WhatsApp Image 2021-06-19 at 08.41.40
Auch über der Goldstadt gewitterte es. 
WhatsApp Image 2021-06-19 at 03.27.07
Nichts ging mehr: Wer auf der A8 unterwegs war, wurde von den immensen Wassermassen überrascht. 
WhatsApp Image 2021-06-19 at 03.27.08
Mit dem Schlauchboot musste die Feuerwehr Menschen aus den Wassermassen befreien. 

Nach dem Unwetter kommt das große Aufräumen in der Region

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Karlsruhe. Gewitter und Starkregen haben in der Nacht auf Samstag zahlreiche Keller in Gemeinden in der Region vollaufen lassen und die A8 überflutet. Verletzt wurde niemand. Seit dem späten Vormittag ist die Autobahn in beide Richtungen wieder frei.

Wie die Integrierte Leitstelle Pforzheim Enzkreis berichtet, lag der Schwerpunkt der Feuerwehren in der Region auf der A8 in Richtung Karlsruhe auf Höhe Mutschelbach: Dort war die gesamte Fahrbahn über 200 Meter Länge auf bis zu ein Meter Höhe überflutetet, das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Pforzheim-Enzkreis schreibt in seiner Mitteilung sogar von eineinhalb Metern. Zehn Autos sowie zwei Lkw seien in den Wassermassen eingeschlossen gewesen, die insgesamt 27 Insassen – darunter laut DRK zwei Kinder – hätten sich teils selbst, teils durch Unterstützung anderer Verkehrsteilnehmer in Sicherheit bringen können.

WhatsApp Image 2021-06-19 at 03.27.20
Dieser rote Opel Adam erlitt einen Kurzschluss und fing von alleine an zu hupen.

Die Feuerwehr rettete laut Mitteilung im Anschluss die Menschen per Schlauchboot aus dem überfluteten Bereich. Vor Ort waren die Berufsfeuerwehr Pforzheim, die Freiwillige Feuerwehr Remchingen und der Rettungsdienst mit mehreren Fahrzeugen und Einsatzkräften.

In Fahrtrichtung Stuttgart waren laut Mitteilung fünf Fahrzeuge betroffen. Dort war zudem die Berufsfeuerwehr Karlsruhe im Einsatz. Verletzt wurde laut Feuerwehr bei diesen Einsätzen niemand.

WhatsApp Image 2021-06-19 at 03.27.12
Bildergalerie

Gewitter und Starkregen überfluten A8 bei Remchingen

Die betroffenen Personen wurden mit dem Feuerwehrbus in die Unterkunft des Deutschen Roten Kreuz in Pforzheim verbracht, wo sie mit trockener Kleidung versorgt wurden. Als klar geworden sei, dass die Autobahn nicht so schnell freigeräumt sein würde, rückte das DRK erneut aus, um die Menschen, die im Stau standen – darunter zum Teil Familien mit Kleinkindern – mit Getränken und Essen zu versorgen.

Durch das Technische Hilfswerk wurden die Wassermassen auf der Autobahn beseitigt. Die Autobahnmeisterei übernahm die Reinigung der Fahrbahn. Im Einsatz waren auch der Bauhof Remchingen, ein Abschleppdienst mit neun Fahrzeugen und die Pforzheimer Polizei mit sieben Streifen. Insgesamt mussten laut Pforzheimer Polizei fünfzehn Autos, ein Transporter und ein Lkw abgeschleppt werden. Demnach dürfte sich der Schaden auf einen Betrag im oberen fünfstelligen Bereich belaufen. Auch Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) vom Ortsverein Pforzheim waren bis 6 Uhr im Einsatz, um die teils stark traumatisierten Beteiligten zu begleiten. 

Viel Umgehungsverkehr

Die Autobahn war ab Mitternacht über mehrere Stunden in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Gegen 7.45 Uhr konnte laut Pforzheimer Polizei die Strecke Richtung Karlsruhe wieder geöffnet werden. Seit 10.20 Uhr ist auch in Fahrtrichtung Stuttgart wieder alles frei. 

Aufgrund der lange anhaltenden Sperrung in Richtung Stuttgart waren etwa in Karlsbad die Umgehungsstraßen am Morgen stark überfüllt. Auch die B10 bei Remchingen war größtenteils dicht. Viel Verkehr wälzte sich auch durch die Kelterner Ortsteile Ellmendingen und Dietlingen.

WhatsApp Image 2021-06-19 at 08.23.14
Dicht: Durch Langensteinbach quälte sich am Samstagmorgen der ganze Umleitungsverkehr.

Erdrutsch binnen Sekunden

Der Fahrer eines Kleintransporters berichtete der PZ vor Ort, dass nach einem heftigen Regenschauer um kurz nach Mitternacht sich Wasser- und Geröllmassen binnen Sekunden auf die Fahrbahn ergossen und kurz vor der Autobahn einen Erdrutsch ausgelöst hätten. Über dem Bereich lag ein beißender Dieselgeruch. Feuerwehrmänner suchten in den Wassermassen nach rund einem Dutzend Gullideckeln, die sie dann mittels eines Pickels öffneten und das Metallsieb herauszogen. Als das Wasser auf der Mutschelbacher Seite in Fahrtrichtung Pforzheim abfloss, blieben Schlamm und Geröll auf der Fahrbah zurück.

