Der Kreis will beim Thema fair gehandelte Produkte – beispielsweise Kaffee – sensibilisieren. Hiervon profitieren die Erzeuger. Foto:dpa/Nathalie Bertrams
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Kreis Calw setzt sich verstärkt für fairen Handel ein
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Kreis Calw. Der Landkreis Calw beteiligt sich an der internationalen Kampagne „Fairtrade Town“ und strebt die entsprechende Zertifizierung an. Der englische Begriff „Town“ steht zwar für Stadt, allerdings wollen sich die Verantwortlichen des Kreises für „fairen Handel“ einsetzen, gerade mit den ärmsten Ländern der Welt.

Ein dahingehender interfraktioneller Antrag der Freien Wähler, der SPD, der Grünen und der FDP wurde in der Sitzung des Umweltausschusses des Kreistags am Montagnachmittag in Zavelstein beschlossen.

Vorbildfunktion

Sandra Hinke von der Abteilung Zentrale Steuerung im Landratsamt ist überzeugt: „In Deutschland wächst das Bewusstsein für gerechte Produktionsbedingungen und faire Bezahlung.“ Dies gelte auch für den Bereich der öffentlichen Beschaffung. „Der Landkreis ist sich seiner Vorbildfunktion bewusst.“

In einem ersten Schritt soll der Ist-Zustand beleuchtet werden als Ausgangspunkt für Projekte und Maßnahmen. Hierunter falle insbesondere die Sensibilisierung von Bürgern, Unternehmen, Vereinen und Kommunen, fair gehandelte Produkte zu erwerben. Dazu ist ein breites Netzwerk geplant. Insgesamt sind fünf Kriterien zu erfüllen, welche die vier Fraktionen in ihrem gemeinsamen Antrag aufgelistet haben.

Kriterien im Überblick

Erstes Kriterium: In allen Sitzungen des Kreistags und seiner Ausschüsse sowie bei internen Bewirtungen des Landratsamts werden Fairtrade-Kaffee und ein weiteres fair gehandeltes Produkt serviert.

Zweites Kriterium: Eine lokale Steuerungsgruppe wird aus Vertretern der Verwaltung, der Politik, des Einzelhandels, der Gastronomie sowie der Zivilgesellschaft, beispielsweise Weltläden und Eine-Welt-Initiativen, gebildet.

Drittes Kriterium: In den lokalen Einzelhandelsgeschäften, darunter auch Blumenläden sowie in Cafés und Restaurants werden Fairtrade-Erzeugnisse verkauft. Mindestens 26 Geschäfte und 13 Gastronomiebetriebe müssen wenigstens jeweils zwei fair gehandelte Produkte anbieten. Hierzu geht die Kreisverwaltung auf Einzelhändler und Gastronomen zu.

Viertes Kriterium: In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kirchen, aber auch in Vereinen, werden Fairtrade-Waren verwendet und Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“ durchgeführt. Mindestens eine Schule, eine Religionsgemeinschaft und ein Verein müssen jährlich eine Aktion veranstalten.

Fünftes Kriterium: Jährlich müssen mindestens vier Zeitungsartikel oder Berichte auf der Internetseite des Landkreises erscheinen.

Bei drei Enthaltungen der CDU stimmte der Ausschuss dem Antrag der vier Fraktionen zu. Das letzte Wort hat jetzt noch der Kreistag.