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Professor Dr. Justus Benrath, leitender Arzt der Klinik Öschelbronn, ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Der bekannte Schmerztherapeut referierte im PZ-Forum zum Thema „Moderne Integrative Schmerz- und Tumortherapie“.  Foto: Meyer 

Schmerz und Tod im Fokus: Ganzheitlichen Ansatz der Klinik Öschelbronn vorgestellt

Pforzheim/Niefern-Öschelbronn. Medizinische Vorträge haben die naheliegende Eigenart, maßgeblich von Fachbegriffen bestimmt zu sein. Das tat dem Interesse der rund 100 Besucher im PZ-Forum am Dienstagabend allerdings keinen Abbruch.

Die Gäste waren geradezu heiß auf die Themen. Kein Wunder: Die Temperaturen im Saal waren hoch und gleich zwei spannende Vorträge von Referenten der Klinik Öschelbronn, dem Centrum für Integrative Medizin, Schmerz- und Krebstherapie, standen im Mittelpunkt des aufschlussreichen Abends: Professor Dr. Justus Benrath leitete mit der „Modernen Integrativen Schmerz- und Tumortherapie“ ein, nach einer dringend benötigten Erfrischungspause, bei der die Wasserschorle im Mund verdampfte, ging Robert Feldmann mit provokanten Spitzen auf die Materie „Können wir im 21. Jahrhundert (noch) gut sterben?“ ein.

Benrath, Leitender Arzt der Klinik Öschelbronn, will dort ein umfassend aufgestelltes Schmerzzentrum etablieren. Der Schmerztherapeut ist überzeugt davon, dass der „Tunnelblick der Schulmedizin“ dringend erweitert werden muss – und zwar um ein Gesamtbild, das Leib, Seele und Geist integriert. Nicht nur biologische, sondern auch psychologische und soziale Aspekte seien in eine zutreffende Schmerzanalyse einzubeziehen. Die Grundlagen des Total-Pain-Konzepts von Cecily Saunders seien ebenso zu berücksichtigen, wie die Krankheit als Entwicklungsprozess von Rudolf Steiner. Erst, wenn die Schmerzursachen zutreffend analysiert worden seien, könne individuell eine Therapie greifen. Diese stelle sich in Öschelbronn als Kombination aus der anthroposophischen Medizin dar.

Benrath warb für eine Sichtweise, die den „Schmerz als archaische Erfahrung“ aufschlüssele in kausale Faktoren, die Erfahrungen miteinbeziehe, die der Patient womöglich vor vielen Jahren gemacht habe und die bei einem späteren Schmerzleiden mitursächlich sein könnten. Der Schmerztherapeut unterstrich, dass für eine zutreffende Analyse die richtigen Bausteine zusammengefügt werden müssten. Nicht zuletzt müsse Zeit bleiben, „für eine liebevolle Zuwendung zum Patienten“. Wichtig seien bildgebende Verfahren, um Medizin punktgenau an der richtigen Stelle injizieren zu können.

Zeitliche Aspekte rückte Robert Feldmann, Oberarzt für Integrative Schmerz- und Palliativmedizin, in den Vordergrund. Das Sterben, der Tod, dabei handele es sich um Prozesse, die in ihre Einzelabschnitte aufgeschlüsselt werden müssten und somit unterschiedliche Interventionen des Personals nötig machten. Oft werde er von Betroffenen auf der Station gefragt: „Wann beginnt das Sterben? Hat es schon begonnen?“

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