WhatsApp Image 2021-06-19 at 08.26.56
Das Naturschauspiel in der Nacht auf Samstag hat bei bei den Einsatzkräften in der Region für schlaflose Stunden gesorgt.

In mehreren Gemeinden im Enzkreis liefen Keller voll und Gullys wurden aus ihrer Verankerung gespült. Gegen 23.15 Uhr am Freitagabend erreichte die Integrierte Leitstelle die ersten Notrufe. Betroffen waren die Gemeinden Birkenfeld, Ispringen, Kieselbronn, Niefern-Öschelbronn, Neuenbürg und Remchingen. Auch in Pforzheim waren die Feuerwehrabteilungen Brötzingen-Weststadt, Dillweißenstein, Büchenbronn und Eutingen damit beschäftigt, die Auswirkungen des Unwetters zu beseitigen. Verletzte sind der Polizei nicht bekannt.

In einer Gaststätte in der Pforzheimer Bleichstraße lief nach PZ-Informationen der Keller voll.

Autofahrer eingesperrt – A8 unter Wasser
Video

Autofahrer eingesperrt – A8 unter Wasser

Karlsbad besonders betroffen

Auch im Stadt- und Landkreis Karlsruhe hinterließ das Unwetter laut Karlsruher Polizei seine Spuren: Im südlichen Landkreis seien zahlreiche Keller vollgelaufen, Gullydeckel ausgehoben und Bäume auf Straßen gefallen. In der Leitstelle in Karlsruhe gingen in der Nacht zum Samstag 255 Notrufe ein.

Insbesondere in den Karlsbader Ortsteilen kam es demnach zu starken Behinderungen wegen der massiven Wassermassen und umgestürzter Bäume. In Richtung Stuttgart musste der Verkehr an der Ausfahrt Karlsbad abgeleitet werden.

WhatsApp Image 2021-06-19 at 11.38.59-8
Rund 50 Gräber auf dem Mutschelbacher Friedhof sind von dem Unwetter beschädigt worden.

In Mutschelbach (Karlsbad) wurden auf dem Friedhof rund 50 Gräber durch die Wassermassen beschädigt oder unterspült. In den Straßen lag am Samstag Geröll herum. Die Menschen räumten ihre Keller und Gärten auf.  Rund 15 Anwohner pumpten das Wasser aus der Kirche. Sie sind sauer: Man habe mehrfach ein Hebewerk angemahnt, um so etwas zu verhindern.

Unter den Karlsbadern herrschte nach dem Unwetter große Solidarität: Sowohl in Mutschelbach als auch in Langensteinbach halfen sich die Bürger gegenseitig beim Aufräumen oder tauschten Hilfsmittel aus.

In Kleinsteinbach (Pfinztal) stand PZ-Informationen zufolge so gut wie jedes Haus in der Ortsmitte unter Wasser.

Ein Sachschaden kann laut Polizei noch nicht beziffert werden, verletzt wurde aber niemand.

WhatsApp Image 2021-06-19 at 10.45.37
Schlamm auf den Gehwegen: In Karlsbad-Langensteinbach waren die Spuren der vergangenen Nacht noch zu sehen.

Kanal in Schömberg hielt Unwetter vor zwei Wochen nicht Stand

Erst vor zwei Wochen hatte an Fronleichnam ein Regenguss in Oberlengenhardt (Schömberg) für eine blockierte Kanalisation gesorgt. Der Schaden betrug rund 100.000 Euro. Das Ereignis weckte zudem ungute Erinnerungen an eine verheerende Sturzflut im Juli 1999: Damals wurden die Gemeinden Schömberg und Unterreicheinbach von Überschwemmungen heimgesucht. Die Beseitigung der Schäden sollte Jahre dauern.

760_0900_130060_Starkregen_Oberlengenhardt2.jpg
Region+

Nach heftigen Überflutungen in Schömberg: Ist neuer Kanal nötig?

Gewitterrisiko noch nicht gebannt

Das Gewitterrisiko im Südwesten soll am Wochenende weiter ansteigen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gibt es im Laufe des Samstags zwar nur einzelne Gewitter. Diese können mit Starkregen und Hagel aber bereits unwetterartig ausfallen. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 29 Grad im Bergland und 34 Grad an der Tauber. Den Meteorologen zufolge bleibt auch die Waldbrandgefahr hoch. 

In der Nacht zum Sonntag soll es dann vermehrt gewittern. In kurzer Zeit können bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, wie es hieß. Es seien auch größerer Hagel und schwere Sturmböen möglich. Auch im Laufe des Tages, vor allem am Nachmittag und Abend, soll es laut DWD Gewitter mit heftigem Starkregen geben. Die Temperaturen liegen zwischen 25 Grad auf der Schwäbischen Alb und 31 Grad in der Hohenlohe.

Mit Material aus Pressemitteilungen und von dpa/lsw.

Georg Moritz

Georg Moritz

Zur Autorenseite