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Über 20.000 Mal wurde der Post in der Facebook-Gruppe "Leben in Oberderdingen" geteilt. 

Laborbefund zu Ekel-Fotos aus Oberderdingen liegt vor -  Lidl: Darstellung nicht nachvollziehbar

Oberderdingen. Für Aufruhr in den sozialen Netzwerken hat der Beitrag einer Frau aus Oberderdingen gesorgt, die behauptet, in einer Milchpackung einen Wurm entdeckt zu haben. Die Packung hatte sie kurz zuvor in einer Lidl-Filiale in Oberderdingen erworben. "Die Darstellung der Facebook-Nutzerin können wir sowie unser Lieferant deshalb nicht nachvollziehen", heißt es in einer Mitteilung von Lidl gegenüber der PZ. Der Facebook-Post wurde inzwischen gelöscht.

Nachdem der Fund von einem Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachungsbehörde des Landratsamtes Karlsruhe gesichert und zur Untersuchung an das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe übermittelte, steht nun fest: „Es handelt sich um einen Fremdkörper, über dessen Stoff wir derzeit nichts sagen können. Diese Untersuchung steht noch aus“, berichtet Joachim Thierer, Leiter der zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörde des Landratsamtes Karlsruhe, auf PZ-Anfrage. Man können also nicht bestätigen, ob es ein Wurm sei.

Milch nicht gesundheitsschädlich

„Die Milch sei nun zwar nicht mehr genießbar, aber nicht gesundheitsschädlich“, betont er. Dennoch werde man zusammen mit dem Regierungspräsidium im Laufe des Mittwochvormittags eine Schnellwarnung für die betroffene Charge herausgeben. Es handelt sich laut eines Dokuments der Behörde um „Milbona haltbare fettarme Milch“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 10. Juni 2020 und der Chargennummer „G1641 41“. Der Lidl-Konzern und die zuständige Molkerei seien informiert worden. 

Der PZ liegt eine Stellungnahme von Lidl vor, die wir hier zitieren: "Die Qualität und Sicherheit der Produkte haben bei Lidl oberste Priorität. Durch engmaschige und effiziente Kontrollen während des gesamten Lieferweges vom Produzenten über die Molkerei bis in die Filiale stellen wir sicher, dass unseren Kunden nur beste Qualität angeboten wird. Zur Klärung des Sachverhaltes haben wir daher umgehend mit unserem Lieferanten in Verbindung gesetzt. Dieser teilte mit, dass aufgrund der Erhitzung der Milch auf 140 Grad Celsius, der Homogenisierung mit einem Druck von 200 bar sowie der täglichen Sterilisierung der Abfüllanlage bei 125 Grad Celsius es produktionsbedingt nicht möglich ist, dass ein wie auf dem Foto erkennbarer Organismus in die Milch gelangt. Zudem wird die Milch in einem geschlossenen System über einen Sterilfilter mit einer Maschenweite von 0,3 mm auf die Abfüllmaschine geleitet, welches das Eindringen von möglichen Fremdkörper zu verhindern gilt. Produktions- und Laborprotokolle unseres Lieferanten bestätigen darüber hinaus den ordnungsgemäßen Herstellungs- und Abfüllprozess der Milch. Die Darstellung der Facebook-Nutzerin können wir sowie unser Lieferant deshalb nicht nachvollziehen."

Laut Thierer seien in der betroffenen Filiale in Oberderdingen keine weiteren Fälle gemeldet worden. „Es ist richtig, sich in solchen Fällen gleich bei uns zu melden“, so Thierer, dem es auch nicht obliegt, irgendwelche Aussagen von Betroffenen anzuzweifeln. Allerdings warnt er davor, mit Spekulationen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Facebook-Post gelöscht

20.000 Menschen in 37 Stunden: Das ist nicht die Zahl der Menschen, die der Facebook-Beitrag aus Oberderdingen erreicht hat - sondern mehr als das: So viele Facebook-Nutzer hatten ihn zwischen Sonntagabend und Dienstagmorgen geteilt. Das heißt: alleine in dem sozialen Netzwerk hat er wohl mehrere Hunderttausend Leser erreicht.

Um 19.30 Uhr war er von einer Frau eingestellt worden, eineinhalb Tage später war er fast 450 Mal kommentiert worden. Schnell schossen Gerüchte darüber ins Kraut, was dort zu sehen ist: ein Wurm? Ein Embryo? Oder ist es doch nur ein Schimmelklumpen? Am Dienstagmittag hatte die Gruppen-Administratorin den Post schließlich gelöscht - und darauf hingewiesen, dass es besser sei, solche Beiträge auf der privaten Seite zu posten, „damit die entsprechenden Medienanfragen, Beschwerden, Diskussionen, Meldungen von Beiträgen, und natürlich die Aktualisierung der Nachrichten nicht alle in meinem Messengereingang landen“. In der Gruppe reiche dann ein Link zu entsprechenden Zeitungsartikeln aus.

Miriam Schrader 02

Miriam Schrader

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Simon Walter

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