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Zuwendung, Trost und Schweigen: Die Aufgaben für die Notfallseelsorger um Olaf Digel sind vielfältig. Der Piepser, den der Pfarrer in der Hand hält, bedeutet meistens schlimme Nachrichten.
Zuwendung, Trost und Schweigen: Die Aufgaben für die Notfallseelsorger um Olaf Digel sind vielfältig. Der Piepser, den der Pfarrer in der Hand hält, bedeutet meistens schlimme Nachrichten. © Fux
08.05.2009

Notfallseelsorge: Zuhören, wo die Not am größten ist

WURMBERG. Wenn bei Pfarrer Olaf Digel der Piepser geht, weiß der 39-Jährige nicht was ihn erwartet. Denn Digel ist nicht nur Gemeindepfarrer von Wurmberg und Neubärental, sondern er leitet auch die Notfallseelsorge.

Als Notfallseelsorger fährt der evangelische Geistliche häufig mit der Feuerwehr zu schweren Unfällen, um Angehörigen von Schwerverletzten beizustehen. Olaf Digel ist auch dann dabei, wenn vielen die Worte fehlen. Er begleitet Polizeibeamte bei schweren Gängen, wenn es darum geht, Angehörigen die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen, des Mannes, Kindes, der Mutter zu überbringen. Aber auch zu häuslichen Einsätzen von Notärzten wird der Notfallseelsorger gerufen, beispielsweise wenn eine Reanimation erfolglos war. „Wir stehen Menschen in Krisensituationen bei“, sagt der leitende Notfallseelsorger.

Olaf Digel weiß, wovon er spricht, denn er ist seit Jahren in der Notfallseelsorge tätig. Bereits während seiner Ausbildung zum Pfarrer engagierte er sich auf diesem Gebiet. Auch auf Landesebene bringt sich Digel in die Ausbildung von Notfallseelsorgern ein. Zugleich arbeitet er im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft von Notfallseelsorge und der Notfallnachsorge des DRK. Sein Schwerpunkt ist die Weiterentwicklung der Notfallseelsorge und der Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Seit Februar steht der Wurmberger Pfarrer nun an der Spitze. Er hat das Amt vom Gründer der Notfallseelsorge für Enzkreis und Pforzheim übernommen, von Pfarrer Hans Gölz-Eisinger. Gölz-Eisinger leitet nun die „Einsatzkräftenachsorge“, wo es auch um die psychosoziale Versorgung von Helfern nach belastenden Einsätzen geht. So unterstützten Notfallseelsorge, Notfallnachsorgedienst und Einsatzkräftenachsorge aus dem Enzkreis und Pforzheim mit den beiden Pfarrern und mit Gudrun Augenstein vom DRK auch Einsatzkräfte nach dem Amoklauf von Winnenden (die PZ berichtete).

Begleitung in Krisensituationen

„Es geht darum Menschen in Krisensituationen zu begleiten, da zu sein, wenn Leute reden wollen, und das Schweigen auszuhalten, wenn jemand fassungslos ist“, beschreibt Olaf Digel seine nicht leichte Arbeit als Notfallseelsorger. Auch wenn man trösten möchte, müsse man häufig widerstehen und zuhören und mit Menschen versuchen die Krisensituation auszuhalten, so Olaf Digel. Dem Pfarrer und seinen Kollegen, die in der Notfallseelsorge und der Notfallnachsorge tätig sind, geht es um ein zeitnahes und ein ortsnahes Angebot. Die Einsätze der Notfallseelsorger dauern häufig zwei bis drei Stunden. „Es geht darum, dazubleiben bis das soziale Netz aktiviert ist und weitere Angehörige oder Freunde da sind“, betont Olaf Digel.

Er verschweigt auch nicht, dass die Alarmierung über den Piepser jedes Mal einen Adrenalinstoß auslöst. Meist fährt Digel dann mit der Feuerwehr in abgesperrtes Gebiet, zu einem schweren Verkehrsunfall oder zu einem Brand, um den Menschen beizustehen. Silke Fux