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Wie mühsam man früher Papier hergestellt hat, zeigt Frank Blase (rechts). Foto: Roller
Natascha Kroll weiß, wie man Wolle früher verarbeitet hat. Foto: Roller
Die Weber zeigen den Gästen ihre Arbeitsweise. Foto: Roller
01.07.2018

Peter-und-Paul-Fest: 3000 Aktive versetzen Bretten ins Jahr 1504

Das Rad der Zeit dreht sich – und bleibt im Jahr 1504 stehen. In jener Zeit, in der Bretten in Folge des Landshuter Erbfolgekriegs von württembergischen Gruppen angegriffen und belagert wurde. Bretten verwandelte sich beim Peter-und-Paul-Fest am Wochenende vier Tage lang in eine spätmittelalterliche Stadt mit Gauklern, Soldaten, Spielmännern, Händlern und Handwerkern.

Bildergalerie: Peter-und-Paul-Fest in Bretten - Teil 1

Bildergalerie: Peter-und-Paul-Fest in Bretten - Teil 2

Tausende Besucher strömen zum Brettener Peter-und-Paul-Fest und bewunderten unter anderem die tollen Umzüge in mittelalterlicher Pracht.

„Ich habe so etwas noch nie in meinem Leben gesehen“, meint Amelie begeistert. Die 23-Jährige ist extra aus München angereist. Ihre Freundin Jessica kommt ursprünglich aus Bretten und hat ihr von dem Fest erzählt. Auch Jutta Volk, Sigrid Homberger und Peter Tlusty haben eine lange Anreise hinter sich. Sie kommen aus dem hessischen Bensheim und gehören der Heimatvereinigung „Oald Bensem“ an. „Wir wollen die Tradition unserer Heimat zeigen“, erklären sie. Deshalb tragen sie die Kleidung aus der Biedermeier-Zeit. Authentizität ist eben das A und O beim Peter-und-Paul-Fest.

Darauf achtet auch Natascha Kroll, die in ihrem Spinnrad gekämmte Schafswolle zu einem dünnen Faden verzwirbelt. Julia Wurst schaut ihr dabei zu. Ein paar Meter weiter lassen sich der zehnjährige Marlon und sein zwölfjähriger Bruder Silas von Frank Blase zeigen, wie mühsam man früher Papier hergestellt hat. Die beiden sind mit ihrer Oma Ingrid Frech aus Spaichingen hergekommen. „Man kann hier tolle Spiele machen“, sagt Marlon, „und viel über das Mittelalter lernen“. Apropos Lernen: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist Gabi Stegmaier gerade dabei, ein fest auf einer Pechkugel eingebettetes Kupferblech mit Hilfe eines Ziselierhammers und verschiedener Punzen zu verzieren. Später soll daraus eine Gürtelschnalle werden. „Wir haben lange recherchiert, bis wir genau wussten, wie man das im Mittelalter gemacht hat.“ Am Seedamm wird unterdessen gekocht. Carmen, Hannah, Martina, Angie, Judith, Anna und Pia von den Neibsheimer Armbrustschützen sitzen an einer langen Tafel und schneiden Karotten und Zwiebeln. Mit Graupen vermischt, soll daraus ein Eintopf werden – die Beilage zu dem Krustenbraten, der schon seit einer Weile im Ofen gart.

Waschen ganz ohne Seife

Gegenüber haben die Scharfrichter ihr Lager aufgeschlagen. Peter Fernsel ist dort der Hexenriecher und Hexenbanner. Die Abendstunden sind für ihn die schönste Zeit beim Fest. „In den späten Stunden, wenn man gemeinsam am Feuer sitzt, dann fühlt es sich wirklich wie Mittelalter an“, sagt er und fügt grinsend hinzu: „Wenn das Fest vorbei ist, brauchen wir erst mal einen Tag, bis wir wieder zurück im Alltag sind.“ Ob das auch bei den Wäscherinnen so ist? 13 Mitglieder hat die Gruppe. Sie erinnern an eine Zeit, als die Frauen die Wäsche noch mit Batschern bearbeiteten. Das Waschen mit Seife habe sich nur die bessere Gesellschaft leisten können. Beim Peter- und Paul-Fest sind mehr als 60 Gruppen dabei, insgesamt rund 3000 Aktive. „Wenn 130.000 Besucher kommen, dann sind wir zufrieden“, sagt Thomas Lindemann von der Vereinigung Alt-Brettheim. „Es deutet alles darauf hin, dass es klappt.“ Durch die Auszeichnung des Fests als immaterielles Kulturerbe sei das Interesse insgesamt größer geworden. Sogar aus den Vereinigten Staaten und Hong Kong kämen Gäste.