Neuhausen-Schellbronn/Pforzheim/Enzkreis. Der Tod des Fahrradaktivisten, der unter dem Pseudonym „Natenom“ sehr aktiv in den sozialen Medien war, schlägt hohe Wellen. Am Dienstagabend ist er bei einem tragischen Unfall zwischen Neuhausen und Schellbronn ums Leben gekommen. Wie es dazu gekommen ist, steht noch nicht fest und wird derzeit untersucht. Seine Anhänger und Supporter trauern öffentlich um ihn, doch es werden auch kritische Stimmen laut, die an seiner Vorgehensweise für mehr Fahrradsicherheit einiges auszusetzen hatten.
"Wir sind zutiefst erschüttert und traurig", heißt es unter einem Beitrag von Critical Mass Pforzheim auf Instagram. "Wir müssen Abschied von unserem lieben Wegbegleiter, den alle unter dem Namen Natenom kannten. Er wurde gestern auf der Strecke von Neuhausen nach Schellbronn totgefahren", heißt es weiter. "Wir trauern um ihn und vermissen ihn.
"Seinen Angehörigen gilt unser aufrichtiges Beileid. Dem Verursacher dieses tragischen Unfalls gilt unser Mitgefühl", schreibt die Organisation. Ähnlich wie in den Kommentarspalten bei PZ-news, bekunden viele unter dem Post von Critical Mass Pforzheim ihr Mitgefühl. Darunter auch Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch, der schreibt: "Meine Anteilnahme und Beileid".
"Es ist sehr grausam und traurig. Letzten Freitag bei der Critical Mass haben wir noch gesprochen und jetzt können wir es nicht mehr. Fahrradfahren war immer ein großer Teil seines Leben, es war Therapie und politische Motivation. Mein Beileid den Angehörigen."
Ein Instagram-User
Noch am Dienstag, den 30. Januar, am Tag seines Todes, veröffentlichte "Natenom" selbst einen Post auf der Plattform "Mastadon". Dabei wusste er nicht, dass es sein letzter sein wird. Er schrieb: "Du überholst nachts jemanden auf der Landstraße so mit deinem Riesenarschlochpanzer SUV Geländewagen, dass du ihn fast von der Straße ballerst, trotz weithin sichtbaren Gegenverkehr. Dann begegnest du dem aufgelösten Radfahrer auf dem nächsten Parkplatz. Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: 1. Das tut mir wahnsinnig leid, ich hab das völlig falsche eingeschätzt. Es tut mir wirklich leid. Diese Möglichkeit hat die Dame heute nicht genutzt. 2. Stattdessen: wenn da ein Radweg ist, müssen Sie dort fahren. Es hat doch noch gepasst, ich war ja noch vor dem Gegenverkehr durch."


Tödliche Tragödie um Radaktivisten: Unfallopfer war in Szene sehr bekannt
Schon am Montag ist "Natenom" laut seiner Aussage in eine brenzlige Situation im Straßenverkehr gekommen. Am Dienstag hat ein 77-jähriger Citroen-Fahrer ihn erfasst, wobei er verstarb.
"Natenom" war in Pforzheim und dem Enzkreis bekannt
Als Fahrradaktivist ist er in Pforzheim und der Region kein Unbekannter. Viele Userinnen und User schildern auf Facebook und Instagram unter dem PZ-news-Beitrag zum Unfall ihre Begegnungen mit ihm, die zum Teil nicht immer freundlich verliefen. "Tja, traurig, dass das passiert ist. Er hat es aber auch provoziert. Ich hab ihn letzten Sommer bergauf überholt. Er hat einen riesengroßen Schlenker gemacht und ist mit seiner dämlichen Schwimmnudel an meinem Auto gestreift - ich hab angehalten und er hat dann sofort angefangen zu schreien. Ich hatte Abstand und war auch nicht zu schnell", schreibt etwa eine Userin auf Instagram.
"Jeder Autofahrer, der den Radfahrer kannte oder ihm schonmal begegnete, weiß, wie provokant dessen Fahrweise war. Neben der Strecke zwischen Pforzheim und Neuhausen gibt es die schönsten Radwege. Warum hat er NIE einen dieser Wege benutzt? Früher oder später musste es so kommen. Mein Bedauern gilt dem Autofahrer."
Ein PZ-User auf Instagram
"War absehbar und nur ne Frage der Zeit", meldet sich eine weitere Nutzerin zu Wort. "Was ich nicht verstehe ist, wenn es da einen Radweg gibt, warum er den nicht nutzte. Er müsste es doch als so fixierter Radfahrer wissen, dass es eine Radweg-Benutzungspflicht gibt. Was hatte er auf der Straße zu suchen. Man kann doch nicht alles andere anprangern und sich selbst nicht an die Regeln halten. Nun ist es zu spät...", fragt eine andere Frau. So wie die Nutzerin reagieren einige andere auch – doch hier ist wichtig zu wissen, dass die Nutzungspflicht des Radweges auf dieser Strecke eben aktuell nicht gilt.
Der verunglückte Aktivist selbst hatte laut seinem eigenen Blog früh hinterfragt, ob er mit dem Rad wirklich diesen Weg nutzen muss oder nicht doch auch die Straße nehmen darf. Damals standen noch blaue Schilder, die für eine Benutzungspflicht stehen. Dagegen wehrte sich der Aktivist, der den Radweg als gefährlich schilderte, voller Wellen und Schlaglöcher. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) beurteilt den Radweg kritisch. Als 2021 die blauen Rad- und Fußwegschilder ausgewechselt wurden, hatte "Natenom" das gefeiert.*
Viele Menschen im Netz können die Kritik in den Kommentaren nicht nachvollziehen. "Es ist ein Mensch gestorben. Egal, wie die Umstände waren", schreibt eine Facebook-Userin. "Die Unwissenheit und Ignoranz der Autofahrenden kann man in den Kommentaren sehen!", meldet sich noch jemand zu Wort. Und nicht nur negative Begegnungen mit "Natenom" werden in den Kommentaren thematisiert: "Mein Beileid der Familie. Er war ein toller Typ, mit dem ich mich einige Male schon unterhalten habe und er immer behilflich war bei Pannen. Nun ist er deswegen verstorben, was er immer schon vehement angeprangert hat im Straßenverkehr".

In Bildern: Auto und Fahrradfahrer kollidieren
Zur Aufklärung des Unfallhergangs wurde ein Sachverständiger hinzugezogen, das Gutachten könne laut Polizeipressesprecher Benjamin Koch aber noch eine gewisse Zeit dauern. Eines ist aber schon klar: Das Opfer hat eine Warnweste getragen, bestätigt Koch. Ob er einen Helm trug und Beleuchtung am Rad hatte, sei derzeit Gegenstand der Ermittlungen.
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