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Im Mühlacker Stadtarchiv stieß Günter Bächle auf viele Dokumente zum Thema.  Foto: PZ-Archiv/Privat 
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Seit nunmehr 45 Jahren gehört Lienzingen zu Mühlacker.  Foto: PZ-Archiv/Privat 
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Plakate bewarben die Selbstständigkeit.  Foto: PZ-Archiv/Privat 

Lienzingens Leidensweg nach Mühlacker: Stadtrat Bächle hat Eingemeindung aufgearbeitet

Mühlacker-Lienzingen. Manchmal klaffen Wunden lange. Vor allem solche, deren Zufügen über einen gewissen Zeitraum vonstatten ging. Und so verwundert es nicht, dass auch rund ein halbes Jahrhundert nach der Eingemeindung Lienzingens zur Stadt Mühlacker noch immer Stimmen vorhanden sind, die den damaligen Schritt bedauern.

Günter Bächle, langjähriger Stadtrat und Fraktionsvorsitzender der CDU, vor allem aber Lienzinger Urgestein, hat sich nun die Mühe gemacht, die Geschichte der Eingemeindung seines Heimatortes ausführlich nachzuerzählen.

Bächle befasst sich seit geraumer Zeit auf seiner Internetseite www.guenter-baechle.de mit lokalhistorischen Themen – da sich dieser Tage nun zum 45. Mal die Entscheidung und schließlich auch der Vollzug zur Eingemeindung Lienzingens jähren, bot sich ein genauer Blick auf jene Zeit an.

„Das war ein großer Einschnitt für Lienzingen“, sagt Bächle im Gespräch mit der PZ. „Ich war, wie viele andere Lienzinger damals auch, für die Selbstständigkeit unseres Ortes und hätte mir gewünscht, dass man das durchbekommen hätte.“ Allerdings müsse man konstatieren: „Die Faktenlage war nun einmal so, wie sie war – und sprach gegen uns.“

Vorrangig war damals demnach die Stärkung Mühlackers als Mittelzentrum. Als der Staatsgerichtshof Baden-Württemberg am 23. Mai 1975 sein Urteil fällte (Lienzingen hatte gegen die Eingemeindung geklagt), wurde unter anderem angeführt, dass die Entwicklungsmöglichkeiten Mühlackers im Enztal beschränkt seien, wobei besonders auf den Bedarf an neuen Gewerbe- und Industriegebieten abgehoben wurde. Auf ehemals Lienzinger Gemarkung war ebendies jedoch möglich. Schlechte Karten also für die Lienzinger – vor allem auch deshalb, weil der Staatsgerichtshof keine Nachteile für die Bevölkerung durch eine Eingliederung erkennen konnte.

Der Lienzinger Lokalhistoriker und Naturparkführer Roland Straub verweist darauf, dass sein Heimatort schon seit Jahrhunderten zumindest in Teilen fremdbestimmt war durch die Zugehörigkeit zum Kloster Maulbronn. Dennoch sei man in Lienzingen alles andere als begeistert gewesen, als man nun auf einmal zu Mühlacker kommen sollte.

Heute, sagen Straub wie auch Bächle, habe man sich mit der Situation weitestgehend arrangiert. Davon konnte allerdings zunächst wahrlich keine Rede sein: Am 5. Juli 1975 erfolgte die Eingemeindung, allerdings ohne Vertrag, denn am Tag nach der Entscheidung des Gerichts traten alle zehn Lienzinger Gemeinderatsmitglieder geschlossen zurück und begründeten dies in einer nichtöffentlichen Sitzung damit, dass „die Landesregierung den Bürgerwillen aufs Gröblichste missachtet“ habe. Schließlich hätten sich 96 Prozent der Lienzinger bei einer Bürgeranhörung für die weitere Selbstständigkeit ausgesprochen.

Mehr lesen Sie am 26. Mai in der „Pforzheimer Zeitung - Region Mühlacker“ oder im E-Paper auf PZ-news.

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Maximilian Lutz

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