Paulus-Mordprozess: Mitangeklagter schildert, wie er zum Abtransport der Leiche gerufen wird

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Teil für Teil setzt das Gericht das Puzzle des Tatabends im Mordfall Simon Paulus zusammen. Am dritten Verhandlungstag vor der Schwurgerichtskammer des Karlsruher Landgerichts hat nun ein weiterer Mitangeklagter, ein 42-jähriger Deutscher aus Pforzheim, zu seiner Rolle ausgesagt.

Am 29. August vergangenen Jahres hat den Ermittlungen zufolge ein 30-jähriger Italiener aus Pforzheim den 50-jährigen Büchsenmacher im Umfeld seiner Wohnung in Gräfenhausen getötet. Der Hauptbeschuldigte sitzt in Untersuchungshaft und schweigt.

Der 42-Jährige schilderte den Italiener als losen Bekannten. Verbindendes Element sei der Sport gewesen. Im Fitnessclub habe ihn der Hauptangeklagte am Tattag auch gegen 20 Uhr angesprochen: „Er hat mich gefragt, ob ich eine Stunde Zeit hätte.“ Er wolle sich mit jemand treffen und wisse nicht, ob noch andere dabei seien, zitiert der Mitbeschuldigte den Italiener. Sporttasche samt Handy habe man in die Wohnung des Italieners gebracht. Mit dessen silbernem Audi ging’s von Pforzheim nach Gräfenhausen.

Mit einem Walkie-Talkie sei er am Kreisverkehr beim Ortseingang abgesetzt worden. Eine gefühlte halbe Stunde sei er „planlos herumgelaufen“, dann der Funkspruch des Italieners: „Wir sind fertig – komm schnell!“ Binnen weniger Minuten sei er vor Ort gewesen. Im Beet vor Paulus’ Wohnung habe ein lebloser, blutüberströmter Mann gelegen, daneben habe der Italiener gestanden. „Ich habe gefragt: Ist der tot? Und er hat gesagt: Ja.“ Die Frage, was aus dem Ruder gelaufen sei, habe er abgewürgt mit: „Wir müssen abhauen, sonst sind wir beide tot.“

Aus dem Auto habe der Italiener zwei Paar Handschuhe und Malerfolie geholt. Notdürftig habe man die Leiche eingewickelt und zum Kofferraum geschleppt. Dann sei noch die Anweisung gekommen, die Waffen mitzunehmen, die bei der Haustüre bereitlagen. „Wir mussten drei, vier mal laufen.“ Dann habe er sich ans Steuer gesetzt. „Auf der Rückfahrt habe ich ihn beschimpft, aber er war ganz entspannt. Hat gesagt, ich soll den Mund halten, alles andere macht er“, erzählt der 42-Jährige. In Pforzheim habe man die Waffen in einer Garage unter Teppichen versteckt und anschließend das Auto mit der Leiche im Kofferraum vor der Wohnung des Italieners abgestellt. Dort habe man die blutverschmierten Klamotten gewechselt. „Dann bin ich zu meiner Freundin. Um 23 Uhr war ich auf jeden Fall dort.“

Hier setzen die Erzählungen des 27-jährigen deutschen Mitangeklagten an, der am zweiten Prozesstag geschildert hatte, wie er gegen 22.30 Uhr Besuch vom Italiener bekommen habe und wie sie anschließend im Lauf der Nacht den Leichnam beim Pforzheimer Wildpark vergraben haben. Dort wurde der Tote Anfang Oktober zufällig entdeckt.

Nach dem Tattag habe er den Italiener etwa zwei Wochen lang nicht gesehen, blickt der 42-Jährige zurück: „Ich war froh, nicht damit konfrontiert zu werden.“ Vom vermissten Simon Paulus habe er Tage später im Radio gehört. Verfolgt habe er die Sache aber nicht.

Zwei Mal sei er später von Unbekannten bedroht worden. Das erste Mal habe es nur geheißen: „Mund halten, sonst wirst du sehen, was passiert.“ Das zweite Mal habe er eine Ladung Pfefferspray und einen Schlag ins Gesicht abbekommen mit dem Hinweis, man wisse, wer seine Freundin sei und wo seine Familie lebe. Ein möglicher Grund für die Drohungen? „Mir fällt nur das hier ein.“

Helfen, ohne zu wissen bei was, die Aufforderung das Handy nicht mitzunehmen, ein Walkie-Talkie – ob ihm das alles nicht komisch vorgekommen sei, wollte Staatsanwältin Christine Roschinski vom 42-Jährigen wissen. „Schon ein bisschen.“ Aber nachfragen habe er nicht wollen, zeigte sich der über 1,80 Meter große Kampfsportler und Personenschützer offensichtlich beeindruckt vom Auftreten des Italieners

Im Anschluss wurden erstmals auch Zeugen vernommen. Nachbarn schilderten ihre Beobachtungen am Tatabend.