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Sprachbegabt: Helga Dissinger (von links) und Inma Gauss geben in der Villa Kling kostenlose Französisch- und Spanischkurse. Foto: Seibel
streaubenhardt © Seibel
21.09.2011

Kostenlos, aber nicht umsonst: Sprachkurse in Straubenhardt

Straubenhardt. Die Bürger der Gemeinde Straubenhardt sind aktiv. Sie engagieren sich in zahlreichen Vereinen. Diese Zahl spricht für sich. Aber nicht nur dort zeigen die Straubenhardter ihre Einsatzfreude. Auch beim Bürgerschaftlichen Engagement gibt es zahlreiche Möglichkeiten sich ehrenamtlich einzubringen.

So wie etwa Helga Dissinger und Inma Gauss. Beide sind echte Sprachtalente. Und dieses Können geben sie gerne weiter. In der Villa Kling unterrichten die beiden kostenlos Französisch und Spanisch. Den Anfang hat Dissinger gemacht – vor elf Jahren. „2000 hat offiziell die Städtepartnerschaft mit Pont de Veyle begonnen“, erinnert sich Dissinger an den Ursprung der Idee.

Von vielen Seiten habe sie damals gehört: „Ich würde ja gerne bei dem Austausch mitmachen, aber ich kann kein Französisch“. Diese Ausrede ließ Dissinger damals nicht gelten und rief kurzerhand einen Sprachkurs ins Leben. Kein Problem für Dissinger, die als Lehrerin am Gymnasium in Neuenbürg bereits Fremdsprachen unterrichtet hatte. So bot sie in der Villa Kling einen Grundkurs für „blutige Anfänger“ und einen Leistungskurs für „Fortgeschrittene“ an. „Damals gab es einen regen Andrang“, sagt Dissinger.

Inzwischen hat sich die Besetzung geändert, doch beide Kurse gibt es immer noch. Sie treffen sich Mittwochabends ab 19 Uhr in der Villa Kling. Aus den Fortgeschrittenen sind mittlerweile beinahe Profis geworden. „Wir führen heiße politische Diskussionen“, erzählt Dissinger. Da wird über die Ereignisse in Fukushima debattiert oder es werden die Ereignisse in Lybien kontrovers besprochen – selbstverständlich alles auf Französisch. Dafür, dass die Themen nicht ausgehen sorgt Dissinger. Für ihren „Konversationskurs“, wie sie ihn nennt, durchforstet sie im Internet die französische Presse.

Mit ihrem Kurs liest sie dann ausgewählte Artikel und bespricht sie. Dabei lernt die lebhafte 75-Jährige oft selbst noch etwas dazu. „In den Artikeln stehen ab und zu aktuelle, neue Worte, die ich noch nicht kenne und die auch noch nicht im Wörterbuch stehen“, erzählt sie. Dann rufe sie kurzerhand Freunde aus Frankreich an und lasse sich von ihnen die Bedeutung erklären. „So habe ich selbst etwas davon und lerne mit“, erzählt sie.

Geld bekommt sie für den Kurs nicht. Aber das stört sie nicht im Geringsten. „Mir ging es am Anfang im Wesentlichen um die Freundschaft mit Frankreich“, erklärt sie. Und ihr selbst mache das Unterrichten sehr viel Spaß.

Inma Gauss hat sich Dissinger als Vorbild erkoren. Die 58-Jährige besucht deren Französisch-Grundkurs und gibt seit einem Jahr montagabends selbst Unterricht: Spanisch. „Ich bin in Barcelona geboren“, erklärt sie, warum sie die Sprache perfekt beherrscht. Sorgen habe ihr zunächst allerdings das Lehren gemacht. „Ich war nicht sicher, ob ich mir das zutraue. Ich bin ja keine Lehrerin“, erklärt sie. Deshalb würden ihr bei der Grammatik-Lektion manchmal auch die Fachbegriffe fehlen. Dann allerdings springt Dissinger ein. Sie hat bereits in der Schule Spanisch gelernt und frischt nun in dem Kurs von Gauss ihre Sprachkenntnisse auf. Beide würden auch gerne noch einen weiteren Kurs besuchen. „Wenn jemand Italienisch anbietet, dann komme ich sofort“, sagt Gauss. Also: Freiwillige vor!