teil der Geschichte könnte ja doch stimmen oder vom Kind in einer Ausnahmesituation falsch gedeutet worden sein.

Manchmal erfinden Kinder und Jugendliche Geschichten, um auf sich aufmerksam zu machen oder Dinge zu verbergen. So hatte ein junger Mann in Pforzheim von einem Überfall in der Südstadt berichtet, bei dem er in ein zu Bruch gehendes Schaufenster gedrückt worden sein soll. Eine Jugendliche hatte angegeben, in Pforzheim-Brötzingen sexuell belästigt worden zu sein. In beiden Fällen hatten die polizeilichen Ermittlungen ergeben, dass die Geschichten aus unterschiedlichen Gründen frei erfunden wurden.

Geht es nach den Geschichten von Verschwörungstheoretikern und Leichtgläubigen in den Sozialen Netzwerken kann es sich bei den fünf Männern aus Enzberg nur um „rumänische oder bulgarische“ Kinderfänger oder Organhändler handeln, die schon mehrfach unter anderem „im Saarland in den Gegenden Neunkirchen und Ortsteile“ gesehen wurden. In Facebook werden solche Geschichten im Nu geteilt, gerne auch mit immer dem gleichen Bild, das den Transporter der Täter an den unterschiedlichsten Stätten zeigen soll.

Auf der Webseite „allmystery.de“ schreibt ein User in einem entsprechenden Chat über Pädophile auf Gran Canaria, die mit Lieferwägen unterwegs gewesen sein sollen. Sein Fazit in nicht ganz korrektem Deutsch: „Zwei Männer, pädophil und zwei weiße Lieferwagen und das alles auf einer Insel! Wie groß ist dann die warscheinlichkeit das bei uns auch ein paar solche Menschen rumfahren.“ Die Kinderfänger scheinen also ein internationaler Fall oder eher eine internationale Falschmeldung zu sein.

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