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Lebendige Gassen: Bauerntänze gibt es auf dem Brettener Marktplatz zu sehen.  Foto: Roller 
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Bei Joachim Dittus aus Walzbachtal können Kinder ihre eigenen Seile herstellen.  Foto: Roller 

Peter-und-Paul-Fest lockt Tausende Besucher in die Brettener Altstadt

Bretten. Gaukler treiben ihre Späße, Landsknechte und Ritter ziehen durch die Gassen, und Handwerker bieten ihre Waren feil: Das Rad der Zeit dreht sich zurück und bleibt stehen im Jahr 1504. Vier Tage lang verwandelt sich Bretten beim Peter-und-Paul-Fest in eine spätmittelalterliche Stadt. Tausende Besucher sind auf den Straßen unterwegs. Auch Katharina und Harald Bergmeier. In historischen Gewändern schreiten sie durch die Altstadt.

„Alles selbst geschneidert“, sagt sie und erzählt, sie würden gleich mehrere Gewänder besitzen. Denn die beiden sind öfter auf Mittelalter-Festen unterwegs. Aufs Peter-und-Paul-Fest sind sie zum ersten Mal gekommen – mit dem Wohnmobil aus der Lüneburger Heide. Ihnen gefallen die Atmosphäre und der Umstand, dass die ganze Stadt mitmacht. „Das ist fast wie ein Nachbarschaftsfest.“

Steve und Navonna haben eine noch längere Anreise hinter sich: Sie kommen aus England und gehören zur „Free Group“, die schon seit 22 Jahren nach Bretten kommt. Normalerweise kämpfen die edlen Rittersleute tapfer gegen ihre Feinde. „Aber jetzt haben wir frei und schauen uns ein bisschen um“, sagt Steve. Zu entdecken gibt es schließlich genug. Das stellen auch Oskar (5) und Mathis (7) fest. Aus zwölf Fäden stellen die beiden Brüder unter Joachim Dittus Anleitung zwei stabile Baumwollstricke her. Dittus ist Seiler und erklärt, früher habe man solche Stricke unter anderem zum Anleinen von Tieren und zum Binden von Gerüsten benutzt. „Heute kann man damit auch toll Seilhüpfen.“

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Bildergalerie

Tausende feiern Peter-und-Paul-Fest in Bretten

Altes Handwerk erleben

Auch Scharfrichter Peter Fernsel kennt sich bestens aus – unter anderem mit dem im Mittelalter weit verbreiteten Geisterglauben und vielen anderen Dingen, von denen er wortgewandt erzählen kann. Lange und intensiv haben er und seine rund 20 Kollegen, die sich im Lager zusammengefunden haben, recherchiert. Sie legen viel Wert auf Authentizität – und sind damit nicht die Einzigen. Ein paar Meter entfernt erinnern die Wäscherinnen an eine Zeit, in der die Frauen die Wäsche noch mit „Batschern“ bearbeiteten, um den Schmutz zu lockern. „Waschmittel gab es damals nicht für das normale Volk“, erklärt Anne-Kathrin Heim. Und Bleiche auch nicht: Dazu sei die fertige Wäsche auf die Wiese in die Sonne gelegt worden. Nicht nur die Wäscherinnen zeigen alte Techniken, auch die Handwerker: Frank stampft mit Öl versetzten Quarzsand in eine viereckige Form. Wenige Minuten später wird sein Kollege Philipp 350 Grad warmes, flüssiges Zinn hineinschütten. Wenn alles gut läuft, kommt am Ende ein Herz dabei heraus.

Kunstvolles stellt auch Michael Burbach von den „Gelahrten und Gereisten“ her. Konzentriert sitzt er an einem Tisch und kopiert eine Seite aus einem mittelalterlichen Pflanzenkundebuch. Die Farbe besteht aus gemahlener Erde und Metalloxiden, vermischt mit Gummi arabicum und Leinöl-Firnis. Insgesamt wirken mehr als 3000 Frauen, Männer und Kinder am Peter-und-Paul-Fest mit. Allein aus Bretten sind rund 50 Gruppen beteiligt. Dazu kommen einige aus ganz Europa.

Die Organisatoren gehen auch in diesem Jahr von bis zu 140.000 Besuchern aus. „Wir haben einen Wahnsinns-Zulauf“, sagt Gerhard Franck von der Vereinigung Alt-Brettheim, die das Fest zusammen mit der Stadt auf die Beine stellt. Durch die Auszeichnung des Fests als immaterielles Kulturerbe sei das Interesse insgesamt noch größer geworden.