harry Wörz 2009 lächelnd
Unser Archivbild zeigt Harry Wörz nach seinem Freispruch 2009. Seit dieser Zeit kämpft er für eine Entschädigung. 
Wörz
 

Kühne Benefizspiel-Idee und Online-Petition sollen Harry Wörz helfen

Im Forum der Internetseite von Harry Wörz ist die Zahl der Einträge nach der Ausstrahlung des Spielfilms Ende Januar in die Höhe geschnellt. Einige Verfasser der Beiträge rufen zu Spenden für den Installateur und Bauzeichner aus Gräfenhausen auf, der nach vielen Prozessen vom Mordversuch an seiner Ex-Frau freigesprochen wurde. Aufgerufen wird auf der Webseite auch zu Benefizveranstaltungen für den 47-jährigen Wörz. Die Aktion jedoch, die der Präsident des Fanclubs Bottrop des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund plant, überträfe alles – wenn es denn gelänge.

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Justizopfer Harry Wörz: "Man muss eigentlich alles hinterfragen"

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Harry Wörz bei SWR-Dreharbeiten im Stadtgarten

Wolfgang Köß will ein Benefiz-Spiel im Stuttgarter Stadion zwischen den Borussen und den schottischen Profis von Celtic Glasgow organisieren. „Mir schwebt so ein Spiel vor, damit Wörz viel Geld bekommt, um seine Schulden wegzukriegen“, sagte Köß am Freitag zur „Pforzheimer Zeitung“. Ob das klappt, steht in den Sternen. Die Geschäftsstelle der Borussia wusste noch nichts von der Klöß-Idee.

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Film über Harry Wörz: Bei den Dreharbeiten

Auf der Webseite von Wörz wird vielstimmig auch gefordert, die Ermittlungen in dem Kriminalfall wieder aufzunehmen. Wörz war über Jahre zu Unrecht hinter Gittern. Ihm war vorgeworfen worden, 1997 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau so stark gewürgt zu haben, dass sie mit Hirnschäden zum Pflegefall wurde. Ein Gericht verurteilte ihn wegen versuchten Totschlags zu elf Jahren Haft. Nach weiteren Verfahren sprach ihn der Bundesgerichtshof 2010 schließlich frei. Wörz kämpft immer noch um eine Entschädigung.

Die ehemalige Lotto-Glücksfee Heike Nocker-Bayer aus Hessen hat die Online-Petition „Sucht den wahren Täter“ gestartet. Über 1500 Unterstützer haben bis Freitagmittag digital unterschrieben. Dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat, ist aus Sicht der Petitions-Starterin Heike Nocker-Bayer «unglaublich und macht fassungslos». Die Petition solle helfen, «das Urvertrauen in unser Rechtssystem wieder herzustellen». Die Ermittlungen im Fall Harry Wörz müssten wieder aufgenommen werden. Doch egal, wie viele Unterschriften Nocker-Bayer bis zum 29. Juli (Ende der Online-Petition) zusammenbringt: Das Verfahren wird ohne neue Fakten nicht wieder aufgenommen.

Nachdem das Landgericht Mannheim Wörz 2009 freisprach, wühlten sich zwei Sonderermittler der Landespolizeidirektion Karlsruhe drei Jahre lang durch Tausende Aktenseiten, befragten Zeugen und versuchten insbesondere zu klären, ob der damalige Liebhaber des Opfers, ein Polizeibeamter, als Täter in Frage kommt, wie das die Mannheimer Richter diskutiert hatten. Doch im Januar 2013 wurden die Akten geschlossen.

Der Fall ist aber nicht zu Ende: Wie das Polizeipräsidium Karlsruhe der PZ vor zwei Wochen bestätigte, könne das Verfahren wieder aufgenommen werden – wenn sich neue Anhaltspunkte ergeben.