Seit sieben Uhr stehen Nicola Wiedmann und Nadine Keller, von „Bildung und Betreuung“ der Stadtverwaltung Bad Wildbad in der Küche der Wilhelmschule in Bad Wildbad. Brote werden geschmiert, Obst und Gemüse geschnitten, Tabletts gerichtet. Später stehen Frischkäsebrote, Butterbrote, Knäckebrote, Gurken, Karotten und Obst in den Klassenzimmern. Für die Kinder ist es ein besonderer Start in den Schultag.
In Bad Wildbad und jetzt auch in Calmbach an der Fünf-Täler-Schule gibt es seit diesem Frühjahr ein Schulfrühstück. Einmal im Monat richten Freiwillige Frühstücksplatten für Schulklassen. Möglich macht das eine Anschubfinanzierung von „Menschen in Not“ in Höhe von 2000 Euro. Nach den Berechnungen der Organisatoren reicht diese Summe für ein Jahr – bei einem Frühstück pro Monat.
„Man sieht wirklich, die Kinder sind total happy“, sagt Lehrerin Annika Brumm. In ihrer Klasse hätten die meisten Kinder zwar etwas dabei. „Aber es gibt auch ein, zwei Kinder, die unregelmäßig Essen dabei haben.“ Manchmal würden andere dann aushelfen und etwas abgeben. Umso schöner sei es, wenn an diesem Morgen einfach für alle etwas da ist.

Die Idee entstand bei der Sorgenden Gemeinschaft in Bad Wildbad. Nicola Wiedemann berichtet, dass Kitas und Schulen immer wieder von Kindern erzählen, die morgens ohne Frühstück oder ohne Vesper kommen. „Dann haben wir überlegt, welches Projekt könnten wir ins Leben rufen, das nachhaltig etabliert werden kann“, sagt sie. Weil Bad Wildbad für ein Frühstücksprojekt nicht förderfähig war, fiel die Entscheidung: „Dann machen wir das einfach selber.“
Gestartet ist das Angebot im April. Inzwischen wurden neben Grundschulklassen auch Klassen der weiterführenden Schule und der Förderschule versorgt. Die Rückmeldungen seien eindeutig positiv. Lehrerin Katrione Lutzyk sagt: „Man sagt immer, Kinder essen kein Gemüse. Die lieben es. Aber man muss es ihnen halt präsentieren.“ Auf den Frühstücksplatten funktioniere genau das. Auch ältere Schülerinnen und Schüler hätten das Angebot beim letzten Mal „richtig gefeiert“.

Das Projekt lebt nicht nur von Geld, sondern auch von Menschen, die morgens mit anpacken. Seniorinnen helfen mit, ebenso Menschen mit Fluchterfahrung. Für Wiedemann ist das ein zusätzlicher Gewinn: „Hier findet wirklich ein gegenseitiges Helfen und ein Zusammenkommen statt.“
Organisatorisch läuft das Projekt über den Förderverein der Fünf-Täler-Schule. Er wickelt Spenden ab, bezahlt Rechnungen und kann Spendenbescheinigungen ausstellen. Auch beim Einkauf hilft die Struktur des Fördervereins.
Am Ende des Vormittags sind die Tabletts leer. Ein paar Brote, Obst und Gemüse haben gereicht, um vielen Kindern den Schultag ein Stück leichter zu machen. Noch ist das Schulfrühstück auf einmal im Monat begrenzt. Der Wunsch ist, dass daraus mehr werden kann. „Wir hätten es natürlich gern einmal die Woche“, sagt Wiedemann. Dafür braucht es weitere Unterstützer – Menschen, die spenden oder ehrenamtlich mithelfen.

Der Förderverein der Fünf-Täler-Schule freut sich über Spenden: Sparkasse Pforzheim Calw, DE 73 6665 0085 0004 0938 36.
Fragen zum Projekt beantwortet Nicola Wiedemann von der Stadtverwaltung Bad Wildbad, Telefon 07081/930179, oder E-Mail an nicola.wiedemann@bad-wildbad.de

