Mein Bild eines Ortsvorstehers ist geprägt von einem Mann in meinem hohenlohischen Heimatort, der vom 1. Januar bis zum 31. Dezember quasi omnipräsent ist – egal ob im Nikolauskostüm am Viehmarkt, bei Festen hinter und vor der Bar oder an seinem Schreibtisch im Rathaus.
Ein PZ-Persönlich von PZ-Redakteur Nils Gundel
Er, der seit rund 30 Jahren formell einfach nur „der OV“ und informell „der Reiner“ genannt wird, ist in einer stolzen Ortschaft wichtig. Er ist der direkte Ansprechpartner, wenn etwas nicht klappt, wenn man den Blick von Verwaltung und Gemeinderat auf ein Thema im Ort lenken oder einfach nur in der Turnhalle ein Fest steigen lassen will. Die Antwort auf vieles lautet dann doch: „Frägsch halt mal en OV.“ Und er verkürzt die Distanz zwischen Verwaltung und Bürger, dient als Bindeglied zwischen einer vormals eigenständigen Gemeinde und dem Hauptort – in beide Richtungen. Das Gegenstück zu „Guck mal, der Bürgermeister isch auch da“ ist im übrigen „Wo isch denn der OV? Der isch doch sonst immer da.“ Manch einer wird Ortsvorsteher wie Ortschaftsräte als Relikte sehen, die man sich auch sparen könnte; ich gehöre nicht dazu. Denn diese zumeist ehrenamtlichen Frauen und Männer sorgen dafür, dass gerade kleine Orte „hinterm Wald“ oder „auf em Berg“ in der Gemeinde nicht unter die Räder kommen.



