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Vielfältige Therapie-Ansätze will Dorothea Zeise-Süss in ihrem „Parkinsonhaus“ unter einem Dach vereinen. Dazu gehört auch ein Giger-Trainingsgerät zur Schulung von Koordination, Muskelkraft und Ausdauer.  Foto: Zachmann 

Parkinson-Patienten: Angebote sollen mehr Lebensfreude bringen

Remchingen. Einrichtung eines „Parkinsonhauses“ in Remchingen geplant.

Auch mit 70 hat man noch Träume: Die frühere Remchinger Hausärztin Dorothea Zeise-Süss hat sich für einen Nähkurs und für eine Ukulele-Stunde angemeldet, um ihren Enkeln mit schönen Kleidchen und schwungvoller Musik eine kleine Freude zu machen, wie sie erzählt. Nadel und Saiten rattern jedoch nur nach Feierabend, denn tagsüber widmet sich die Allgemeinmedizinerin im Unruhestand weiter mit Herzblut einem Bereich der Medizin, der in der Öffentlichkeit noch immer viel zu wenig Aufmerksamkeit habe: der Parkinsontherapie. „Eigentlich wollte ich mit 70 alles fertig haben, aber irgendwie war mir eh schon klar, dass das nicht klappt“, stellt Zeise-Süss schmunzelnd fest, die 2023 Großes vorhat.

Aus ihrer bisherigen Privatarztpraxis in Wilferdingen will sie ein ganzes „Parkinsonhaus“ machen. Wo genau in der Gemeinde sie ihren langjährigen Traum erfüllen will, bleibt noch eine Überraschung, wenngleich die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. „Das Stigma, das der Erkrankung Parkinson anhaftet, belastet jeden einzelnen Patienten – oftmals ist sozialer Rückzug die Folge. Dies bedeutet dann erst recht eine Verschlechterung der Beweglichkeit, der Stabilität, mentalen Fitness, Kommunikationsfähigkeit und Lebensfreude“, muss sie mit Bedauern feststellen, „Noch immer gibt es wenig spannende Angebote gezielt für Parkinsonpatienten. Sie haben einfach keine Lobby.“ So kommt es, dass sie in ihrer Praxis selbst Patienten aus Italien, Slowenien, Österreich und der Schweiz betreue.

Das „Parkinsonhaus“ soll neben der Schulmedizin und Naturheilverfahren auch die von ihr maßgeblich mitentwickelte Parkinson-Akkupunktur sowie Anlaufstellen für gezielte Therapie- und Bewegungsangebote unter einem Dach vereinen. „Dazu kommt ein Café als sozialer Treff mit Bücherecke und vielleicht auch Musik. Oft helfen banale Dinge, zu denen auch das Zuhören gehört“, freut sich Zeise-Süss, die sich auch die Einbindung von Ehrenamtlichen gut vorstellen könnte, „Untereinander blühen Parkinson-Patienten regelrecht auf und auch für die Angehörigen ist ein Austausch sehr wertvoll.“

Die therapeutischen Ansätze sind vielfältig und reichen vom Balancetraining an der Wii-Konsole bis zur Akupressur-Haube für zu Hause, die sie bei Bedarf per Video-Sprechstunde überwacht. Während Parkinson-Patienten in ihrem Gesundheitswerkraum neuerdings auf einem Giger-Trainingsgerät Koordination, Muskelkraft und Ausdauer schulen und den Erfolg per Computeraufzeichnung beobachten können, hält sie für begleitende Angehörige eine pulsierende Matte zur Durchblutungsförderung und Entspannung bereit. In seltenen Fällen ließe sich der Verlauf der tückischen neurologischen Erkrankung verbessern, in vielen Fällen merklich verlangsamen: „Wir wollen vor allem die Lebensfreude und Lebensqualität verbessern.“ zac