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Landrat Bastian Rosenau folgt interessiert den Ausführungen von William Mart Laanemäe, Botschafter Estlands zu den Möglichkeiten der Online-Vernetzung. Foto: Moritz
Landrat Bastian Rosenau folgt interessiert den Ausführungen von William Mart Laanemäe, Botschafter Estlands zu den Möglichkeiten der Online-Vernetzung. Foto: Moritz
02.07.2019

Lernen von den Digitalisierungsprofis aus Estland

Enzkreis. Estland gilt als digitalste Gesellschaft der Welt. Verwaltung, Wirtschaft, Medizin – Schritt für Schritt wurden Dienstleistungen elektronisch. William Mart Laanemäe aus Tallinn, Botschafter Estlands in Berlin, war am Dienstag im Landratsamt des Enzkreises zu Gast, um 15 Bürgermeistern sowie Landrat Bastian Rosenau, Kämmerer Frank Stephan und weiteren Mitgliedern der Kreisverwaltung zu zeigen, was durch Digitalisierung alles möglich ist. Als Ansprechpartner ebenfalls vor Ort war der Berliner Hendrik Lume, Senior Consultant bei Nortal, Estlands größter IT-Beratung.

Stand der Dinge:

In Estland leben auf rund 45000 Quadratkilometern 1,3 Millionen Menschen. Es gibt flächendeckend 4G-Funk und weitgehend überall kostenloses W-Lan. 2000 hat sich Estland auf den Weg der Digitalisierung gemacht – Schritt für Schritt kamen jährlich Angebote hinzu. Experimente wie autonomes Fahren und Transportroboter, die Pakete ausliefern, sind Nebeneffekte.

Elektronische Identität:

Jeder Bürger hat seit 2002 auf seinem Personalausweis einen Chip, mit dem er online all seine Daten auf einen Blick einsehen kann. Wohnsitz, Geburtsdatum und ähnliche Basisinformationen müssen nur ein einziges Mal mitgeteilt werden. Mit dieser Karte, verbunden mit einem Code, Fingerabdruck, Augen- oder Gesichtserkennung, ist im Internet fast alles möglich. 94 Prozent aller Esten zwischen 14 und 74 Jahren nutzen die elektronische Identität, mit der sie sich online ausweisen und eine digitale Unterschrift erzeugen können. Sie tätigen so mehr als 500 Millionen Transaktionen pro Jahr.

Alles ist vernetzt:

Ob Wirtschaft, Banken, Staat oder Gesundheitswesen – alles ist im Netz miteinander verbunden. Es werden Informationen aus 900 öffentlichen und privaten Datenbanken an einem Ort gesammelt. Der Bürger kann sie auf einen Blick einsehen. Es gibt nur drei Dienstleistungen, für die Esten noch persönlich vorstellig werden müssen: Heirat, Scheidung und Immobiliengeschäfte. Ansonsten ist alles möglich: Fahrzeuge zulassen, Ausweise beantragen, Firmen gründen, Steuererklärung abgeben, Grundbuch einsehen, Bustickets lösen, Bildungsfragen klären und wählen. All das spare viel Zeit, die sonst beim Warten auf Ämtern verloren gehe, so Laanemäe. Und Zeit ist bekanntlich Geld.

Mehr zu Datenschutz und Transparenz lesen Sie am Mittwoch, 2. Juli, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.