Millioneninvestition für den Lärmschutz: Müller Fleisch will leiser werden

Müller Fleisch baut auf höhere Grenzwerte - Arbeiten im Brötzinger Tal in vollem Gange

Birkenfeld. 30 Meter hoch, Platz für über 9000 Paletten, deren Ladung vollautomatisch sortiert und im menschenleeren Inneren auf unter minus 20 Grad gefroren wird – das sind Eckpunkte des neuen Hochregallagers bei Müller Fleisch, das derzeit am Enzufer im Brötzinger Tal entsteht. Die für die Anwohner wichtigen Lärmgrenzwerte für den erweiterten Schlachtereibetrieb sind derweil noch offen. Hat die Gemeinde Birkenfeld in ihrer Baugenehmigung Grenzwerte von 55 Dezibel tagsüber und 40 Dezibel nachts festgeschrieben, so hat Müller Fleisch gegen diese Festsetzung beim Regierungspräsidium (RP) Karlsuhe Widerspruch eingelegt. Die Entscheidung dazu steht noch aus.

Aufgrund früherer Aussagen des RP, dass es sich am Standort von Müller Fleisch durch die Nähe von Wohnbebauung und Gewerbe rechtlich um eine Gemengelage handle und somit Mittelwerte von 60/45 Dezibel zu Grunde liegen, rechnet die Firma mit höheren Grenzwerten als von Birkenfeld vorgegeben. „Alles darunter ist für uns nicht umsetzbar“, sagt Geschäftsführer Stefan Müller. Zusammen mit Rechtsbeistand Johannes Kneer erläutert er im Pressegespräch anhand von historischen Dokumenten, Bildern und früheren Zeitungsartikeln, dass das Brötzinger Tal schon vor der Ansiedlung von Müller Fleisch industriell genutzt worden sei – noch vor der Wohnbebauung im anliegenden Pforzheimer Herrenstriet oder gegenüber in Birkenfeld.

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Das Hochregallager dient später als große Tiefkühltruhe. Das macht Müller Fleisch im Sortiment unabhängig von Jahreszeiten und bietet mehr Chancen am internationalen Markt. Aktuell muss die Firma Waren in externen Kühlhäusern unterbringen. Foto: Meyer

Kneer geht davon aus, dass der entsprechende Bescheid über die gemittelten Grenzwerte in den kommenden Wochen vom RP komme. „Das schafft dann auch Rechtssicherheit für alle Seiten“, so der Anwalt. Darüber hinausgehen wolle man gar nicht, ergänzt Müller. Vielmehr arbeiten die Planer mit immer neuerer Technik daran, die Immissionswerte zu minimieren. Dafür existiere der im Haus aufgestellter Lärmminderungsplan, der bei den anstehenden Erweiterungsbauten sukzessive umgesetzt werde. So werden beispielsweise zehn über die Jahrzehnte angeschaffte Kühlanlagen durch drei neue, leisere ersetzt.

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Geschäftsführer Stefan Müller setzt sich beim Neubau für besseren Lärmschutz ein. Foto: Meyer

„Auch haben wir mit Schallabschirmungen im Verladebereich am Hochregallager für zusätzlich 50.000 Euro nachgerüstet“, sagt Müller.

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Müller Fleisch sichert Arbeitsplätze zu

Ab Ende 2020 sollen vier Schallschutzwände den Außenbereich zwischen den Gebäudeteilen hin zu den Wohngebieten abschirmen. Die größte ist 20 Meter lang, acht Meter hoch und Richtung Herrenstriet ausgerichtet. Ob die Lärmschutzgrenzen eingehalten werden, sollen zwei Kontrollen ergeben. So werde laut Kneer ein vom RP ausgewählter Sachverständiger die Werte nach Fertigstellung des Hochregallagers – vermutlich Mitte 2021 – überprüfen und abermals, wenn bis 2022 alle Maßnahmen des Lärmminderungsplans umgesetzt seien.

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Weiter keine Einigkeit: Debatte über Lärmgrenzen für Müller Fleisch dauert an - ein Überblick

Ziel der Erweiterung mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro sei, dass alle Gebäudeteile zusammenwachsen, was die Logistik auf dem Gelände und von dort weg vereinfache, so Müller: „Wir müssen uns entwickeln können, um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können.“ Eine Verlagerung weg von Birkenfeld sei für ihn und seinen Bruder Martin keine Option. „Aber es gibt beim Lärm eine Schmerzgrenze, was technisch möglich ist.“

Carolin Kraus

Carolin Kraus

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