Enzkreis/Pforzheim/Karlsruhe. Der Umgang der Bonner Polizei mit einem Notruf hat für Aufruhr gesorgt. Die PZ hat sich in Karlsruhe angeschaut, wie Beamte in Leitzentralen arbeiten.
Der Verletzte ruft selbst die „110“. „Ich habe mir in die Hand gesägt“, klingt seine Stimme aus dem Lautsprecher am Funktisch von Martin Cölln. Der Polizist muss nachhaken. Wo ist der Unfall passiert? Er muss sekundenschnell klären, ob er dem blutenden Mann nur medizinische Hilfe schickt oder ob er am Arbeitsplatz verunglückt ist und die Polizei besser gleich prüft, ob dort vorschriftsgemäß für Sicherheit gesorgt war. Bei einem zeitgleichen Fall ist diese Entscheidung leichter. Ein Zeuge meldet eine hilflose Person. Womöglich ist sie mit dem Fahrrad gestürzt. Der Polizist fragt den Anrufer, wo genau das passiert ist. Innerhalb einer Stadt wie in diesem Fall können Zeugen meistens Straßen oder Kreuzungen nennen. An einem Bildschirm lässt sich der Beamte den Unfallort auf einer Karte darstellen, an einem anderen prüft er, welche Streifen in der Nähe einsatzbereit sind.
Routine im Führungs- und Lagezentrum (FLZ) des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Der Pforzheimer Martin Cölln und sieben Kollegen besetzen die Funktische. Sie erfüllen eine Aufgabe, die zuletzt bei ihren Bonner Kollegen für Aufruhr gesorgt hat. Dort hatten Beamte im April den Notruf des jungen Mannes zunächst nicht ernst genommen, der zu diesem Zeitpunkt mit ansehen musste, wie seine Freundin, eine aus dem Enzkreis stammende junge Frau, vergewaltigt wurde. Die PZ, die über den Fall berichtete, hat sich nun in Karlsruhe angeschaut, wie und unter welchen Bedingungen Polizisten in einer solchen Leitstelle arbeiten.
Sie arbeiten intensiv und schnell. Im Fall der hilflosen Person schickt der Beamte alle Zeugeninformationen an eine Streifenwagenbesatzung. Kurz darauf bestätigt die Streife den Auftrag und fährt los. Auf der Karte am Funktisch sieht man, wo sich der Wagen befindet. Zur Not kann der Leitstellenbeamte ihn zum Unfall dirigieren. Genauso wie den Rettungswagen, der auf dem Weg ist.
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