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Vor dem Landgericht in Karlsruhe soll im Mordprozess im Fall Paulus geklärt werden, wer welche Schuld bei einer geplanten Folgetat auf sich geladen hat. Im Bild unter anderem zu sehen: der Hauptangeklagte (Gesicht gepixelt) mit seinen beiden Verteidigern, Professor Ulrich Sommer aus Köln (ganz links) und Cornelius Schaffrath aus Pforzheim (ganz rechts). Foto: Meyer, Archiv
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Der Hauptangeklagte (obere Reihe, Mitte), mit seinen Verteidigern.

Prozess um Mord an Simon Paulus: Hauptangeklagter weist Anschuldigungen zurück

Karlsruhe/Birkenfeld-Gräfenhausen. Nach gut einer Stunde war die Auftaktverhandlung zum Mammutprozess im Fall Paulus am Montagmorgen am Landgericht Karlsruhe schon wieder zu Ende: Neben der Anklageverlesung der Staatsanwaltschaft äußerte sich nur der Hauptangeklagte zu seinen persönlichen Umständen. Sein Anwalt Ulrich Sommer griff die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft an. Die Beweislage sei „dünn“. Sein Mandant weise alle Anschuldigungen zurück und erwarte, „dass er alsbald wieder im Schoße seiner Familie ist“. Zur Tat selbst äußerten sich beide nicht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30-jährigen Italiener aus Pforzheim vor, den Büchsenmacher Simon Paulus am Abend des 29. August in Gräfenhausen ermordet zu haben. Dessen Leiche wurde erst etwa sechs Wochen später gefunden – vergraben im Wald beim Pforzheimer Wildpark. Die Pforzheimer Staatsanwältin Regina Schmid schilderte in einem Szenario den vermuteten Ablauf der Tatnacht. War bisher nur von einer Gewalttat die Rede, wurden nun Details zu Fußtritten und Messerstichen bekannt.

Es sind Abgründe, die sich am Montagmorgen vor dem Schwurgericht in Karlsruhe auftun: Im Prozess um Simon Paulus wird klar, wie der Jäger und Büchsenmacher aus Gräfenhausen den Tod fand, wie seine Leiche verschwand und welche Rolle die Frau aus dem Enzkreis spielt, die von der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang immer wieder erwähnt wurde.

Hauptangeklagt ist ein 30-jähriger Italiener aus Pforzheim, drei Männer im Alter von 26, 27 und 42 Jahren sind wegen ihrer Verwicklung in den Fall sowie wegen weiteren Straftaten mitangeklagt.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Prozessauftakt am Montag: Mutmaßlicher Mörder von Simon Paulus vor Gericht
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Mordfall Simon Paulus: Prozess in Karlsruhe

Das wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vor:

Dem 30-Jährigen wird der Mord an Paulus vorgeworfen. Demnach soll der Mann im Zuge von "bislang nicht aufgeklärten Streitigkeiten" zunächst sein Opfer gewürgt haben und ihm dann von hinten ein Messer zwischen die Schultern gerammt haben. Am Boden liegend habe der Italiener dann noch auf Paulus eingetreten haben, der schließlich durch eine Kopfverletzung starb. Anschließend habe er gut 20 Gewehre und Pistolen des Büchsenmachers aus dessen Wohnung geholt, die LEiche in Folie gewickelt und zum Abtransport seinen 42-jährigen Helfer per Funk herbeigerufen.

Am 30. August soll einer der Mitangeklagten, ein 27-jähriger Deutscher, den Hauptangeklagten begleitet haben, um in Pforzheim etwas zu vergraben – dass es sich dabei um eine Leiche handelte, bemerkte der Mitangeklagte erst, als er den Körper im Kofferraum liegen sah. Ihm gegenüber soll der Italiener ausdrücklich zugegeben haben, Paulus umgebracht zu haben.

Das hat die Frau aus dem Enzkreis mit dem Fall zu tun:

Die 60-Jährige aus dem östlichen Enzkreis hatte eine Beziehung mit einem der Mitangeklagten, einem 26-jährigen Griechen. Er ging wohl davon aus, dass sie sehr wohlhabend war und er im Falle des Todes erben würde. Die Angeklagten wollten die Frau demnach offenbar aus Habgier erhängen und es wie einen Selbstmord aussehen lassen, den die 60-Jährige aus Trauer um ihren verstorbenen Ehemann begangen haben soll. Doch bei der Durchführung der Tat wurden die Männer gestört, die Tochter der Frau war unerwartet zugegen und so verschob man laut Staatsanwaltschaft das Vorhaben – doch die geplante Wiederholung der Tat blieb allerdings aus, da die Männer verhaftet wurden.

Dem Hauptbeschuldigten wird zudem vorgeworfen, seine Ehefrau in fünf Fällen im Schlaf sexuell missbraucht und das Ganze gefilmt zu haben.

Der Hauptangeklagte (unkenntlich gemacht, hinten) sowie die drei Mitangeklagten (hinter Ordnern), ihre Verteidiger und Justizangestellte im Gerichtssaal.

So verlief der erste Prozesstag:

Nach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft stellte einer der beiden Verteidiger des Hauptangeklagten in einem kleinen Eröffnungsplädoyer die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Frage. Außerdem bemängelte er, dass Leute, die offenbar eine Leiche vergraben und weggeschafft haben sollen, nicht in U-Haft sitzen, sondern sich auf freiem Fuß befinden. Und er fügte hinzu, dass die Staatanwaltschsft da wohl "Schach" gespielt habe, nur um am Ende an "den König" zu kommen.

Anschließend begann der Hauptangeklagte, der im Alter von acht Jahren von Sizilien nach Deutschland kam, selbst seinen Werdegang zu beschreiben. Von seiner Schulzeit über seine Ausbildung bis hin zu der Beziehung zu seiner Frau. Er beschreibt sich selbst als liebenden Ehemann. Er sei froh, wenn der "Albtraum" endlich vorbei sei und er wieder zurück zu seiner Familie könne.

Fragen der Nebenkläger will der Angeklagte generell nicht beantworten.

Weitere Details zum Prozess Sie am Dienstag in der Pforzheimer Zeitung sowie im Epaper auf PZ-news.de!