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Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa
05.08.2018

Mutmaßlicher Terrorist aus Syrien lebte in Bad Wildbad

Bad Wildbad. Die Festnahme des Syrers Hamad A. sowie die Durchsuchung seiner Wohnung fand in Bad Wildbad statt. Der 36-Jährige ist dringend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung Jabhat al-Nusra beteiligt sowie gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. Dies bestätigte die Generalbundesanwaltschaft unserer Zeitung. Am Donnerstag fand in der kleinen Stadt im Nordschwarzwald ein großer Polizeieinsatz statt. Nachfragen beim Polizeipräsidium Karlsruhe liefen zunächst ins Leere.

Auf Nachfrage bestätigte Frauke Köhler, die Pressesprecherin der Generalbundesanwaltschaft, den Einsatz von Beamten des Landeskriminalamts in Bad Wildbad. Nähere Auskünfte wollte sie nicht geben und verwies stattdessen auf die am Donnerstag veröffentlichte Pressemeldung. Aus zuverlässigen Quellen war zu hören, dass sich der 36-jährige Syrer in Bad Wildbad unauffällig verhalten habe. Er sei ein „Mensch wie du und ich“ und auch immer nett zu Kindern gewesen, hieß es. Man hätte nicht gedacht, dass er Mitglied in einer terroristischen Vereinigung sei.

Das sehen die Ermittler freilich ganz anders. Hamad A. soll ab 2013 Sprengsätze für das Terrornetzwerk al-Nusra hergestellt und später als Leiter eines Scharia-Gremiums die Polizei- und Justizaufgaben in der Region Tabka bestimmt haben.

Nicht der erste Fall

Im September 2016 war schon einmal ein damals 24-jähriger Syrer in Calw unter dem Verdacht verhaftet worden, einst für die Al-Nusra-Front gekämpft zu haben. Der Verdächtige hatte damals keine Verbindungen in die Region, sondern war wohl zur medizinischen Behandlung im Kreis Calw gewesen. Gelebt hatte der 2016 Verhaftete in einer Flüchtlingsunterkunft benachbarten im Kreis Böblingen. Die Al-Nusra-Front war der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida, von dem sie sich 2016 offiziell lossagte. Heute tritt die Gruppe unter dem Namen Fatah al-Scham auf.

In Baden-Württemberg stoßen Ermittler immer wieder auf solche Fälle. In Stuttgart begann im September vor dem Oberlandesgericht ein Terrorprozess gegen vier Syrer, denen der Mord an 36 Mitarbeitern des syrischen Assad-Regimes vorgeworfen wird. Ein wichtiger Tatort liegt in der der Nähe von Tabka – und damit in der syrischen Region, in der auch der letzte Woche Verhaftete aktiv gewesen sein soll. Die vier Syrer, die in Stuttgart vor Gericht stehen, sind seit 2016 in Untersuchungshaft. Das Oberlandesgericht hatte für den Prozess 80 Verhandlungstermine bis Oktober 2018 geplant. Ebenfalls in Stuttgart war vor nicht ganz einem Jahr laut dem ARD-Magazin Panorama ein 26-jähriger Syrer wegen der Beteiligung an Kriegsverbrechen und Freiheitsberaubung für die Al-Nusra-Front zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte als anerkannter Asylbewerber im Rems-Murr-Kreis gelebt.