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Pastor Uwe Schmidt (links) traute den Stunt-Performer Marko König und seine Ehefrau Yvonne kirchlich auf einer Brüstung der Karlsburg in Karlsruhe. Hinter dem Brautpaar ging es 40 Meter in die Tiefe.
Pastor Uwe Schmidt (links) traute den Stunt-Performer Marko König und seine Ehefrau Yvonne kirchlich auf einer Brüstung der Karlsburg in Karlsruhe. Hinter dem Brautpaar ging es 40 Meter in die Tiefe. © dpa
15.02.2014

Marko König, bekanntester Stuntman der Region, gibt sein Ja-Wort in 40 Metern Höhe

Ein tiefer Seufzer und ein ängstlicher Blick, dann steigt Yvonne König im weißen Brautkleid auf die Brüstung in 40 Metern Höhe auf dem Dach der Durlacher Karlsburg. Nein, sie will nicht springen. Die 49-Jährige möchte Hollywood-Stuntman Marko König in luftiger Höhe das Ja-Wort geben. Für den gebürtigen Pforzheimer, der lange Jahre in Remchingen-Singen lebte, sind solche Ausflüge in gefährliche Höhen dagegen eher Berufsalltag.

Zwar habe auch eine Ehe ihre Höhen und Tiefen und man müsse sich fallen lassen können, der „40 Meter tiefe Abgrund“ aber habe ihr „schlaflose Nächte“ bereitet und großes Vertrauen abverlangt, sagt die Braut. Die Bürokauffrau begibt sich für ihren Ehemann in seine nervenaufreibende Welt. „Ich vertraue ihm und seinem Team hundertprozentig. Auch wenn ich zuerst gedacht habe, es ist ein Witz, als er mir die Idee präsentierte.“ Sie hat sich lange Gedanken gemacht. „Als Beweis meiner Liebe und meines Vertrauen habe ich zugesagt.“

Auf dem Dach ist es windig und es regnet immer stärker. Sicherheitsexperte Michael Bittinger sichert sie mit einem Haken an das Geschirr, das sich unter dem Brautkleid versteckt. Die Brüstung ist rutschig vom Regen, der Wind fährt ihr unter das Kleid. „Mir geht es gut“, versichert sie. Fest umklammert hält sie die Hand ihres Ehemanns, der ungesichert auf das schmale Geländer steigt. Lediglich Tapes an den Schuhsohlen sollen ihm etwas Halt geben. „Bleib hier!“ entfährt es ihr ängstlich, als er beginnt, auf einem Bein zu balancieren.

„Wer heiratet riskiert etwas, wenn er sich einem anderen Menschen komplett anvertraut. Ihr tut das heute in besonderer Weise“, beginnt Pastor Uwe Schmidt die Trauung. Der Pastor von der Petrusgemeinde Kelsterbach steht auf einer Leiter, der zweite Sicherheitsexperte aus der Crew von Marko König, Sebastian Trischan, direkt neben ihm. Die Braut zittert. „Das ist vom Regen“, versichert sie. „Die Stimme des Pastors hat mich zusätzlich beruhigt“, erklärt die Bürokauffrau, die einen ersten Blick über die Dächer von Durlach wagt. Standesamtlich hat sich das Paar, das sich jetzt vier Jahre kennt, bereits das Ja-Wort an anderer Stelle gegeben.

Die Rede des Pastors geht auf die Risiken einer Ehe und das Vertrauen ein. Auch für ihn war die Segnung auf dem Dach eine „schöne und spannende“ Idee. „Das Vertrauen zu Gott spielt eine große Rolle, Ängste gehören dazu.“ König dagegen will von Angst nichts wissen. „Mit Angst wirst Du unsicher, dann wird es gefährlich.“

Einst war er einer der ersten Punks im Enzkreis. Heute ist Marko König ein erfahrener Stuntman und bereits seit zwei Jahrzehnten im Geschäft. Damals noch mit dem klassischen Irokesen-Schnitt und abgerissenem Outfit, heute eher gediegen im Anzug. „Es ist schon erstaunlich, wie mein Lebensweg bislang verlief. Ich sage immer: Der Glaube kann Berge versetzen, der Wille den gesamten Horizont. Bei mir ist das zumindest so“, meinte er einmal schmunzelnd im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“.

Der Junge aus Remchingen-Singen lernte einst Isolierblechner, weil es der Vater so wollte. Doch von seinem einstigen Job ist der gebürtige Pforzheimer heutzutage meilenweit entfernt. Er drehte mit Götz George („Schimanski“), Oscar-Preisträger Christoph Waltz oder US-Stars wie Joaquin Phoenix und Ed Harris. Er hat als Stunt-Koordinator für die ARD gearbeitet und ist im selben Job für eine australische Serie zuständig.

Zudem bekam König einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde. Keiner hatte es bis dahin länger auf dem Dach eines Porsche ausgehalten – allerdings bei Höchstgeschwindigkeit und freiliegend ohne jede Sicherung oder Haltegriffe.

Stolz küsst der 44-Jährige seine Yvonne, nachdem sie sich das Ja-Wort gegeben haben. Als sie wieder von der Brüstung steigen kann, ist sie „froh“ und sichtlich erleichtert. „Ich habe mich so frei gefühlt. Die Angst oder besser der Respekt vor der Höhe war weg. Es war traumhaft“, schwärmt sie, als sie wieder sicheren Boden unter den Füßen hat. „Mit beiden Beinen auf der Erde wird jetzt auch richtig gefeiert“, freut sie sich. Und wer weiß, was zum ersten Hochzeitstag folgt. „Er überrascht mich immer wieder mit verrückten Ideen.“