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Bei seinen Diensten in der Bauschlotter Feuerwehrabteilung tauscht Pastor Matthias Hetzner die Bibel gegen den etwa 20Kilogramm schweren Spreizer aus. Nicht leicht ist auch seine Tätigkeit als Notfallseelsorger. Foto: Dietrich
Bei seinen Diensten in der Bauschlotter Feuerwehrabteilung tauscht Pastor Matthias Hetzner die Bibel gegen den etwa 20Kilogramm schweren Spreizer aus. Nicht leicht ist auch seine Tätigkeit als Notfallseelsorger. Foto: Dietrich
06.11.2012

Mit Spreizer und Bibel: Pastor, Feuerwehrmann und Notfallseelsorger

Neulingen-Bauschlott/Knittlingen. Matthias Hetzner ist Pastor, Feuerwehrmann und Notfallseelsorger.Seit einem Jahr bei der Bauschlotter Feuerwehr aktiv.

Ein Pastor aus Überzeugung ist Matthias Hetzner von der evangelisch-methodistischen Kirche Bauschlott/Knittlingen. Er ist seit einem Jahr der erste Kamerad im nunmehr 142-jährigen Bestehen der Bauschlotter Feuerwehr, der Pastor, Feuerwehrmann und Notfallseelsorger in einem ist. Vor 15 Jahren trat Hetzner in Bayern in die Feuerwehr ein, ebenso lange ist er Pastor. Als Notfallseelsorger ist er seit 13 Jahren tätig.

Einen ganzen Tag dauerte wohl sein spektakulärster Einsatz als Notfallseelsorger, nach dem Amoklauf am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule in Winnenden. Beim Flugzeugabsturz kürzlich in Mühlacker hatte er eine Augenzeugin zu betreuen.

Besonders schlimm war für ihn, als in seinem früheren Wirkungskreis einer seiner Feuerwehrkameraden bei einem Sprung ins Wasser tödlich verunglückte, wo er dann, selbst hart betroffen, 30 Kameraden zu betreuen hatte. Doch der Geistliche bildet auch selbst Personen für diesen Dienst aus und kann Einsatzteams leiten.

„Die Notfallseelsorge ist jedoch nicht konfessionsabhängig und man muss auch nicht Geistlicher sein. So wird diese Aufgabe als Notfallnachsorge heute auch häufig durch Angehörige des Roten Kreuzes übernommen. Es ist vielmehr so, dass diese Aufgabe in wenigen Fällen von einem Seelsorger wahrgenommen wird“, war von Hetzner zu erfahren. Daher hat sich der Begriff inzwischen auch in psychosoziale Notfallversorgung oder Krisenintervention gewandelt. Wenngleich daher bei seinem Einsatz nicht der seelsorgerliche Beistand im Vordergrund steht, hat er dennoch, aufgrund seiner theologischen Ausbildung, im Bedarfsfall die Möglichkeit hiervon Gebrauch zu machen.

Wenn der Oberlöschmeister zwei- bis dreimal pro Jahr jeweils an sieben Tagen 24 Stunden Bereitschaft hat, bedeutet dies, dass er sich im Enzkreis oder in Pforzheim aufhalten muss, um dann, wenn er gerufen wird, auch schnell vor Ort sein zu können. Alle seine planbaren, beruflichen Aufgaben legt er so, dass er während dieser Zeit keine Verpflichtungen. Vor allem für die Gottesdienste am Sonntag braucht er daher eine Vertretung.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit liegt vor allem im häuslichen Bereich bei der Überbringung von Todesnachrichten, zusammen mit der Polizei, etwa nach Verkehrsunfällen oder Suizid. So ein Einsatz kann dann mitunter bis zu drei Stunden dauern. Es gilt die Menschen so lange zu betreuen, bis jemand aus ihrem Umfeld kommt, der sich weiter um sie kümmern kann.