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Feuerwehrleute aus Remchingen und Königsbach-Stein haben das Feuer in dem gemeindeeigenen Haus in Singen, das gestern kurz nach zehn Uhr gemeldet worden ist, schnell gelöscht. Eine Bewohnerin können sie nur noch tot bergen.  Foto: Moritz 
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Brandermittler untersuchen die Unglücksumstände: Sie gehen derzeit davon aus, dass Zigaretten das Feuer in der Wohnung des Opfers ausgelöst haben.  Foto: Moritz 
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Einsatzkräfte im Haus an der Blumenstraße, das bewohnbar bleibt.  Foto: Moritz 
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Die Feuerwehr öffnet Teile des Dachs auf der Suche nach Glutnestern.  Foto: Moritz 

Kleiner Brand mit tödlichen Folgen in Remchingen-Singen

Remchingen-Singen. Eine 53-jährige Frau kommt in einer Sozialwohnung in Remchingen-Singen durch Rauchgas ums Leben. Ermittler gehen davon aus, dass Zigaretten das Feuer ausgelöst haben.

Um die Mittagszeit ist das Drama, das sich am Mittwoch bei einem Feuer in einem maroden Haus an der Singener Blumenstraße ereignet hat, auf den ersten Blick nicht mehr zu erahnen. Kein starker Rauchgeruch mehr. Das Zivilfahrzeug der Brandermittler steht unauffällig am Straßenrand. Von der Feuerwehr wartet nur noch ein kleiner Trupp um Einsatzleiter Sven Krewedl darauf, dass die Polizei ihre Untersuchungen abschließt. Dann will die Wehr danach schauen, dass in der betroffenen Dachgeschosswohnung nichts mehr vor sich hin glimmt. Auch die Retter vom Deutschen Roten Kreuz sind mit ihren vier Fahrzeugen wieder abgerückt: Einer 53-jährigen Frau, die seit längerem sehr zurückgezogen in einer der Sozialwohnungen im Obergeschoss lebte, konnten sie nicht mehr helfen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei ist die Singenerin an den giftigen Rauchgasen erstickt.

Die rund 30 Feuerwehrleute aus Remchingen und Königsbach-Stein brauchen am Morgen nicht lange, um das Feuer zu löschen, das kurz nach zehn Uhr wohl von Nachbarn entdeckt worden ist. Der Trupp, der mit Atemschutz ins verqualmte Gebäude vordringt, findet die Bewohnerin bereits leblos vor. Die 53-Jährige kann nur noch tot geborgen werden. „Es ist schwierig, wenn man nichts mehr machen kann“, sagt Sven Krewedl später vor der Kamera von TV-BW. Retten kann die Wehr das Haus. Die Auswirkungen des Feuers bleiben eng auf die kleine Wohnung des Opfers begrenzt. Nur wegen des Rauchs müssen neun weitere Hausbewohner vom Roten Kreuz betreut werden – sechs von ihnen kommen vorsorglich ins Krankenhaus. Am Nachmittag können die Evakuierten aber wieder zurück ins Haus.

Ums Eck in der Kronenstraße fegt ein Mann den Gehweg. Eigentlich ist er hier, um vor dem elterlichen Haus alles klar zu machen für den großen Festumzug zu 1250 Jahren Singen am Sonntag. Doch dem Mann ist nicht nach Feiern. Er blickt traurig aufs nahe Brandhaus, das noch Rußspuren an der Fassade trage, die nichts mit dem aktuellen Feuer zu tun haben. Er kennt die Frau im Obergeschoss seit langem, auch wenn sie ihre Kontakte ins Dorf abgebrochen habe. Nach und nach spricht sich der Todesfall herum. Auch bei einer Frau, die ganz in der Nähe arbeitet. Sie ist erschüttert, kennt aber niemanden im Gebäude. Es gebe viele Wechsel dort. Derzeit seien auch Kinder im Haus, sagt sie, und fürchtet, dass das Feuer noch schlimmere Folgen gehabt hätte, wäre es nachts ausgebrochen. Insgesamt habe man wenig Bezug zu den Menschen dort, sagen andere Anwohner.

Nach Angaben von Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon waren vier Parteien in dem Gemeindehaus: Flüchtlinge in Anschlussunterbringung und finanziell schwach gestellte Personen. Remchingens Rathauschef ist sofort zum Brandort geeilt, als die Nachricht ihn erreicht. Nicht nur er hat in Singen kurzzeitig die Brandstiftung an der geplanten Flüchtlingsunterkunft in den nahen Meilwiesen im Hinterkopf, die im Juli 2015 für Aufregung sorgte. Die Polizei schließt im aktuellen Fall aber Fremdverschulden schnell aus. Einen technischen Defekt bislang ebenso. Die Brandermittler gehen davon aus, dass „achtloser Umgang mit Zigaretten“ zu dem Unglück geführt hat.

Der tragische Fall habe keine Auswirkungen auf die Feierlichkeiten zum Singener Ortsjubiläum, sagt der Bürgermeister: „Der Umzug findet wie geplant statt.“

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Sabine Mayer-Reichard

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Georg Moritz

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