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Der falsche Blitzer in Dennach. Foto: Jürgen Keller/PZ-Archiv
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Das doppelte Ersingen machte die Umfahrung Bilfingens 2018 unverständlich.

Ob Blitzerattrappe oder illegale Schilder – Behörden in der Region verstehen keinen Spaß

Enzkreis/Kreis Calw/Karlsruhe. Ein täuschend echter, falscher Blitzer als Maischerz in Dennach? Polizei und Verkehrsbehörde finden das nicht sehr witzig. Der Verkehrsdezernatsleiter des Polizeipräsidiums Karlsruhe sieht einen Zusammenhang zu illegalen Verkehrsschildern, die in seinem Dienstbereich vermehrt auftauchen würden. Er fürchtet, Autofahrer könnten so Vertrauen in die echten Regelungen verlieren.

Täuschend echt und handwerklich gut gemacht: So ist als Maischerz eine Blitzersäule in Dennach aufgestellt worden, die von Autofahrern auf der Durchfahrt offenkundig sehr ernst genommen wurde. Sie bremsten ab, was nicht wenige im Ort freute. Zu hohes Tempo des Durchgangsverkehrs ist wiederholt Thema im Neuenbürger Stadtteil gewesen.

Auch Polizei und Behörden haben den effektvollen Scherz im Blick. Allerdings ohne Augenzwinkern. Nicht etwa aus Sicherheitsgründen, wie Oliver Müller, Leiter des Straßenverkehrs- und Ordnungsamts beim Enzkreis, sagt. „Da hätten wir nur außerorts eingegriffen, weil es dort ein gefährliche Ablenkung für Fahrer sein könnte“, sagt er. Innerhalb des Orts ist das ganz anders. Doch Müller und Joachim Zwirner, der Leiter des Verkehrsreferats beim Polizeipräsidium Karlsruhe, haben ein grundlegend anderes Problem mit derartigen Symbolen. Das der Amtsanmaßung nämlich. Zwirner reagiert auf solche Bürgerstreiche besonders kritisch, weil er in seinem Zuständigkeitsbereich beobachtet, dass zunehmend auch mit Schildern in den Verkehr eingegriffen werde, die nicht bei den zuständigen Behörden beantragt wurden. „Das passiert tatsächlich häufiger, beispielsweise im Zusammenhang mit Baustellen.“ Dadurch aber drohe ein wild wirkender Schilderwald, so Zwirner: „Und das birgt die Gefahr, dass Autofahrer auch echten Verkehrsanordnungen nicht mehr vertrauen.“

Es könne nicht jeder Polizei oder Ordnungsbehörde spielen, sagt auch Müller. Immerhin: Wildwest-Methoden bei Verkehrsschildern seien im Enzkreis noch nicht als großes Problem aufgefallen. Ähnlich wie bei der Calwer Verkehrsbehörde übrigens.

Der Schilderwald ist freilich auch ohne illegale Zeichen üppig genug. Und die von Zwirner befürchteten Vertrauensverluste werden auch befeuert, wenn ganz legal beantragte Schilder voller Fehler stecken. Das gesteht Müller zu, der aber darauf verweist, dass Pannen, oft verursacht durch ortsunkundige Firmen, von Bürgern oder der Zeitung zuverlässig entdeckt würden.

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